Medizinische Grafik einer Niere.
Bildrechte: IMAGO

Weltnierentag Die Niere: Das unterschätzte Organ

Viele Menschen denken bei wichtigen Organen sofort an Herz oder Gehirn. Allerdings spielen auch die Nieren eine extrem wichtige Rolle für den Organismus. Der Weltnierentag am Donnerstag soll darauf aufmerksam machen.

von Kristin Kielon

Medizinische Grafik einer Niere.
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Die Niere ist ein echter Workaholic: Ein Dasein als Putzfrau des menschlichen Körpers reicht ihr nicht. Sie will auch bei weniger schmuddeligen Aufgaben mitmischen: Unter anderem hilft sie bei der Regulation des Blutdrucks, bei der Bildung von Vitaminen oder beim Wachstum. Doch die Mühe wird wenig wertgeschätzt: Wer an die Niere denkt, denkt in erster Linie eben an Urin, sagt der Urologe Paolo Fornara vom Universitätsklinikum Halle.

Paolo Fornara
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Man weiß nur, sie ist dazu da uns zu reinigen. Aber eigentlich macht sie viel mehr. Sie ist zum Beispiel das Organ, das den höchsten Blutdurchfluss in unserem Körper hat.

Urologe Paolo Fornara

Etwa ein Liter der sechs Liter Blut im menschlichen Körper, fließt jede Minute durch die Nieren. Daraus entfernen Millionen kleiner Filterstationen – die Nierenkörperchen – Schad- und Giftstoffe. Und die werden dann eben in Form von Urin aus dem Körper befördert. Sie sind auch für die gelbe Färbung verantwortlich. Doch wie gelb sollte Urin eigentlich sein? Hellgelb, sagt Paolo Fornara. "Die Farbe erlaubt einen Rückschluss auf unser Trinkverhalten. Der Urin sollte nie zu stark konzentriert sein, weil das würde bedeuten, dass die Niere zu viel arbeiten muss."

Zum Glück kann die Niere sich die Arbeit teilen: Gleich zwei der faustgroßen Organe in Form überdimensionaler Kidney-Bohnen hat der Mensch im Normalfall. Fällt eine davon aus, kann die andere die Arbeit aber auch allein erledigen.

Das ist so eine Art Backup der Evolution. Nieren sind überlebenswichtige, zugleich aber störanfällige Organe.

Urologe Paolo Fornara
Grafik erklärt die Funktionsweise des Filterns in den Nephronen der Niere
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Und die Niere ist hochintelligent. Nur wissen das die Wenigsten. Viele Menschen wissen nämlich nicht einmal, wo im Körper sie eigentlich sind. Die Nieren liegen deutlich höher als viele denken: Am Rücken in Höhe des letzten Rippenbogens. Trotzdem hat der Hallenser Urologe immer wieder Patienten im Behandlungszimmer, die sich über Nierenschmerzen in Höhe des Hosenbundes beklagen. "Das sind ganz ganz selten Nierenschmerzen. Das sind in der Regel Rückenschmerzen, Muskelschmerzen oder sonstige Schmerzen. Die Nieren machen in aller aller Regel bei Erkrankungen, die beide Nieren befallen – das sind ja die Gefährlichen eigentlich – eigentlich gar keine Schmerzen."

Und auch wer meint, eine Doppelniere und damit insgesamt drei Nieren zu haben, erliegt einem Trugschluss: Derjenige hat einfach nur zwei Harnleiter an einer Niere. Ein Phänomen gibt es aber wirklich: Getränke, die schnell ins Blut gehen, sorgen dafür, dass man häufiger zur Toilette muss – so wie etwa Kaffee, Saft oder Alkohol. Letzterer ist allerdings weniger anstrengend für die Niere als für die Leber.

Über dieses Thema berichtet MDR-Aktuell auch: im Radio | 09.03.2017 | 06:54 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 26. Oktober 2017, 15:20 Uhr