Donald Trump
Die Präsidentschaft Donald Trumps könnte für harte Zeiten in der Wissenschaft sorgen. Bildrechte: IMAGO

Trump und die freie Forschung Der Angstgegner der Wissenschaftler

Schon seit Donald Trumps Wahlerfolg geht an den Forschungseinrichtungen der USA die Angst um: Welchen Einfluss wird der neue Präsident auf die freie Forschung nehmen? Es geht um Forschungsgelder, Daten und Jobs. Denn daraus, dass er von der Erforschung beispielsweise des Klimawandels, von Stammzellen oder erneuerbaren Energien nicht allzu viel hält, macht der neue US-Präsident kein Geheimnis.

Donald Trump
Die Präsidentschaft Donald Trumps könnte für harte Zeiten in der Wissenschaft sorgen. Bildrechte: IMAGO

Die Wissenschaftswelt in den Vereinigten Staaten ist seit Wochen in heller Aufregung. So mancher Forscher sicherte vorsichtshalber Daten von öffentlichen Servern, denn man weiß ja nie. Für analytisch denkende Menschen dürfte es sowieso schwer nachvollziehbar sein, wie beispielsweise vermeintlich naturwissenschaftliche Gesetze zum Politikum werden können, ganz so als ginge es um eine Glaubensfrage.

Doch bei der neuen US-Regierung um Donald Trump und seinen Vize Mike Pence dürfte genau das der Fall sein. Und damit befinden sie sich in bester republikanischer Tradition: Die Regierung unter George W. Bush frisierte missliebige Forschungsergebnisse oder setzte Wissenschaftler unter Druck. Ronald Reagan etwa soll die Evolutionstheorie abgelehnt haben. Letzteres gilt auch für den künftigen Vize Mike Pence: Er zählt ebenfalls zu den sogenannten Kreationisten, lehnt Charles Darwins Werk ab, ohne das weder die heutige Mikrobiologie, Genetik oder Biomedizin denkbar wären. Dass bei der Entstehung jeder Spezies ein Schöpfer am Werk gewesen ist ("Intelligent Design") wollte er in seiner Zeit als Gouverneur in Indiana sogar in die Lehrpläne aufnehmen lassen.

Kein Wunder also, dass sich Wissenschaftler im ganzen Land Sorgen um ihre Zukunft machen – auch wenn es momentan noch sehr vage ist, was sie konkret zu erwarten haben.

Klimawandel: Was ist globale Erwärmung?

Besonders im Bereich der Klimaforschung sind die Wissenschaftler alarmiert. Zahlreiche Forscher haben die vergangenen Wochen damit verbracht Klimadaten von öffentlichen Servern auf private zu kopieren und somit ihre Daten zu sichern – auf Twitter und Facebook haben sie die Allgemeinheit aufgerufen, sich daran zu beteiligen.

An der Universität Toronto haben Forscher das Projekt "Guerilla Archivierung" gestartet und auch auf der Seite "Climate Mirror" haben sich Wissenschaftler zur Datensicherung zusammengetan. Umweltforscher Nick Santos sagte der Washington Post:

Was uns bislang paranoid vorgekommen wäre, erscheint nun realistisch.

Nick Santos, Umweltforscher
Trump-Tweet
Bildrechte: twitter/Donald J. Trump

Tatsächlich lassen die Personalentscheidungen und Aussagen Trumps Böses ahnen für die Zukunft der US-amerikanischen Klimaforschung. Schon 2012 hatte Trump den Klimawandel in einem Tweet als Erfindung der Chinesen bezeichnet. Im Wahlkampf kündigte er an, den Klimavertrag von Paris baldmöglichst aufkündigen zu wollen.

Und schließlich beauftragte Trump ausgerechnet Myron Ebell mit der Neuausrichtung der nationalen Umweltbehörde EPA. Ebell gilt als entschiedener Leugner des Klimawandels. Umweltschützer in den USA rechnen damit, dass er zunächst den sogenannten "Clean Power Plan" stoppen könnte, der für zahlreiche Kohlekraftwerke das Aus bedeutet hätte.

