Kommissar Frank Thiel (Axel Prahl) und Prof. Karl-Friedrich Boerne (Jan Josef Liefers)
Bildrechte: MDR/WDR/Jürgen Thiele

Computertomographie Obduktion ohne Skalpell und Blut

Eine Meldung aus der Wissenschaft lässt so manchen um die schrulligen Rollen der Rechtsmediziner in Krimis, wie dem Tatort, bangen: Wird Professor Boerne bald nur noch am Computer sitzen, statt mit "Alberich" am Seziertisch zu streiten? Denn Wissenschaftler der Uni Leicester sind der Meinung: Leichenaufschneiden mit Skalpell, das könnte bald der Vergangenheit angehören. Um eine Todesursache zu bestimmen, braucht man hauptsächlich ein CT, also Computertomographie.

von Karolin Dörner

Kommissar Frank Thiel (Axel Prahl) und Prof. Karl-Friedrich Boerne (Jan Josef Liefers)
Bildrechte: MDR/WDR/Jürgen Thiele

Das CT ist in der Rechtsmedizin auch heute schon kein Unbekannter. Es kommt es regelmäßig zum Einsatz, als post mortem CT. Es ist in der Lage Körperstrukturen darzustellen, noch bevor der Körper geöffnet wird. Ein Vorteil, findet Rüdiger Lessig, Direktor des Instituts für Rechtsmedizin der Uniklinik Halle.

Insbesondere bei Tötungsdelikten, wenn es um Messerstichverletzungen geht, oder um Schussverletzungen, kann man gegebenenfalls schon vorab lokalisieren, wo ein Projektil liegt und muss nicht aufwendig bei der Obduktion präparatorisch danach suchen. Also man kann es gezielt aufsuchen, das ist ein riesiger Vorteil.

Rüdiger Lessig, Direktor des Instituts für Rechtsmedizin der Uniklinik Halle

In der Uniklinik Halle darf das CT mithelfen. Der Goldstandard aber ist die Obduktion, aufschneiden und reingucken. Der Pathologe Guy Rutty der Universität Leicester aber will das ändern. Im Fachmagazin “The Lancet“ hat er eine Studie veröffentlicht, für die er 240 verstorbene Erwachsene untersucht hat, per Autopsie, aber auch per pmCTA, einem speziellen post mortem CT-Verfahren, bei dem auch Erkrankungen der Herzkranzgefäße sichtbar werden. Sein Ergebnis:

Unsere Daten zeigen, dass die innere postmortale Untersuchung mit PMCTA die meisten Autopsien der Gerichtsmediziner ersetzen können, ohne erkennbare unnatürliche Todesursachen oder Krankheiten zu übersehen.

Pathologe Guy Rutty, Universität Leicester “the lancet“
Computertomographie
CT wie dieses in einem Krankenhaus werden auch heute schon in der Pathologie eingesetzt. Bildrechte: Colourbox

Vorteile hätte das Ganze: Der Körper des Toten müsste nicht aufgeschnitten werden. Gefühle von Angehörigen oder Religionsgruppen blieben geschont. Doch Rechtsmediziner der Universitätskliniken Leipzig und Halle sind sich einig: Eine Computertomographie kann eine Obduktion niemals ersetzen.

Und wird es auch nie können. Weil ein CT ein Gerät ist. Und ein Gerät kann nicht, wie wir, etwas mit zwei Augen erfassen. Und dann sind bestimmte Dinge bei uns: Zum Beispiel eine Tastdiagnose, sehr feine Befunde, die ein CT unter Umständen gar nicht erkennen kann. Und dann haben wir noch so genannte Geruchsbefunde. Ein CT wird nie riechen können.

Rüdiger Lessig, Direktor des Instituts für Rechtsmedizin der Uniklinik Halle.

Oft müssten zudem Gewebeproben entnommen werden, um eindeutig die Todesursache zu bestimmen – wieder ein Eingriff in den Körper, der vom CT nicht ersetzt werden kann, bestätigen auch die britischen Wissenschaftler. Zudem hätten beide Verfahren ihre Stärken und Schwächen: Verletzungen und Blutungen konnten Rutty und sein Team besser anhand des CT-Verfahrens erkennen. Obduzierten sie die Leichen, erkannten sie eindeutiger Lungenembolien und Atemwegserkrankungen. Am Ende kommt auch Guy Rutty in einer Mitteilung der Universität Leicester zu dem Schluss: “Wenn man eine höhere Beweiskraft braucht, sollte der Goldstandard sowohl pmCTA als auch eine Autopsie umfassen.“ Nur ist die Obduktion am Ende lediglich halb so teuer.

Über dieses Thema berichtet MDR AKTUELL im Radio | 30.05.2017 | 06:48 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 30. Mai 2017, 05:00 Uhr