Hände halten Karoffeln
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Klimawandel im Mitteldeutschland Wird es Kartoffel und Kohl zu heiß?

Wärmere Sommer, feuchtere Winter - so zeigt sich der Klimawandel in Mitteldeutschland. Was bedeutet das für unseren Speisezettel, bauen wir in zwanzig Jahren noch dieselben Pflanzen auf unseren Äckern an wie heute? 

Hände halten Karoffeln
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Mit einer Kartoffel hat man etwas in der Hand. Ganz anders ist es mit dem Klimawandel. Ob der schon in Mitteldeutschland angekommen ist und wie er sich hier zeigt, darüber haben Wissenschaftler auf einer Konferenz im Umwelforschungszentrum in Leipzig diskutiert. Welcher heiße Sommer ist auf den Treibhauseffekt zurückzuführen und welcher nicht? Welcher Starkregen, welcher Sturm? Das sind Fragen, die selbst Experten noch nicht ganz eindeutig beantworten können.

Durch die Arbeiten des Weltklimarates können wir sagen:  Im Weltmaßstab nimmt die Temperatur um drei bis vier Grad nachweislich zu. Aber was wir noch nicht genau wissen ist, wie sich das regional auswirkt.

Prof. Bernd Hansjürgens, Umweltökonom

Dass wir das auch in Mitteldeutschland erleben werden, stellen die Klimaforscher nicht in Frage. Sie gehen vor allem von zwei Effekten aus:

Ein lächelnder Mann mit Brille und grauen Haaren steht unter einem baum
Prof. Dr. Bernd Hansjürgens Bildrechte: André Künzelmann, UFZ / MDR

Erstens werden wir noch feuchtere Winter bekommen, zweitens trockenere Sommer. Aber trocken war es in Ostdeutschland schon immer. Hier fallen 450 bis 550 Millimeter Niederschlag pro Jahr. Das ist nur die Hälfte von dem, was in großen Teilen Westdeutschlands fällt.

Prof. Bernd Hansjürgens, Helmholtz Zentrum Leipzig

Dieser Trockenheit hätten sich Landwirte hier schon lange angepasst. Doch was ist in zwanzig Jahren? Ist es für Kartoffeln, Kohl und Co dann zu heiß?

Das glaube ich nicht. Ich glaube, dass wir diese Früchte nach wie vor hier anbauen können. Hier und da wird es vielleicht eine schlechte Ernte geben, aber das gab es immer schon.

Prof. Bernd Hansjürgens

Christian Apprecht vom Bauernverband in Sachsen-Anhalt bestätigt das. Es habe schon immer einzelne Winter gegeben, die länger gedauert hätten - oder Sommer, die trockener waren als andere. Was davon dem Klimawandel zuzuschreiben ist, darüber sind sich auch die Bauern unsicher. Trotz aller Unsicherheit wachsen aber auch auf den Feldern Sachsen-Anhalts inzwischen Pflanzen, die es vor ein paar Jahren hier noch nicht gab.

Menschen begutachten ein Sojabohnenfeld
Soja-Anbau Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Zum Beispiel die Sojabohne oder Hirse, das sind eigentlich Kulturen, die vom Klima her in anderen Regionen zu Hause sind, wo es trockener und heißer ist.

Christian Apprecht, Bauernverband Sachsen-Anhalt

Parallel wird in der Pflanzenzucht daran gearbeitet, unseren traditionellen Feldfrüchten zu mehr Resistenz gegen Trockenheit zu verhelfen - um so doch gewappnet zu sein für die Folgen des Klimawandels. Oder werden die Böden immer trockner, weil sie zu intensiv bewirtschaftet werden? Ein gesunder Boden speichert bekanntermaßen mehr Wasser als ein strapazierter. Dies sei für die Äcker ohnehin das größere Problem, und nicht die heißen Sommer, so Prof. Bernd Hansjürgens.

Das nennen wir Ökonomen Ertragsgesetz. Wenn man am Anfang den Boden optimiert und Chemikalien oder Dünger hinzugibt, dann hat man erstmal einen höheren Ertrag. Der nimmt dann im Laufe der Zeit aber auch wieder ab. Das, was wir zu Beginn zusätzlich aus dem Boden herausholen, fehlt ihm am Ende umso mehr.

Prof. Bernd Hansjürgens

Nicht der Klimawandel ist also die große Herausforderung für den Bauern, sondern der Wandel seiner Arbeit auf dem Feld. Wichtig ist also mehr Nachhaltigkeit in der Landwirtschaft und weniger Chemie. Das gilt für alle Früchte, aber auch für die Kartoffel.

Über dieses Thema berichtet MDR KULTUR auch im: Radio | 14.09.2017 | 06:15 Uhr

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Zuletzt aktualisiert: 18. September 2017, 14:23 Uhr