Wie ein Schweizer Käse: So sieht ein Buch aus, das von Brotkäfern beschädigt wurde.
Wie ein Schweizer Käse: So sieht ein Buch aus, das von Brotkäfern beschädigt wurde. Bildrechte: MDR/Johannes Schiller

Bücherfressende Schädlinge Bibliotheken fürchten Papierfischchen

Sie sind mit Silberfischen verwandte kleine Insekten mit langen Fühlern: Die Papierfischchen. Ihre bevorzugte Nahrung ist Papier und vor allem in niederländischen Bibliotheken sind sie gefürchtet. Aber auch in Deutschland gibt und gab es immer mal wieder Fälle.

Wie ein Schweizer Käse: So sieht ein Buch aus, das von Brotkäfern beschädigt wurde.
Wie ein Schweizer Käse: So sieht ein Buch aus, das von Brotkäfern beschädigt wurde. Bildrechte: MDR/Johannes Schiller

Holzdielenboden und Bücher-Regale bis zur Decke – die Bibliothek der Franckeschen Stiftung in Halle ist eine Bücher-Schatzkammer. Im alten Magzin stehen rund 30.000 Bücher aus dem 16. und 17. Jahrhundert, von vielen existiert nur ein einziges Exemplar. Anke Mies ist ihre Wächterin. "Es wäre für jedes Buch eine Katastrophe, wenn es von Schädlingen befallen würde", sagt sie.

Papierfischchen
Papierfischchen Bildrechte: IMAGO

Die Bibliothekarin arbeitet hier seit 25 Jahren. Es gehört zu ihrem Job, die mehrere hundert Jahre alten Bücher für die Nachwelt zu erhalten. Sie kennt sich aus mit Tintenfraß, Feuergefahr oder dem Brotkäfer. Auch mit Papierfischchen? "Im ersten Moment hab ich gedacht: Oh Gott, eine neue Art. Neue Biester, die uns das Leben als Bibliothekare sehr schwer machen", sagt Mies. "Aber dann war ich beruhigt, weil sie Lebensbedingungen brauchen zwischen 20 und 30 Grad und eine Luftfeuchtigkeit von 80 Prozent."

Das Thermometer an einem der Regale zeigt – 14 Grad. Zu kalt für die Papierfischchen. Anke Mies trägt eine Jacke. Und sie erzählt: Auch keiner ihrer Kollegen aus anderen Bibliotheken hat bislang über den Schädling gesprochen.

Papierfischchen? Aktuell kein Problem, meinen auch professionelle Kammerjäger und die Bibliothekenverbände. Völlig anders dagegen in den Niederlanden. Da schafften es die Tiere schon vor acht Jahren in die Fernsehnachrichten.

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MDR AKTUELL Mo 20.03.2017 08:25Uhr 02:40 min

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Der Suchbegriff "Papiervisjes" erzielt bei Google mehr als 20.000 Treffer. Die deutsche Variante "Papierfischchen" lediglich 800. Das beruhigt sicher auch Anke Mies. Denn sie kann sich noch gut erinnern, an den Befall mit Brotkäfern vor einigen Jahren.

Der Brotkäfer bohrt sich Gänge, legt seine Eier in den Büchern ab. Die Larven ernähren sich dann von den organischen Materialien des Buches. So dass ein Buch, wenn es denn einen schlimmen Befall hat, aussieht wie ein Schweizer Käse.

Anke Mies
Anke Mies, Bibliothekarin in den Frankeschen Stiftungen in Halle (Saale)
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Mies und ihre Kollegen mussten handeln und der Aufwand war immens. Sie räumten 55.000 Bücher um, bauten ein Zelt drum herum, dann wurde alles über Wochen mit Stickstoff begast. Seitdem wird mit Fallen überwacht, ob die Käfer zurückkommen. "Man muss in Sammlungen sehr auf Sauberkeit achten. Eine eiserne Regel der Bibliothekare heißt: Da wo Staub ist, kommen auch die Schädlinge und der Schimmel."

Denn für Brotkäfer wie für Papierfischchen gilt: Sind sie einmal da, ist es schwer, sie wieder los zu werden.

Über dieses Thema berichtet MDR-AKTUELL im Radio | 20.03.2017 | 08:25 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 20. März 2017, 13:54 Uhr