Frau beiߟt herzhaft in eine Tafel Schokolade
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Genforschung Naschkatze? Die Gene sind Schuld!

Manch einer von uns ist ganz wild auf Schokolade, andere wiederum lassen süße Sachen völlig kalt. Forscher fanden jetzt heraus, dass es in unseren Genen steckt, ob wir lieber Süßes, Salziges oder Gesundes mögen.

Frau beiߟt herzhaft in eine Tafel Schokolade
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In einer Studie haben Wissenschaftler der Tufts University in Boston 818 Erwachsene genetisch untersucht. Sie betrachteten dabei besonders Genvarianten, die bereits dafür bekannt sind, unsere Psyche und unser Verhalten zu beeinflussen - also unsere Neigung zu Stress, Depressionen, Impulsivität, aber auch zu Fettleibigkeit und abnormalem Essverhalten. Außerdem dokumentierten die Forscher die Ernährungsweise der Testpersonen in Fragebögen, um diese mit den festgestellten Genvarianten abzugleichen. Das Ergebnis: besonders das Gen "FTO" scheint zu programmieren, was wir am liebsten essen.

Sind Dicke automatisch Gemüsemuffel?

Nachgewiesen war bereits, dass das FTO-Gen für die Neigung zu Fettleibigkeit verantwortlich ist. Nun wurde festgestellt, dass es auch steuert, ob wir gern Gemüse und Ballaststoffe essen. Warum das so ist, konnten die Wissenschaftler noch nicht herausfinden. Die Vermutung, dass fettleibige Menschen durch die "Doppelfunktion" des Gens von vorn herein ungern Gemüse essen, bestätigten die Forscher zumindest nicht.

Nutrigenomik: Endlich eine Diät, die zu mir passt?

Silvia Berciano
Silvia Berciano, die Autorin der Studie Bildrechte: Silvia Berciano

Natürlich sind die Gene nicht allein dafür verantwortlich, wie wir uns ernähren. In welcher Kultur und in welchem sozialen Umfeld wir aufwachsen und leben spielt dabei genauso eine Rolle. Die Ergebnisse der Studie könnten dennoch helfen, das Essverhalten eines Menschen individuell vorauszusagen und Ernährungspläne so aufzustellen, dass man sie auch einhalten kann. Die Forscher betonten aber, dass es relativ unwahrscheinlich sei, dass ein privater Ernährungsberater künftig eine DNA-Analyse durchführen wird. Wenn eine Diät jedoch aus medizinischen Gründen notwendig sei, sei das denkbar.

Es gibt es: Das Schokoladen-Gen!

Die Forscher konnten neben dem FTO-Gen tatsächlich ein weiteres Gen identifizieren, das mit Schokoladenkonsum und einem erhöhten Gewicht zusammenhängt. Es reguliert übrigens auch über das Hormon Oxytocin unsere Bindungsfähigkeit und unsere Stimmungslagen. Die Entdeckung des Schokoladen-Gens sei allerdings keine Ausrede, um sich vor einer nötigen Diät zu drücken, betonten die Wissenschaftler. Trotz genetischer Ursachen kann jeder lernen, seine langjährigen Ernährungsgewohnheiten zu verändern, gegebenenfalls mit Unterstützung.

Schokoladen Dessert
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Über dieses Thema berichtete der MDR im Radio MDR Jump am Nachmittag | 26.04.2017 | 15:26 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 15. September 2017, 11:21 Uhr