Schwarz-weiß-Foto eines Mannes mit Brille und freiem Oberkörper, der in einen Spiegel schaut.
Bildrechte: TEB e. V. Selbsthilfe

Welt-Pankreaskrebstag Eric D. (41): Ich werde den Krebs besiegen

Bauchspeicheldrüsenkrebs ist wohl die tückischste, auf jeden Fall tödlichste Krebsart. Erst merken Betroffene gar nichts, dann gibt es sehr unspezifische Symptome und später nimmt man rapide ab. Das ist ganz pauschal der Ablauf, wenn Bauchspeicheldrüsenkrebs festgestellt wird. Er ist schwer zu erkennen, wird spät diagnostiziert und führt in fast allen Fällen zum Tod. Aber Aufgeben ist keine Option - sagt Eric D., bei dem vor zwei Jahren Pankreas diagnostiziert wurde. "Ich werde wieder gesund!"

von MDR-Wissenschaftsredakteur Karsten Möbius

Schwarz-weiß-Foto eines Mannes mit Brille und freiem Oberkörper, der in einen Spiegel schaut.
Bildrechte: TEB e. V. Selbsthilfe

Erik D. ist erst 39 Jahre alt, als er die Hiobsbotschaft bekommt. Nach einer Operation, die den Verdacht endgültig bestätigt, sagt man ihm, dass er keine Chance mehr hat. Er hatte das Gefühl, es läuft ein Film ab, erzählt er: "Ich hab gedacht, von wem reden die eigentlich?" Er sei nie krank gewesen, habe immer gearbeitet, dann werde er einmal krank und dann sowas.

Das war vor etwa zwei Jahren. Damit ist Erik D. eher eine Ausnahme. Nur etwa fünf Prozent aller Erkrankten überstehen die ersten fünf Jahre. Prof. Andreas Trumpp vom deutschen Krebsforschungszentrum in Heidelberg zufolge hat sich daran auch in den vergangenen 15 Jahren wenig bis gar nichts verändert. Auch neuere Therapien hätten relativ wenig Erfolg, die Überlebensrate deutlich zu steigern.

Fast alle Patienten erliegen der Krankheit

Jährlich erkranken etwa 17.000 Deutsche an Bauchspeicheldrüsenkrebs und beinahe alle sterben auch daran. Das ist bei anderen Krebsarten anders. Dort gibt es immer bessere Therapiemöglichkeiten anders als bei dem äußerst aggressiven Bauchspeicheldrüsenkrebs, der sehr schnell Metastasen bildet und in der Regel zu spät erkannt wird:

Der Pankreaskrebs wird in zehn Jahren wahrscheinlich der Killer Nummer eins sein - also zum Beispiel Lungen- oder Darmkrebs überholt haben. Es wird allerdings gerade aus dem Grund weltweit sehr intensiv geforscht.

Prof. Andreas Trumpp, Deutsches Krebsforschungszentrum

Die Forscher sind unter anderem der Frage auf der Spur: Warum sprechen so wenig Patienten auf Chemotherapien an? Prof. Trumpp und seine Kollegen haben dabei Stoffe gefunden, mit denen Bauchspeicheldrüsentumore Chemotherapeutika gezielt unwirksam machen.

Verein hilft Betroffenen

Erik D. ist einer der Patienten, bei denen die Chemotherapie anspricht. Der Tumor wächst nicht weiter und hat auch noch nicht gestreut. Doch nach dem ersten Schock kamen die schlimmen Gedanken, erzählt er: "Wir haben ein Haus gekauft, das ist natürlich noch nicht bezahlt und ist alles abgesichert? Und die Mädchen sind noch nicht groß und die Versicherungen usw.. Tausend Sachen gehen einem durch den Kopf, man weiß gar nicht, was man zuerst denken soll."

Erik D. suchte nach Hilfe, nach Halt und Unterstützung auch außerhalb der Familie. Im Internet stieß er auf den bundesweiten Selbsthilfeverein TEB. Die Abkürzung steht für Tumore und Erkrankungen der Bauchspeicheldrüse.

Schwarz-weiß-Foto eines Mannes mit Brille und freiem Oberkörper, der in einen Spiegel schaut.
Erik D. engagiert sich für die Beratungstelle TEB Bildrechte: TEB e. V. Selbsthilfe

Die machen wahnsinnig tolle Arbeit: Betreuung am Krankenbett, an der Telefonseelsorge und dann kümmern sie sich um alles mögliche - zum Beispiel den Schwerbehindertenantrag. Alles so Sachen, die man nicht sofort im Hinterkopf hat.

Erik D., Krebspatient

Etwa 120 Menschen suchen wie Erik D. jeden Monat Hilfe bei diesem Verein, erzählt Vorsitzende Katharina Stang. Nach weit mehr als 30.000 Beratungsgesprächen weiß sie ganz genau, was die ersten Fragen der Betroffenen sind: "Was kann ich tun? Wo gibt es Spezialisten? Welche Therapiemöglichkeiten gibt es? Ist deutschlandweit alles so, dass ich es für mich annehmen kann? Gibt es im Ausland vielleicht mehr?"

Durchschnittliche Lebensdauer nach Diagnose gestiegen

Eine blonde Frau sitzt auf Treppenstufen, die mit violettem Stoff bedeckt sind, und hält ein Schild hoch.
Katharina Stang leitet die Beratungsstelle für Betroffene mit Bauchspeicheldrüsenkrebs Bildrechte: TEB e. V. Selbsthilfe

Trotz der eher schlechten Prognosen bei Bauchspeicheldrüsenkrebs erlebt Katharina Stang in den letzten Jahren Fortschritte. Dank neuer Medikamente hat sich die Lebensqualität in der Krankheitsphase deutlich erhöht: Die Lebensdauer nach Diagnose ist von durchschnittlich neun Monaten auf anderthalb Jahre angestiegen. 

Katharina Stang berät am Telefon, über Skype, geht mit Betroffenen zu Ärzten, erklärt, stellt dabei stellvertretend die wichtigen Fragen und empfiehlt Spezialisten. Besonders wichtig ist ihr, dass die Betroffenen in die Pankreas-Zentren gehen, damit sie wirklich eine Rundumversorgung bekommen. Denn viele Betroffene wechseln in ihrer schwierigen Situation immer wieder die Ärzte, holen sich immer neue Meinungen ein.

Und dann versuchen wir auch den Leuten die Angst zu nehmen und sagen: Da sind sie in guten Händen. Bleiben sie dort. Aber versuchen sie nicht zu springen. Das ist nämlich nicht förderlich.

Katharina Stang, Selbsthilfeverein TEB

Bauchspeicheldrüsenkrebs kann jeden treffen

Erik D. hat nach den ersten Kontakten mit dem Verein beschlossen, sich zu engagieren. Er will helfen, dass diese tödliche Krankheit mehr in die öffentliche Wahrnehmung rückt. Und er hat noch eine andere Botschaft: Der 41-jährige gelernte Koch ist jetzt Rentner. Er war immer ein gesunder, schlanker Mann und Nichtraucher. Er will deutlich machen: Bauchspeicheldrüsenkrebs kann jeden treffen.

Die Pläne für sein Engagement sind längerfristig, sagt er: "Ich für mich habe das Ziel, ich werde wieder gesund. Am Anfang hat mich jeder belächelt - mittlerweile glaube ich, ein paar Menschen glauben auch dran. Ich werde wieder gesund!"

Zuletzt aktualisiert: 08. Februar 2017, 13:52 Uhr