Pipetten im Labor Pilz Diagnostik
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Getarnte Gefahr Neuer Hefepilz gefährdet Patienten

Der Hefepilz Candida auris wurde 2009 erstmals in Asien nachgewiesen. Inzwischen tritt er auch zunehmend in Deutschland auf. Für schwerkranke Menschen ist er gefährlich, dennoch wird er bei Untersuchungen oft nicht entdeckt.

von Kathleen Raschke-Maas

Pipetten im Labor Pilz Diagnostik
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In den USA, in Großbritannien und Indien wurden in den vergangenen Monaten immer mehr Infektionen mit "Candida auris" erfasst. Für schwerkranke Menschen ist der Pilz gefährlich. Auch in Deutschland breitet er sich immer weiter aus. Mediziner und Labors sollten sich vorbereiten, empfiehlt Prof. Oliver Kurzai vom Nationalen Referenzzentrum für invasive Pilzinfektionen in Jena . 2015 trat zunächst ein Einzelfall auf, in diesem Jahr hat das Nationale Referenzzentrum für invasive Pilzinfektionen in Jena bereits drei Fälle registriert.

Wir gehen jedoch davon aus, dass es tatsächlich mehr Fälle gibt. Es gibt sicherlich Labors, denen der Erreger durchgerutscht ist.

Oliver Kurzai, Leiter des Nationalen Referenzzentrums für invasive Pilzinfektionen Jena
Prof. Oliver Kurzai
Prof. Oliver Kurzai Bildrechte: MDR / Anna Schroll / Sptomic Forschungszentrum FSU Jena

Für einen gesunden Menschen stelle "Candida auris" keine Bedrohung dar, betont Kurzai. Betroffen seien bislang vor allem Patienten, die sich während ihrer Behandlung im Krankenhaus mit dem Erreger infizierten. Da bisher so wenige Fälle bekannt seien, könne man aber noch nichts dazu sagen, unter welchen Umständen man besonders gefährdet sei: in welchem Alter, mit welchen Vorerkrankungen.

Blutvergiftungen und Wundinfektionen

Der Hefepilz kann zu Blutvergiftungen sowie Harnwegs- und Wundinfektionen führen. Speziell für diesen Pilz typische Symptome seien aber bislang nicht erfasst, sagte Kurzai. Das wichtigste sei deshalb, dass man den Pilz erkennt.

Der Erreger kann nur in Labors nachgewiesen werden. Viele Einrichtungen seien aber noch nicht ausreichend vorbereitet, "Candida auris" zu entdecken. Auch medizinischem Personal ist der Hefepilz noch nicht ausreichend geläufig.

Die aktuellen Standard-Verfahren für Pilzinfektionen erkennen diesen Hefepilz nicht. Im besten Fall zeigen die Tests nur, dass etwas nicht stimmt.

Oliver Kurzai

Die Hersteller der Testverfahren seien nun am Zug und müssten die Datenbanken aktualisieren, auf denen die Tests basieren, sagt Kurzai. Eine Meldepflicht für Infektionen mit Candida auris gibt es derzeit noch nicht.

Erste Todesfälle in den USA

Der US-Gesundheitsbehörde CDC zufolge verstarben zwischen 40 und 60 Prozent der Patienten, die nachweislich mit "Candida auris" infiziert waren. Allerdings konnte in all diesen Fällen nicht eindeutig nachgewiesen werden, ob der Erreger die Todesursache war, da die Betroffenen bereits schwerst erkrankt waren.

Über dieses Thema berichtet MDR-Fernsehen auch in : Hauptsache Gesund | 16.03.2017 | 21:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 07. September 2017, 12:41 Uhr