Nasa: Den Blick ins All statt auf die Erde

Im Nasa-Hauptquartier in Washington herrscht ebenfalls Unruhe: Die verschiedenen Aussagen von Donald Trump schafften hier eher Verwirrung als Klarheit. Konkrete Ankündigung gebe es dazu bisher keine. Raumfahrtexperte Keith Cowing sagte dem Houston Chronicle: "Ich glaube nicht, dass es für die Nasa schon einen großen Plan gibt. Das ist das letzte, woran sie gerade denken." Trump hat sich indes offen für die Zusammenarbeit mit privaten Anbietern gezeigt. So will er die Abhängigkeit zu Russland beenden, um Astronauten zur internationalen Raumstation ISS zu bringen.

So bleibt den mehr als 17.000 Mitarbeitern der Raumfahrtbehörde Nasa nichts weiter als abzuwarten, ob Trump seine Andeutungen – etwa zu Steuerkürzungen – wirklich wahr machen wird. Besonders viele Sorgenfalten dürften diesbezüglich die Nasa-Klimaforscher haben. Im Oktober vergangenen Jahres sagte der neue US-Präsident nämlich noch: "Die Nasa soll sich primär auf Aktivitäten in den Tiefen des Alls fokussieren, statt auf erdzentrierte Aufgaben". Die Erdbeobachtung aus dem All dürfte in den USA also auf schwierige Zeiten zusteuern. Allerdings sind genau diese Satelliten-Missionen essentiell für die Erforschung von Klimafragen, der Biosphäre und der Ökologie. Die Daten werden von Wissenschaftlern aus der ganzen Welt genutzt, aber auch für Schifffahrt, Landwirtschaft, Wettervorhersagen und Katastrophenwarnungen. Trumps Berater Robert Walker and Peter Navarro erklärten ebenfalls, dass sich die Nasa künftig lieber "auf Aktivitäten im tiefen Weltall fokussieren" soll.

Erneuerbare Energien: Teuer und für "Baum-Umarmer"

Dass Donald Trump einen Öllobbyisten als Chef der Umweltbehörde EPA ernannt hat, lässt auch im Bereich Umwelt- und Energieforschung wenig Gutes vermuten. Das zeigt sich auch deutlich im republikanischen Programm für den Kongress: Hier heißt es, dass der "moderne Ansatz für Umweltschutz" darin bestehe, die Verantwortung für die Umweltgesetzgebung auf Bundesstaaten und Landkreise umzuverteilen. Außerdem soll der Schutz bedrohter Tierarten hinter der Schaffung von Arbeitsplätzen und der wirtschaftlichen Entwicklung zurückstehen.

In der Energiepolitik will Trump vor allem für amerikanische Unabhängigkeit sorgen. Das heißt, dass dabei neben Fracking und Atomkraftwerken durchaus auch erneuerbare Energien aus Wind, Sonne und Bioenergie helfen dürfen, fördern dürfte er die Entwicklungen solcher Technologien aber wohl kaum. In seinem Wahlkampfbuch "Crippled America" steht dazu, erneuerbare Energien seien "eine teure Methode, um Baum-Umarmer zufriedenzustellen".

Medizin: Rückschritte um Jahre befürchtet

Impfung
Gefährliche Haltung: Trump ist Impfgegner Bildrechte: Colourbox.de

In der US Seuchenschutzbehörde CDC, die auch für Impfempfehlung und die Bekämpfung von Infektionskrankheiten zuständig ist, liegen Medienberichten zufolge die Nerven blank. Mitarbeiter erzählten einem Radiosender, die Stimmung sei katastrophal, Menschen weinten auf den Fluren. Donald Trump hat in der Vergangenheit wiederholt behauptet, Impfstoffe seien gefährlich. Doch finanzielle Kürzungen beim CDC hätten sogar globale Folgen: Die Behörde gibt jährlich rund 2,6 Milliarden Dollar für die globale Seuchenkontrolle aus. Dieses Engagement liegt Trump kaum am Herzen, ließ er bereits durchblicken: Forschung und öffentliche Gesundheit müssten gegen andere Forderungen abgewogen werden, erklärte er.

