Taube
Kann deutlich schneller zwischen verschiedenen Aufgaben wechseln, als Menschen: Eine Taube. Bildrechte: IMAGO

Intelligente Tiere Tauben besser im Multitasking als Menschen

Tauben gelten nicht gerade als intelligent. Umso mehr überrascht ein aktueller Forschungsbefund: Tauben konnten schneller zwischen zwei Aufgaben hin und herwechseln, als Menschen. Sie sind also besser im Multitasking.

von Karolin Dörner

Taube
Kann deutlich schneller zwischen verschiedenen Aufgaben wechseln, als Menschen: Eine Taube. Bildrechte: IMAGO

Spatzenhirn oder dummes Huhn: Vögel haben keinen sehr guten Ruf, wenn es um ihre Intelligenz geht. Völlig zu Unrecht, zeigen wissenschaftliche Studien: Vögel können Informationen fast genauso schnell verarbeiten, wie zum Beispiel Menschenaffen. Bei Papageien oder den schlauen Krähen verwundert das vielleicht weniger. Gilt das aber auch für Tauben?

Sara Letzner, Biopsychologin von der Ruhr Universität Bochum ist überzeugt, dass Tauben sehr gut trainierbar sind. "In der Vogelwelt sind Tauben nicht an der Spitze, aber sie sind auch nicht zu unterschätzen, denn sie haben einen Vorteil: Sie sind sehr gut motivierbar. In einem Versuch tun sie alles für eine kleine Futterbelohnung.“

Das hat die Biopsychologin ausgenutzt. Zusammen mit Christian Beste, Professor für kognitive Neuropsychologie an der TU Dresden, hat sie getestet, wie schnell Tauben zwischen zwei Aufgaben wechseln können. Dafür gaben die Wissenschaftler den Tieren Reize, auf die sie reagieren mussten.

Also es muss erst die Aufmerksamkeit von dieser einen Aufgabe, die durchgeführt werden soll, abgestoppt werden und die Aufmerksamkeit muss zur einer zweiten Aufgabe geführt werden.

Sara Letzner, Biopsychologin, Ruhr Universität Bochum

Im Versuch mussten die Vögel (und im Vergleich dazu auch Menschen) auf verschiedene Bildschirmsignale reagieren. Die Forscher wollten herausfinden, wer schneller in der Lage ist, zwischen den Aufgaben zu wechseln - eine Grundbedingung für Multitasking.

Tauben in der Innenstadt
Bildrechte: IMAGO

Das Ergebnis: Die Vögel waren zum Teil sogar besser, also schneller als der Mensch. Das überraschte die Wissenschaftler, denn dem kleinen Gehirn der Vögel fehlt der sogenannte Kortex. Das ist ein Teil des menschlichen Gehirns, der dafür zuständig ist, komplexe Denkprozesse zu ermöglichen, wie eben das schnelle Hin- und Herwechseln zwischen Aufgaben. Die Vögel müssen diese fehlende Hirnschicht also irgendwie kompensieren. Die Theorie der Forscher: Das machen sie durch eine Fülle an Neuronen, also Nervenzellen.

Schon vergangene Studien haben gezeigt, dass Vögel eine sehr viel höhere Neuronendichte haben, als Säuger. Das heißt: auf das gleiche Volumen Gehirn kommt bei ihnen eine größere Anzahl Neuronen als bei Menschen.

Sara Letzner, Biopsychologin, Ruhr Universität Bochum

Die höhere Dichte hat einen zweiten Vorteil, sagt Christian Beste von der TU Dresden: "Dadurch, dass der Abstand geringer ist, brauchen Vögel letztendlich weniger Zeit, um Informationen zwischen einzelnen Nervenzellen, beziehungsweise zwischen Bündeln von Nervenzellen auszutauschen. Der anatomische Unterschied schlägt sich also in einem Zeitvorteil nieder." Diesen Zusammenhang müssen die Wissenschaftler aber noch beweisen. Dafür wollen sie die Tauben nun anhand eines Gehirnscans untersuchen.

Über dieses Thema berichtet MDR-Aktuell: im Radio | 02.10.2017 | 06:20 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 02. Oktober 2017, 05:00 Uhr