Titanic-Ausstellung im Panometer Leipzig
Abbildung des Titanic-Wracks im Leipziger-Panometer: Hier können Besucher die Reste des Schiffs im trockenen anschauen. Das echte Wrack wird dagegen langsam von Bakterien aufgrefressen. Bildrechte: MDR/Friederike Schicht

Wrack des Luxusdampfers verschwindet Bakterien fressen die Titanic auf

Bakterien, die sich von Eisen ernähren, fressen das Wrack der Titanic offenbar schneller auf, als gedacht. Meeresbiologen vom Alfred-Wegener-Institut warnen, auch andere Tiefsee-Bauwerke, etwa Ölpipelines, sind vom Eisenfraß bedroht.

Titanic-Ausstellung im Panometer Leipzig
Abbildung des Titanic-Wracks im Leipziger-Panometer: Hier können Besucher die Reste des Schiffs im trockenen anschauen. Das echte Wrack wird dagegen langsam von Bakterien aufgrefressen. Bildrechte: MDR/Friederike Schicht

Wer das Wrack der Titanic sehen möchte, kann es derzeit im Leipziger Panometer besichtigen, sogar ohne dafür nass zu werden. Der Panoramakünstler Yadegar Asisi hat den 1912 gesunkenen Dampfer als großformatiges Bild in Szene gesetzt. Wer hingegen zum echten Wrack am Grund des Atlantiks in 3.800 Metern Tiefe hinabtauchen möchte, sollte sich besser beeilen. Forscher des Alfred-Wegener-Instituts für Polar- und Meeresforschung in Bremerhaven (AWI) warnen jetzt: In einigen Jahren könnte von den Überresten des legendären Schiffs nichts mehr übrig sein. Grund dafür sind Bakterien, die sich von den Elektronen im Eisen des Rumpfs ernähren und so die Verrostung des Wracks beschleunigen.

Forscher haben die Mikroben bereits vor einigen Jahren entdeckt und nach dem Fundort "Halomonas titanicae“ genannt. Da die Bakterien eigentlich warmes Wasser bevorzugen, dachte man zunächst, das Schiff sei geschützt. Dort, wo die Titanic liegt, ist das Meer im Durchschnitt vier Grad kalt. Nun stellt sich allerdings heraus, dass die Schiffswände dennoch zersetzt werden. Bei kühlen Temperaturen verhalten sich die Mikroorganismen offenbar anders, als bei Wärme, sagt Antje Boetis, Professorin für Meeresbiologie am AWI: "Sie tragen dabei nicht langsam Millimeter für Millimeter die Oberfläche ab, sondern verursachen Lochfraß. Dadurch wird das Wrack instabil und fällt irgendwann zusammen."

Titanic-Ausstellung im Panometer Leipzig
Obwohl der Untergang der Titanic das berühmteste Schiffsunglück ist, ist er mit ca. 1.500 Todesopfern nicht das größte in der Geschichte der neuzeitlichen Schifffahrt. Bildrechte: MDR/Friederike Schicht
Der Luxusdampfer Titanic.
Bildrechte: dpa

Die AWI-Wissenschaftler warnen davor, dass "Halomonas titanicae“ damit nicht nur das 1985 entdeckte und später zum Unesco-Weltkulturerbe erklärte Wrack gefährden. Eisenfraß bedrohe auch andere moderne Unterwasserbauten, etwa Öl- und Gaspipelines oder Telekommunikationsleitungen. Bis zum vollständigen Zerfall der Titanic ist es allerdings noch eine Weile hin. Während die oberen Decks aus dünnerem Stahl gefertigt sind und damit in den kommenden Jahren verschwinden dürften, sei die eigentliche Schiffshülle dicker, sagt Malte Fiebing-Ptersen, Vorsitzender des Deutschen Titanic-Vereins, in einem Gespräch mit der Deutschen Presseagentur (dpa). Er geht davon aus, das der aufrecht stehende Bug von Tauchexpeditionen noch ein paar Jahrzehnte besucht werden kann.

Die Titanic hatte in der Nacht zum 15. April 1912 auf ihrer Jungfernfahrt von England in die USA bei voller Fahrt einen Eisberg gerammt und war wenige Stunden später gesunken. Bei der Katastrophe starben mehr als die Hälfte der 2.200 Passagiere an Bord.

Über dieses Thema berichtete LexiTV im Fernsehen | 30.03.2017 | 15:00 Uhr

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Zuletzt aktualisiert: 25. September 2017, 12:00 Uhr