Müll bleibt an einer schwimmenden Barriere im Meer hängen.
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Verschmutzung von Elbe, Nord- und Ostsee Mikroplastik – die große Katastrophe

Kann eine Katastrophe noch gesteigert werden? Ja. Mikroplastik-Partikel, die ohnehin schon unsere Umwelt vermüllen, sind auch noch Träger von Schadstoffen und Krankheitserregern. Das zeigen aktuelle Studien an Elbe, Nord- und Ostsee.

Müll bleibt an einer schwimmenden Barriere im Meer hängen.
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Kleinste Plastikteilchen belasten den Boden in den norddeutschen Flüssen und Flachwassergebieten von Nord- und Ostsee. Sie binden giftige und krebserregende Stoffe und können durch Würmer, Muscheln und Fische auch in die menschliche Nahrungskette gelangen. Das ist das Ergebnis eines aufwendigen Forschungsprojektes der Hochschule für Angewandte Wissenschaften Hamburg (HAW), das heute auf dem Forschungsschiff der Hochschule in Magdeburg vorgestellt wurde. Ein Forscher-Team hatte auf zwei Expeditionen mit dem Forschungsschiff „Aldebaran“ Schadstoffe und Plastikteilchen entlang der Flussmündungen und Boddengewässer gesammelt und ausgewertet. Dabei stellte sich heraus, dass Mikroplastik höher als erwartet von Schadstoffen belastet ist, darunter auch mit dem krebserregenden PCB.

Das zeigt das Potential auf, dass die Krankheitserreger sich also per Anhalter innerhalb eines Ökosystems verteilen.

Gunnar Gerdts, Mikrobiologe am Alfred-Wegener-Institut

Damit bestätigten die Forscher die Vermutungen von Umweltschützern, dass Mikroplastik nicht nur selbst zur Gefahr für die Umwelt wird, sondern auch noch Träger von Giftstoffen werden kann. Erst vor wenigen Tagen hatten Meereswissenschaftler des Alfred-Wegner-Institutes Bremerhaven ihre Forschungsergebnisse veröffentlicht. Sie untersuchten, wie sich sogenannte Vibrionen im Meer ausbreiten. Das sind Bakterien, die sich bei Hitzewellen und dadurch erwärmtem Wasser (über 22 Grad) explosionsartig vermehren. Sie sorgen für Durchfall oder schwere Entzündungen und können im schlimmsten Fall zum Tod führen. Genau diese Vibrionen fanden die Forscher auf den Mikroplastik-Partikeln. „Das zeigt das Potential auf, dass die Krankheitserreger…  sich also per Anhalter innerhalb eines Ökosystems verteilen und auch darüber hinaus verbreiten können“, so Gunnar Gerdts, Mikrobiologe am Alfred-Wegener-Institut.

Selbstverpflichtung funktioniert nicht

Finger mit Mikroplastikpartikeln
Bildrechte: Stephan Glinka / BUND

Mikropartikel entstehen durch den Zerfall von großem Plastemüll und sind selbst Bestandteil z.B. vieler Kosmetikprodukte. Da sie extrem klein sind, werden sie in Kläranlagen nicht gefiltert und gelangen u.a. so in die Umwelt. Eine Selbstverpflichtung soll in Deutschland dafür sorgen, dass die Kosmetikindustrie diese Stoffe ersetzt. Greenpeace hat diese Selbstverpflichtung untersucht. Ergebnis: Es fehlt an Transparenz, viele Firmen haben Schlupflöcher gefunden. Deshalb fordert die Umweltorganisation jetzt ein Verbot. Auch der BUND hat die Firmen und Produkte unter die Lupe genommen. Sein Ergebnis ist ein Einkaufsratgeber für Kosmetik, der helfen soll, Produkte ohne Mikroplastik zu finden und der aufklärt, welche Kunststoffe in welchen Artikeln zu finden sind.

Alternativen: Buchenholz und Milch

Anbieter von Naturkosmetik nutzen seit langem Kieselsäure, Leinsamen, Heilerde oder Zuckerverbindungen als Ersatz z.B. in Peelings. Von diesen Erfahrungen profitieren nun auch die großen Kosmetikunternehmen. Auch die Wissenschaft bietet Ersatz. So hat zum Beispiel das in Halle ansässige Fraunhofer-Institut für Werkstoffmechanik eine Alternative entwickelt. Die Materialforscher nutzen dafür Buchenholz. Es wird fein gemahlen und dann als Zellulose der Kosmetik beigemischt. Ob das Haut und Zahnoberflächen ebenso gut abschmirgelt wie Mikroplastik, testen die Forscher mit einer Bürstmaschine. Ein anderer Ersatz kommt aus Hannover. Dort hat eine Firma Peeling aus Milch entwickelt, das sich nach eigenen Angaben rückstandsfrei auflöst.  

Zuletzt aktualisiert: 02. August 2017, 15:19 Uhr