Junge Leute sitzen sich bei einer Speed-Dating-Veranstaltung gegenüber
Bildrechte: IMAGO

Dating-Tipps aus der Wissenschaft Wer fragt, gewinnt

Beim Kennenlernen gilt: Wir mögen Menschen, die ihr Interesse an uns zeigen, indem sie Nachfragen stellen, wenn wir etwas über uns erzählen. Beobachten wir fremde Gespräche ist es aber genau umgekehrt. Harvard-Psychologen zeigen, wie wir das nutzen können - beim Date oder dem Vorstellungsgepräch.

Junge Leute sitzen sich bei einer Speed-Dating-Veranstaltung gegenüber
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Interessieren Sie sich vor allem für Ihr Gegenüber oder sprechen Sie lieber über sich selbst? Beides kann Vorteile haben, je nachdem, in wessen Gunst Sie gerne steigen möchten. Das zeigt eine Studie von Psychologen von der Harvard University, die Paare beim Speed-Dating beobachtet haben und überprüften, wer sich sympathisch fand und warum.

Eine Speeddating-Party
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Speed-Dating ist eine Form von Kontaktbörse, bei der Menschen nur ein paar Minuten Zeit haben einander kennenzulernen, bevor sie an den nächsten Tisch zum nächsten Unbekannten wechseln. So können sie innerhalb kurzer Zeit viele mögliche Partner kennenlernen. Wie die Zeitschrift "Spektrum der Wissenschaft“ berichtet, zeigte sich in der Untersuchung des Teams um die Verhaltensforscherin Francesca Gino: Partner, die beim Flirten unter Zeitdruck mehr vertiefende Nachfragen stellen, haben eine größere Chance, zu einem zweiten Date eingeladen zu werden. Wurden bei einem weiteren Experiment die Gespräche neutralen Zuschauern vorgeführt, mochten diese wiederum diejenigen Akteure lieber, die eher Fragen beantworteten und mehr über sich erzählten.

Die Wissenschaftler nutzten für ihre Analyse rund 1.000 Tonaufnahmen von Speed-Dates. Sie enthielten jeweils 15 bis 19 vierminütige Dates von insgesamt 110 Frauen und Männern. Die Teilnehmer hatten zudem notiert, wen sie mochten und wen sie noch einmal treffen wollten.

Bei der Analyse zeigte sich: Wer mehr vertiefende Nachfragen stellte, bekam häufiger ein zweites Date angeboten. Vor allem Männer konnten dabei ihren Erfolg erhöhen, waren die Frauen doch deutlich wählerischer. Sie wollten nur jeden dritten ihrer neuen Kontakte wiedersehen. Die Männer boten jeder zweiten Frau ein zweites Treffen an.

Daten im Labor

Um andere Faktoren auszuschließen, untersuchten die Forscher ihre Thesen zudem im Labor. Dort sollten die Paare 15 Minuten am Computer chatten, ohne sich dabei zu sehen. Die Teilnehmer hatten dabei eine Vorgabe, wie viele Fragen sie stellen sollten, die eine Gruppe höchstens vier, die andere mindestens neun. Auch hier zeigte sich: Wer mehr Fragen stellte, galt seinem Chatpartner als sympathischer, einfühlsamer und mehr zugewandt.

Allerdings galt das nicht für neutrale Beobachter. Laut "Spektrum“ mochten unbeteiligte Dritte, die die Chats verfolgten, eher diejenigen Personen, die den Vielfragern antworteten und dadurch mehr über sich preisgaben. Für strategisch geführte Gespräche ist das ein wichtiger Unterschied: Wollen Sie ein Herz erobern, geben Sie Ihrem Gegenüber durch Nachfragen dazu das Gefühl, dass Sie sich wirklich für Ihn interessieren. Wollen Sie stattdessen ein Publikum oder eine Bewerbungskommission überzeugen, erzählen Sie mehr über sich.

Über dieses Thema berichtete der MDR im Fernsehen: MDR exakt | 28.09.2016 | 20:15 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 09. Mai 2017, 21:04 Uhr