Wenn Trump diese Haltung zu Impfstoffen und medizinischer Forschung beibehält, befürchten Wissenschaftler das Auslöschen der Fortschritte im Kampf gegen zahlreiche Krankheiten. Eine davon könnte der Krebs sein. Denn ein Forschungsprojekt zur personalisierten Krebsbekämpfung der nationalen Gesundheitsbehörde NIH steht bereits vor dem Aus. Weil die Initiative "Cancer Moonshot" die Unterstützung vom Staat wahrscheinlich verlieren wird, versucht Obamas Vize-Präsident Joe Biden sie in eine private Stiftung zu überführen. Doch auch die Forschung an Stammzellen und Embryonen dürfte künftig schwieriger werden: Die zahlreichen evangelikalen Christen der Republikaner im Kongress wollen sie erheblich einschränken.

Geisteswissenschaften: Unnütz für wirtschaftliche Interessen

Die von den Republikanern angekündigten Kürzungen der Ausgaben für Forschung dürften auch im Bereich der Geisteswissenschaften harte Einschnitte bedeuten, sagte der Wissenschaftshistoriker von der George School of Technology, Joahn Krige, der Süddeutsche Zeitung. "Das wird nicht heute oder morgen sichtbar sein, aber längerfristig."

Wenn sich der Staat zurückziehe, habe nur noch Forschung eine Chance, die für die Wirtschaft interessant sei. Das sei aber bei Geschichts- oder Literaturwissenschaften kaum der Fall. Erschwerend hinzu kommt außerdem, dass die Republikaner viele Disziplinen der geisteswissenschaftlichen Forschung als linke Ideologie betrachten.

Kampfansage an Trump

Der Einfluss des neuen US-Präsidenten auf Wissenschaft, Forschung und Universitäten ruft Widerstand hervor. So hat unter anderem Kaliforniens Gouverneur Edmund "Jerry" Brown nach ZDF-Angaben zum Kampf gegen Treibhausgase geblasen. Er und andere Gouverneure befürchten demnach einen Schaden für die globale Erwärmung weit über Trumps Amtszeit hinaus. In Browns Bundesstaat sind unter anderem die renommierten Universitäten Stanford, Berkeley und UCLA.

Doch auch unter den Wissenschaftlern gibt es bereits Solidaritätsbekundungen. So erklärte unter anderem Impfstoff-Forscher Peter Hotez zu Trump: "Wenn er einen Krieg gegen Wissenschaftler anzettelt, dann wird er den nicht gewinnen."

Belebung des wissenschaftlichen Austauschs?

Crister S. Garrett Professor für amerikanische Studien, Uni Leipzig
Crister S. Garrett, Professor für amerikanische Studien an der Universität Leipzig Bildrechte: MDR

Wenn die Trump-Regierung Einschnitte für die Wissenschaft in den Vereinigten Staaten mit sich bringt, könnte sich ein Trend unter den Studierenden an amerikanischen Universitäten womöglich noch verstärken. Denn in den vergangenen Jahren zog es immer mehr junge Amerikaner zum Studieren ins Ausland. Besonders beliebt ist nach Angaben des Institute of International Education Europa.

Deutschland gehört demnach zu den Top Fünf-Studienländern für US-Amerikaner in Europa – Tendenz steigend. Und selbst in Mitteldeutschland ist das erkennbar: An der Universität Leipzig beispielsweise sind die US-Amerikaner auf Platz sieben der am meisten vertretenen ausländischen Studierenden. Gab es im Wintersemester 2012/13 noch 53 Personen aus den USA an der Universität Leipzig, sind es im Wintersemester 2016/17 schon 90 US-amerikanische Staatsbürger. Für den wissenschaftlichen Austausch zwischen den USA und Deutschland könnte Trump also auch förderlich sein, meint Amerikanistik-Professor Crister Garrett.

Über dieses Thema berichtete MDR Aktuell im Radio | 20.01.2017 | 08:38 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 12. September 2017, 13:53 Uhr