Ein Mann und eine Frau im Bett
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Sex in Deutschland Hetero, monogam und einmal pro Woche

Wie machen die Deutschen am liebsten Liebe? Und wie viele Sexualpartner haben Männer und Frauen eigentlich so im Durchschnitt? Mit all diesen Fragen, die eher an Dr. Sommer erinnern als an seröse Wissenschaft, haben sich Psychologen der Technischen Universität Braunschweig gemeinsam mit Kollegen aus Hildesheim, Jena und Hannover beschäftigt. Was nach Voyeurismus klingt, hat aber einen ernsten Hintergrund: Es geht um die Gesundheit.

Ein Mann und eine Frau im Bett
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Das Ergebnis ist repräsentativ für Deutschland: Insgesamt 2.524 Menschen ab 14 Jahren haben den Forschern Fragen über ihr Sexualleben beantwortet - und es ihnen so ermöglicht, Rückschlüsse auf das Treiben in den deutschen Schlafzimmern zu nehmen. Die Studie zum Sexualverhalten in Deutschland ist jüngst im "Deutschen Ärzteblatt" veröffentlicht worden.

Zehn zu fünf? Das große Flunkern!

David Hasselhoff 1995 mit Baywatch Team
Uraltklischees wirken immer noch: Unter Männern gilt es als attraktiv, viele Sexpartnerinnen zu haben. Bildrechte: IMAGO

Das wohl interessanteste Ergebnis der Studie betrifft die Anzahl der Sexpartner der Befragten. Demnach haben die deutschen Männer nach eigenen Angaben im Schnitt mit zehn Partnerinnen geschlafen, Frauen dagegen nur mit fünf Partnern. Doch haben Männer wirklich doppelt so viele Sexpartner wie Frauen? Das ist wohl kaum der Fall, sagen die Forscher. Das Verhältnis ist erstaunlich hoch und lässt sich statistisch kaum erklären. Doch neu ist dieses Phänomen nicht: Solche Diskrepanzen hätten sich in der bisherigen Sexualforschung auch schon ergeben, schreiben die Forscher um die Erstautorin Julia Haversath von der Technischen Universität Braunschweig.

Doch woher kommen diese Unterschiede? Ganz einfach, sagen die Psychologen: Die Befragten flunkern vermutlich was das Zeug hält. Die Wissenschaftler bezeichnen das als "Selbstwertdienliche Verzerrungen und geschlechtsspezifisches Antwortverhalten". Vereinfacht gesagt, bedeutet das: Die Männer wollten sich in der Befragung womöglich als besonders versierte Verführer darstellen, die Frauen dagegen nicht als "leicht zu haben" gelten. Das glaubt auch Arne Dekker vom Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE): "Sie inszenieren damit auch ihre Geschlechterrollen." So glaubten manche Männer, es sei attraktiv viele Frauen im Bett zu haben, bei Frauen sei oft das Gegenteil der Fall. Dass Männer jedoch doppelt so viele Sexualpartnerinnen haben sollen, hält auch Dekker für eher unwahrscheinlich: "Man würde ja denken, es sollte irgendwie aufgehen."

Ein statistischer Faktor, der das Ergebnis zusätzlich verzerren könnte, so die Forscher, könnte sein, dass acht Prozent der befragten Männer angaben, Sex mit Prosituierten gehabt zu haben. Diese Gruppe hatte im Mittel mit vier Prostituierten sexuellen Kontakt.

Hetero und monogam

Die Befragung der Psychologen liefert aber noch viel mehr Zahlen, die womöglich ein realistischeres Bild von dem zeichnen, was sich in Deutschlands Betten wirklich abspielt. Die meisten Menschen haben - wenig überraschend - Erfahrungen mit Vaginalverkehr. So gaben 88 Prozent der Männer und 89 Prozent der Frauen an, schon solchen Sex gehabt zu haben. Wesentlich weniger Menschen wurden dagegen schon oral befriedigt: 56 Prozent der Männer und 48 Prozent der Frauen.

Die große Mehrheit der Deutschen gab an, heterosexuell zu sein (Männer - 86 Prozent, Frauen - 82 Prozent). Nur fünf Prozent der Männer und acht Prozent der Frauen hatten demnach schon sexuellen Kontakt zum gleichen Geschlecht. Gerade einmal jeweils ein Prozent der Befragten gab an, ausschließlich homosexuell zu sein. Allerdings machten einige auch keine Angaben oder erklärten, dass keine der möglichen Kategorien auf sie zutreffe.

