Ein Ferkel
Bildrechte: Colourbox.de

Biomedizin Forscher erschaffen Mensch-Schwein-Mischwesen

Ein Schweine-Embryo mit menschlichen Zellen - US-Wissenschaftler haben diese Chimäre über vier Wochen am Leben erhalten. Sie wollten mit dem Versuch herausfinden, ob in Schweinen mit menschlichen Zellen menschliche Organe heranwachsen können.

Ein Ferkel
Bildrechte: Colourbox.de

Was Juan Carlos Izpisua Belmonte und sein Team vom Salk Institute of Biological Studies in La Jolla/Kalifornien veröffentlicht haben, hat das Zeug zum medizinischen und ethischen Sprengstoff. Denn sie haben praktisch nachgewiesen, dass Mischwesen, also Chimären, zwischen Mensch und Tier möglich sind. In hunderten Versuchen haben sie verschiedenste Formen solcher Mischwesen geschaffen, wie sie in ihrer Veröffentlichung im Fachmagazin "Cell" beschreiben.

Transportbox für eine Niere bei einer Nierentransplantation.
Bildrechte: IMAGO

Das Ganze funktioniert mit sogenannten pluripotenten Stammzellen. Deren Besonderheit ist, dass sie sich zu verschiedenen Zellen entwickeln können und nicht auf eine spezifische Form oder ein Organ festgelegt sind. Ein Beispiel der Tierversuche lief so: Die Forscher schalteten mit Hilfe der Genschere Crispr/Cas9 bei Mäusen ein Gen ab, das die Entwicklung der Bauchspeicheldrüse steuert. Stattdessen setzten sie an die Stelle Stammzellen einer Ratte. Das Ergebnis: In der Maus wuchs eine Rattenbauchspeicheldrüse. Genau das ist das Ziel der Forscher: Die Mischwesen nutzen, um z.B. in einem Tier mit menschlichen Stammzellen ein menschliches Organ wachsen zu lassen.

Und für menschliche Organe kämen dann eben Schweine als Teil des Mischwesens in Frage. Das diese Wesen existieren können, haben die Forscher mit ihrem Embryo gezeigt, der vier Wochen lang in der Sau herangewachsen ist, "lange genug, um feststellen zu können, wie sich die menschlichen und die Schweinezellen mischen", so  Izpisua Belmonte. Medizinisch ist die Frage damit beantwortet, ob sich in Schweinen menschliche Zellen entwickeln können. Ethisch hat die Diskussion gerade erst begonnen.

Das transgene Schwein Bei dieser Entwicklung versuchen Mediziner, Schweineorgane durch Genveränderungen menschlicher zu machen. Britische und amerikanische Forscher haben z.B. Ferkel geklont, denen das Gen fehlt, welches normalerweise ein Protein erzeugt, das für die Abstoßung im menschlichen Körper verantwortlich ist. Anderen Schweinen wurden Erbinformationen des Menschen eingepflanzt, so dass die Zellen der Schweinenieren ein menschliches Eiweiß auf der Oberfläche tragen. Das Schweineorgan soll dadurch vom menschlichen Immunsystem länger toleriert werden.

Über diese Thema berichtete MDR Aktuell im Radio | 27.01.2017 | 12:15

Wissen

Prof. Emmanuelle Charpentier - Humboldt-Professorin 2014, heute Direktorin am Berliner Max-Planck-Institut für Infektionsbiologie
Prof. Emmanuelle Charpentier - Humboldt-Professorin 2014 und CRISPR-Entdeckerin Bildrechte: Humboldt-Stiftung/Sven Müller

Zuletzt aktualisiert: 30. Januar 2017, 11:34 Uhr