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Weltglückstag Auf der Suche nach dem Glück

Das Streben nach Glück eint uns alle: Die meisten Menschen wollen gern glücklich sein, wissen aber gar nicht, was sie überhaupt glücklich macht. Die Antwort auf diese Frage sucht manch einer sein Leben lang, andere dagegen scheinen einfach so glücklich und zufrieden zu sein. Und so mühelos das scheint, ist es eigentlich auch, sagt die Glücksforschung. Aber was macht denn nun glücklich?

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Jeder Mensch definiert Glück anders. Für die UN-Vollversammlung bedeutet es soziales und ökologisches Wohlbefinden sowie Zufriedenheit. Um das zu fördern wurde 2012 der Tag des Glücks für den 20. März ausgerufen – auf Bestreben des kleinen asiatischen Landes Bhutan. Bereits seit den 1970er Jahren gibt es dort eine innenpolitische Zielsetzung, die das nationale Glück über das Brutto-Inlandsprodukt stellt. Der Tag des Glücks soll die Gesellschaften für einen Diskurs über die Frage motivieren, was sie glücklich machen würde und wie das gegebenenfalls erreicht werden kann.

Mit diesen Fragen setzt sich auch die Glücksforschung auseinander. Soziologen und Psychologen beschäftigen sich hier allerdings mit unserem individuellen, subjektiven Wohlbefinden. Objektive Antworten auf die Frage, was Glück ist, können nämlich gar nicht gefunden werden, erklärt Professor Manfred Spitzer von der Psychiatrischen Klinik in Ulm.

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Der Hirnforscher und Bestsellerautor Manfred Spitzer spricht am 13.03.2014 in Leipzig (Sachsen) auf dem Deutschen Lehrertag.
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Man kann die Menschen fragen, man kann auch versuchen das naturwissenschaftlich einzugrenzen. Was passiert zum Beispiel im Kopf, wenn jemand Glücksempfindungen hat. Man kann fragen, warum hat man die, wie funktionieren die. Aber das ist wie mit dem blauen Himmel auch. Wenn sie farbenblind sind, nützen Ihnen alle wissenschaftlichen oder unwissenschaftlichen Dinge gar nix. Dann wissen sie auch nicht, was der blaue Himmel ist. Glück muss man zuersteinmal erleben und dann weiß man, was das ist.

Prof. Manfred Spitzer, Psychiatrische Klinik Ulm

Norweger am glücklichsten - Ostdeutsche immer zufriedener Die Norweger sind laut internationalen Experten die glücklichsten Menschen der Welt. Im Weltglücksbericht, der am Montag in New York zum fünften Mal vorgelegt wurde, verbesserte sich Norwegen von seinem bisher vierten Platz auf den ersten Rang und überholte damit Dänemark, das zuvor drei Mal Spitzenreiter war.
Deutschland stagniert auf Platz 16 - hinter unter anderem den USA, den Niederlanden, Israel und Costa Rica. Für den Bericht haben die Forscher 155 Länder untersucht.

Die Menschen in Deutschland sind demnach im internationalen Vergleich zwar nicht die glücklichsten. Laut einer Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) sind sie aber mit ihrer Lebenssituation so zufrieden wie nie seit der Wiedervereinigung. Grund für den Anstieg der Zufriedenheit ist der Aufholprozess in Ostdeutschland, heißt es dort. Allerdings liege das im Osten gemessene Glücksgefühl trotzdem noch unter dem westdeutschen Niveau. Auf einer Skala von null bis zehn Punkten lag der Zufriedenheitswert im Jahr 2015 bei 7,6 Punkten. Seinen Tiefstpunkt hatte er 2004 mit 6,9 Punkten erreicht.

Was macht wirklich glücklich?

