Einfüllen von Scheibenfrostschutz an einem Automobil.
Ethylenglykol ist ein Kühlerfrostschutzmittel für Autos. Auch im Scheibenfrostschutz ist es anteilig vorhanden. Bildrechte: IMAGO

Erpressung mit vergifteten Lebensmitteln Ethylenglykol – was ist das für ein Gift?

Ein Erpresser droht damit, in deutschen Lebensmittelmärkten Nahrung zu vergiften. Eine Sorte will er bereits vergiftet haben: Ausgerechnet Babynahrung. Das Gift: Ethylenglykol. Wie gefährlich ist das?

Einfüllen von Scheibenfrostschutz an einem Automobil.
Ethylenglykol ist ein Kühlerfrostschutzmittel für Autos. Auch im Scheibenfrostschutz ist es anteilig vorhanden. Bildrechte: IMAGO

Ethylenglykol ist eine Alkoholverbindung. Besser bekannt ist sie den meisten als Frostschutzmittel und wird in der Regel als Kühlerfrostschutz, dann rosa eingefärbt, z.B. bei Fahrzeugen eingesetzt. Giftig ist es vor allem für die Nieren, das zentrale Nervensystem, die Leber, die Lunge und das Herz. Wird die Einnahme nicht gleich behandelt, kann das u.a. zu einer dauerhaften Nierenschädigung kommen, so Dagmar Prasa, kommissarische Leiterin des Giftnotrufs in Erfurt.

Wenn eine toxische Dosis aufgenommen wurde, muss das auf alle Fälle in der Klinik behandelt werden. Es gibt ein Gegenmittel gegen die Ethylenglykolvergiftung. Das kann man also gut behandeln in der Klinik, wenn das rechtzeitig erkannt wird.

Dagmar Prasa, Giftnotruf Erfurt

Nur das muss es erstmal. Das Problem: Es ist eine farblose Flüssigkeit, man kann sie nicht riechen und sie hat obendrein einen süßlichen Geschmack. Aber sie ruft Symptome hervor. Und die sind vergleichbar mit Symptomen bei Alkohol, so Gift-Expertin Prasa. Vom klassischen Alkoholrausch bis zu Magen-Darm-Beschwerden.

Und weil das einfach eine Reizwirkung hat, kann es eben zu Übelkeit, zu Erbrechen, zu Bauchschmerzen kommen.

Dagmar Prasa

1 Milliliter ist toxisch für ein Baby

Dafür braucht es aber auch eine relevante Menge des Gifts. Ob die ein Säugling aufnehmen kann, das hängt davon ab, wie stark die Konzentration des Ethylenglykols in der Babynahrung ist. Das Bundesinstitut für Risikobewertung gibt an, dass die toxische Dosis, bei der schwere Symptome auftreten können, bei 0,1 ml je Kilogramm Körpergewicht liegt. Das Schweizer Bundesamt für Gesundheit hat das umgerechnet. Bei einem Erwachsenen mit 75 Kilo Gewicht bedeutet das 7,5 Milliliter und bei einem Kleinkind mit zehn Kilogramm kann bereits ein Milliliter schwere Symptome hervorrufen. Gefährlich ist jedoch nicht der Ethylenglykol selbst, sondern die bei seinem Abbau entstehenden Stoffwechselprodukte, sogenannte Metabolite.

Werden die Symptome schnell entdeckt, kann es sinnvoll sein, den Magen auszupumpen. Oft treten die Symptome jedoch erst mit Verzögerung auf. Dann können die Ärzte Ethanol einsetzen – also Alkohol. Der verhindert, dass der Körper weiter Ethylenglykol abbaut, so das Bundesinstitut für Risikobewertung in einer Mitteilung. Dadurch entstehen keine weiteren toxischen Metaoblite und der Ethylenglykol kann ausgeschieden werden. Bei Kindern wird ein alternatives Präparat verwendet - Fomepizol. Auch das verhindert den Abbau des Ethylenglykols zu seinen gefährlichen Metaboliten.

Über dieses Thema berichtet MDR AKTUELL: im Radio | 28.09.2017 | 14:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 28. September 2017, 16:34 Uhr