5 Mal im Monat - bei den Jungen

Liebespaar
Wild und verrückt? Die Deutschen mögen es eher treu und klassisch. Bildrechte: colourbox.com

Ein Ergebnis, das ebenfalls wenig überraschen dürfte, betrifft die Häufigkeit des sexuellen Kontakts: Am sexuell aktivsten ist die Gruppe der 25- bis 29-Jährigen mit im Schnitt 60 Mal Vaginalverkehr pro Jahr bei den Männern und 47 Mal bei den Frauen. Danach sinkt die Häufigkeit stetig ab: Männer im Alter von 50 bis 59 Jahre haben demnach 34 Mal pro Jahr solchen Sex, Frauen 22 Mal.

Und auch beim Thema Treue gibt es Unterschiede zwischen Männern und Frauen in Deutschland. So gab etwa jeder fünfte Mann (21 Prozent) an, schon einmal fremdgegangen zu sein. Bei den Frauen waren es dagegen nur 15 Prozent. Tatsächlich scheinen die Deutschen treue Seelen zu sein: Mehr als die Hälfte aller Befragten (57 Prozent) gab an, in einer festen Partnerschaft zu leben. Doch trotz Partner, bleibt das Thema Verhütung offenbar meist an den Frauen hängen: Innerhalb ihrer Beziehung verhüten 76 Prozent der Befragten nie mit Kondom, jede zweite Frau (51 Prozent) unter 50 Jahren nimmt die Pille oder ähnliche orale Verhütungsmittel. Fünf Prozent gaben an, auf Verhütung zu verzichten, weil sie einen Kinderwunsch haben.

Hintergrund: Sexuell übertragbare Krankheiten

Die Forscher haben all diese Daten nicht einfach aus Interesse erhoben. Das Ziel der Befragung war den Autoren zufolge bevölkerungsbasierte Zahlen zur Häufigkeit von verschiedenen sexuellen Verhaltensweisen zu erheben. Die fehlten bisher in Deutschland, seien aber wichtig für die Prävention und Behandlung sexuell übertragbarer Infektionen. Doch der Hamburger Forscher Dekker gibt zu bedenken, dass die Studie eher als "kleine, verdienstvolle Ergänzung, die erstmals repräsentative Angaben zum Sexualleben der Gesamtbevölkerung macht" zu werten sei, aber kaum Rückschlüsse auf die Verbindung von Sexualverhalten und Medizin zulasse. Dafür bräuchte es "große Bevölkerungsstudien" zum Sexualverhalten, wie es sie in anderen europäischen Ländern gebe, sagt Dekker.

Kleine "Hochrisikogruppe" bereitet Sorgen

Eine kleine Gruppe der Befragten von gerade einmal 2,5 Prozent macht den Verfassern der Studie besondere Sorgen: Sie haben angegeben, in ihrer aktuellen Beziehung sexuelle Kontakte zu anderen pflegen und generell auch schon ungeschützt Sex mit anderen Personen außerhalb der Partnerschaft gehabt zu haben sowie in ihrer Beziehung nicht immer Kondome zu nutzen. Bei dieser "Hochrisikogruppe" sei es besonders wahrscheinlich, dass sie an einer sexuell übertragbaren Infektion wie HIV, Gonorrhö oder Syphilis erkranken könnten - vor allem, weil gerade diese Personen besonders viele Sexpartner haben. Den Angaben zufolge sind es sogar dreimal so viele Sexpartner wie der Durchschnitt: Männer 38, Frauen 17.

Doch nicht nur dieser Gruppe empfehlen die Studienautoren: Wer nicht ständig mit Kondomen verhütet, sollte sich regelmäßig sexualmedizinisch untersuchen lassen. Solche Routineuntersuchungen könnten die Verbreitung sexuell übertragbarer Infektionen begrenzen. Das ist zwar keine ganz neue Erkenntnis, aber dafür ein Rat, den man nicht oft genug wiederholen kann.

Studie zeigt: Deutsche haben weniger Sex

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Bildrechte: Colourbox.de / MDR JUMP
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Über dieses Thema berichtet MDR Aktuell auch im: Radio | 23.08.2017 | 18:50 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 24. August 2017, 13:28 Uhr