Auf die Frage, was uns Menschen glücklich macht, gibt es also viele individuelle Antworten. Eine davon lautet schlicht, dass der Mensch glücklich ist, der häufig positive Gefühle hat und der im Großen und Ganzen mit seinem Leben zufrieden ist. Diese Antwort gibt Glücksforscher Karlheinz Ruckriegel von der Technischen Hochschule Nürnberg. Diese Art von Glück habe sogar Konsequenzen für die Gesundheit: "Glück entlastet das Immunsystem, das heißt: Wir sind gesünder und leben länger. Man kalkuliert hier fünf bis zehn Jahre.“ Ruckriegels Ansicht nach sind vor allem gelingende soziale Beziehungen, Gesundheit und ehrenamtliches Engagement Glücksfaktoren. Was weniger helfe sei, wenn die Ziele Geld, Schönheit und Popularität seien.

Macht Geld also wirklich nicht glücklich? Eher nicht, lautet die einhellige Meinung der meisten Glücksforscher. Dem Biopsychologen Professor Peter Walschburger von der Freien Universität Berlin zufolge machen vor allem die Dinge dauerhaft glücklich, die uns in der Menschwerdung entscheidend geprägt haben: Also etwa Zeit mit der Familie zu verbringen oder mit vertrauten Menschen in einer funktionierenden Sozialstruktur. Diese Auffassung vertritt auch Professor Manfred Schnitzer, Chef der Psychiatrischen Universitätsklinik in Ulm.

Das Wichtigste sind wahrscheinlich die Sozialkontakte. Von der Gemeinschaft - das wissen wir auch - können wir nie genug kriegen. Wir freuen uns, wenn wir zusammen sind mit netten anderen Menschen. Und das hört nie auf.

Prof. Manfred Spitzer, Psychiatrische Klinik Ulm

Doch auch unsere Umgebung hat einen deutlichen Einfluss auf unser Wohlbefinden: Bewegung und natürliche Umgebung, Wald, Bäume und Wiesen können unser Glücksgefühl positiv beeinflussen. Im "World Book of Happiness“ zählen Forscher außerdem diese Faktoren für Glück auf: eine stabile Liebesbeziehung, Gesundheit, ein den eigenen Fähigkeiten entsprechender Beruf, Freunde, Kinder und Geld für Grundbedürfnisse.

So macht auch Geld glücklich

Unter gewissen Umständen kann Geld aber tatsächlich glücklicher machen. Mehrere Untersuchungen haben nämlich gezeigt, dass es glücklicher macht, Geld für andere auszugeben. Wenn man jedoch Geld für sich selbst ausgibt, wird man nicht glücklicher, aber auch nicht trauriger – zumindest, wenn es sich um Sachwerte handelt. Denn, wer sich selbst mit Geld eine Freude machen will, sollte in Erlebnisse investieren, rät Professor Spitzer:

Frau und Mann mit Reiseprospekten und Laptop zu Hause auf dem Sofa.
Wenn man es in eine Reise investiert, kann Geld auch glücklich machen. Bildrechte: IMAGO

Wenn Sie aber eine Party schmeißen oder eine Reise machen - am besten mit ihrer ganzen Familie. Diese Reise wird in ihrem Kopf immer schöner. Sie kennen ja die rosarote Brille für Vergangenes. Das heißt, es verstaubt nicht, es verrostet nicht, es wird immer besser über die Zeit. Deswegen trägt es zu ihrem Lebenglück langfristig immer mehr bei. Und dann haben sie die Chance, dass ihnen das ausgegebene Geld auch ein bisschen Glück bringt.

