Kuh
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Klimawandel Heizt unser Fleischhunger das Klima an?

Es ist eine schlechte Kombination, die Forscher da gefunden haben: Der weltweite Hunger nach Fleisch steigt, aber der Nährwert von Futterpflanzen sinkt bei höheren Temperaturen. Die aber steigen, weil die von Rindern produzierte Methanmenge immer weiter zunimmt und damit den Klimawandel anheizt, sagt eine internationale Studie.

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Beginnen wir mit den nackten Zahlen. Rund eine Milliarde Rinder gibt es auf der Welt. Ein Drittel Milchkühe, zwei Drittel Schlachtvieh. Die Zahl ist seit gut zehn Jahren in etwa stabil, auch in Deutschland, wo es rund 12 Millionen Tiere gibt, 1,15 Mio. davon in Sachen (492.094), Sachsen-Anhalt (340.924) und Thüringen (329.471) – so die aktuellen Zählungen der statistischen Landesämter. Sie liefern und Milch und Fleisch und produzieren pro Tag etwa 150 bis 250 Liter Methan - pro Tier.

Doch dabei wird es nicht bleiben, so die These der Wissenschaftler, die im Fachjournal “Biogeosciences“ veröffentlicht wurde. Die Forscher, zu denen auch  Peter Manning vom Senckenberg Biodiversität und Klima Forschungszentrum in Frankfurt/M. gehört, prognostizieren zum einen, dass der Methan-Ausstoß jeder Kuh bis 2050 im Mittel um bis zu 4,5 Prozent steigen könnte.

Wenn man jetzt noch bedenkt, dass die Viehbestände drastisch steigen werden, könnte Vieh im Jahr 2050 Methan in einer Menge emittieren, die dem Erwärmungspotenzial von 4,7 Giga-Tonnen Kohlendioxid entspricht.

Peter Manning, Ökologe

Treibhausgas Methan Das Gas in der Atmosphäre 25 Mal so wirksam wie Kohlendioxid und macht daher einen substanziellen Teil des menschengemachten Treibhauseffekts aus. Das Gas entsteht, wenn organisches Material unter Luftausschluss abgebaut wird - wie zum Beispiel Gras im Verdauungssystem einer Kuh. In Deutschland ist die Land- und Forstwirtschaft eine bedeutsame Methan-Quelle, insbesondere die Massentierhaltung. Auch in Klärwerken und Mülldeponien entsteht das Gas. In anderen Ländern werden beim Nassreisanbau große Mengen Methan freigesetzt.

Es ist eine Modellrechnung. Aber sie bedeutet im Vergleich zu heute einen Anstieg um 70 Prozent, so Manning. Da durch den Klimawandel die Temperaturen weltweit steigen, erwarten die Wissenschaftler, dass sich Futterpflanzen und ihre Gemeinschaften verändern und deren Nährwert global abnimmt. Dr. Mark Lee, Wissenschaftler an den Royal Botanic Gardens, Kew: ”Was wir beobachten, ist ein Teufelkreis. Kühe produzieren bei ihrer Verdauung Methan, das unseren Planeten aufheizt. Dieser Temperaturanstieg führt zu Futterpflanzen, die schwerer zu verdauen sind und länger im Magen bleiben. Damit wird mehr noch Methan freigesetzt, was wiederum die Erwärmung vorantreibt.”

Energie, Industrie und Verkehr sind die Klima-Killer

Allerdings ist der Einfluss der Tierproduktion auf die Umwelt nur einer von vielen. Auf die gesamten Treibhausgasemissionen bezogen machen wiederkäuende Rinder nur einen kleinen Bruchteil der Quellen aus: In Deutschland sind Ackerbau und Viehzucht zusammengenommen nach Daten des Umweltbundesamtes (UBA) Dessau für etwa sieben Prozent der Emissionen verantwortlich. Den stärksten Einfluss haben der Energiesektor, Industrieprozesse und der Verkehr.

Trotzdem fordern auch die Umweltexperten des UBA ein Umdenken in der Fleischproduktion. In einer Veröffentlichung von Anfang 2017 heißt es in Richtung Politik: “Tierische Produkte wie Fleisch und Milch profitieren von nur sieben Prozent Mehrwertsteuer, obwohl sie deutlich klimaschädlicher sind als Getreide, Obst oder Gemüse.“ Und weiter: “Die Produktion von einem Kilo Rindfleisch verursacht zwischen 7 und 28 Kilo Treibhausgasemissionen – Obst oder Gemüse dagegen liegen bei weniger als einem Kilo. “

Über das Thema Klimawandel berichtet LexiTV: im Fernsehen | 29.03.2017 | 15:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 14. September 2017, 09:47 Uhr