Prof. Manfred Spitzer, Psychiatrische Klinik Ulm

Der Lottogewinn auf dem Konto allein sorgt also nicht für das große Lebensglück. Er verschafft vielleicht Sicherheit, Einfluss und Macht aber nicht unbedingt Glück. Das zeigen nicht nur Erfahrungsberichte sondern auch wissenschaftliche Untersuchungen. Denn wenn man mehr Geld hat, dann passt man seine Erwartungen nach oben an, erklärt Glücksforscher Karlheinz Ruckriegel. "Das größere Einkommen ist letztlich genauso wie das wenigere Einkommen.“

Was ist Glück? Der Begriff Glück stammt von dem mittelhochdeutschen Wort „Gelucke“, mit dem man einst das gute Ende eines Ereignisses benannt hat. Heute wird es vor allem in zwei verschiedenen Bedeutungen gebraucht:

Glück haben
Glück hat, wer durch einen Zufall begünstigt wird. Typische Beispiele dafür sind Gewinne beim Lotto oder beim Glücksspiel, durch Zufall bevorteilt werden oder zumindest keinen Nachteil erleiden.

Glück empfinden
Das Empfinden von Glück bezeichnen Psychologen auch als subjektives Wohlbefinden. Es ist sowohl ein Gefühl als auch ein Zustand, in dem sich ein Mensch befindet. Glück empfinden kann ein dauerhaftes Glücksgefühl oder Gefühl der Zufriedenheit sein oder aber eines von kurzer Dauer – ein Glücksmoment.

Gelernt ist gelernt: Das Schulfach Glück

Glücksforscher Karlheinz Ruckriegel wundert es nicht, dass viele Menschen nicht wissen, was sie glücklich macht. "Das sagt einem ja auch keiner.“ In der Schule würde stattdessen vermittelt, dass es nur wichtig sei so viel wie möglich zu lernen.

Was mache ich, damit ich mich wohlfühle und daraus Energie schöpfe und kreativ bin? Das lernt man nicht.

Prof. Karlheinz Ruckriegel, Technische Hochschule Nürnberg

Ruckriegel begrüßt es deshalb, dass es mittlerweile ein ganz besonderes Schulfach gibt: Das Fach Glück. Denn die Pädagogik sagt, glückliche Schüler streiten weniger, sind kreativer, lernen leichter und wissen, worauf es im Leben ankommt. Und gerade die Schule soll Kinder ja eigentlich auf ein gelingendes, erfülltes Leben vorbereiten. Deshalb lernen sie im Schulfach Glück, Verantwortung für das eigene Glücklichsein zu übernehmen, Konfliktfähigkeit und körperliches wie seelisches Gesundheitsbewusstsein. Erfunden und eingeführt hat es Oberstudienrat Ernst Fritz-Schubert im Jahr 2007. Seitdem haben es zahlreiche Schulen in Deutschland und Österreich eingeführt.

Während die Schüler im Fach Glück lernen, wie sie im Leben glücklicher werden können, erhöht sich sogar das eigene Glücksgefühl. Denn, dass wir uns ab und an richtig gut fühlen, liegt an einem Mechanismus, der vor allem mit dem Lernen zu tun hat - so die moderne wissenschaftliche Sicht. Bisher wusste man: Wenn Dopamin aus den Tiefen unseres Gehirns ins Frontalhirn schwappt, dann sind die Hirnzellen lernbereiter, aufnahmefähiger, reaktionsschneller und wir fühlen uns gut, wir haben Spaß. Doch Professor Manfred Spitzer erklärt, dass man auch festgestellt hat, dass dieser Effekt vor allem dann auftritt, wenn etwas Schönes, Neues, Interessantes passiert, was wir noch nicht wissen. Diese Erkenntnis führte dann die Wissenschaftler zu der ungewöhnlichen These, dass das Glück kein Selbstzweck ist, sondern eher ein Nebeneffekt: Ein Nebeneffekt des Lernens.

Die Chemie des Glücks

Natürlich hat die Wissenschaft versucht herauszufinden, was in unseren Körpern eigentlich passiert, wenn wir Glück empfinden. Und rein biologisch steht fest, dass unser Gehirn Stoffe produziert, die uns glücklich machen. Unter anderem Endorphine und Dopamin erzeugen in uns Wohlbefinden und Zufriedenheit. Aber nicht nur das. Das körpereigene Morphium, das die Endorphine enthalten, versetzt uns nicht nur in Hochstimmung, es reguliert auch unser Schmerzempfinden. Professor Peter Walschburger, Biopsychologe an der Freien Universität Berlin, glaubt, dass allein aus diesem Grund das Glück auf biochemischen Wege in diese Welt kam:

Peter Walschburger
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Die Natur selber hat interessanterweise die langlebigen Lebewesen mit Schmerzkontrollsystemen ausgestattet. Denn langlebige Lebewesen kommen durch ihr Leben nicht durch, ohne Phasen zu erleben, die extrem belastend, extrem schmerzhaft sind. Und dann sind diejenigen im Vorteil, bei denen Endorphine ausgeschüttet werden können.

Prof. Peter Walschburger, Freie Universität Berlin

Hirnforscher Manfred Spitzer meint übrigens, dass wir süchtig nach Glück sind. Damit meint er natürlich die Ausschüttung glücklich machender Stoffe im Körper. Eines der besten Mittel das Gehirn zufriedenzustellen könnte also die Liebe sein: Wer etwa frisch verliebt ist, schüttet zum Beispiel vermehrt Oxytocin und Phenylethylamin sowie körpereigene Endorphine wie Serotonin aus. Auch wenn wir angenehm überrascht werden, machen uns diese Botenstoffe euphorisch. Neurologen sind sicher, dass das Glücksgefühl immer wieder abflauen muss.

Der Weg zur Schokoladenseite des Lebens

Einen Weg zum Glück hat die Dresdner Psychologin und Buchautorin Ilona Bürgel skizziert. Sie sagt, wenn wir so leben würden, wie wir Schokolade essen, wären wir viel glücklicher. Was das bedeuten soll? Eine Anleitung in vier Schritten:

Eine Frau beißt von einem Stück Schokolade ab
Lecker: Die Schokoladen-Formel zum Glück Bildrechte: colourbox

1. Nicht so viel Aufschieben

Ilona Bürgel sagt, meist verschieben wir die schönen Dinge, die uns Spaß machen und gut tun. Das heiße es oft, das mache man, wenn die Kinder aus dem Haus sind. Bei der Schokolade hingegen würde niemand sagen: Das nächste Stück gibt’s, wenn ich Rentner bin.

2. Keine faulen Kompromisse

Oft machen wir einfach Dinge, weil sich das so gehört oder sie von uns erwartet werden, obwohl wir sie gar nicht mögen. Im Schokoladenregal dagegen würden wir nie nach der Zartbitterschokolade greifen, wenn wir doch eigentlich Alpenmilch wollen.

3. Den Moment genießen

Mit unseren Gedanken sind wir oft in der Zukunft oder der Vergangenheit. Dabei verpassen wir die wirklich schönen Augenblicke im Hier und Jetzt, sagt Ilona Bürgel. "Diese Stärke zu sehen, was gerade passiert und sich auch im Augenblick zu freuen, wird wichtig für die Zukunft, denn es wird nicht alles so weitergehen, dass alles wächst, noch toller und noch besser wird. Das gibt es nirgendwo.“ Deshalb sollten wir den Moment genießen wie ein Stück Schokolade, dass wir uns genüsslich auf der Zunge zergehen lassen.

4. Verantwortung übernehmen

Im richtigen Leben überlassen wir die Initiative oder bestimmte Entscheidungen oft anderen. Bei der Schokolade greifen wir in der Regel selbst zu. Die Entscheidung, was auf unseren Hüften landet, auch die ist uns unsere eigene. Deshalb sollten wir wieder mehr die Verantwortung für unser eigenes Leben in die Hand nehmen, uns mehr selbst kümmern, nicht so viel bekümmern lassen, meint die Psychologin.

Über dieses Thema berichtet MDR AKTUELL im Radio | 20.03.2017 | 13:49 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 17. März 2017, 14:47 Uhr