Der Chemnitzer Joseph Heß schwimmt in der Elbe, im Hintergrund ist die Silhouette von Meißen zu sehen.
Schwimmen in der Elbe ist heute grundsätzlich unbedenklich, sagen Forscher. Bildrechte: dpa

Vom dreckigen zum sauberen Fluss Das Wasser der Elbe hat Badequalität

Früher war die Elbe einer der Dreck-Flüsse Europas. Haben sich also die Sportler, die in diesem Sommer von Sachsen bis nach Hamburg schwammen, im Wasser vergiftet? Forscher haben nachgemessen und geben Entwarnung. Mit einer Einschränkung.

von Clemens Haug

Der Chemnitzer Joseph Heß schwimmt in der Elbe, im Hintergrund ist die Silhouette von Meißen zu sehen.
Schwimmen in der Elbe ist heute grundsätzlich unbedenklich, sagen Forscher. Bildrechte: dpa

Gleich mehrfach wurde die Elbe in diesem Sommer vom Elbsandsteingebirge bis nach Hamburg durchschwommen. Zunächst nahmen insgesamt 250 Amateursportler an einer Schwimmstaffel teil, sprangen nacheinander ins Wasser und schwammen so gemeinsam in 19 Tagen die 575 Kilometer von Bad Schandau nach Geesthacht vor den Toren der Hansestadt.

Der Chemnitzer Doktorand Joseph Heß, der bei der Staffel zwischen Riesa und Torgau bereits dabei war, wollte es ein paar Wochen später noch einmal genauer wissen. Anfang August schwamm er die gesamte Strecke in 12 Tagen und legte noch eine kleine Etappe bis nach Hamburg hinein oben drauf, so dass er am 15. August schließlich sogar 620 Kilometer im Elbewasser zurückgelegt hatte.

Langstreckenschwimmer bekommt leichten Hautausschlag

Ganz schön mutig, könnte man meinen, immerhin war der Fluss einmal einer der giftigsten in Europa. Das Nachrichtenmagazin Spiegel sprach noch im November 1989 von einer Kloake, in die die Chemiebetriebe der DDR tausende Tonnen Abwässer einleiteten und so Phenol, Quecksilber, Cyanide und Nitrate auf die Reise schickten.

Langstreckenschwimmer Heß berichtet in seinem Online-Tagebuch dann auch vom pelzigen Gefühl, dass die Elbe in seinem Mund hinterlässt und von einem leichten Hautausschlag, der ihn auf den letzten hundert Kilometern begleitet hat. Möglicherweise war letzterer auch eine Folge der langen Zeit im Flusswasser. Kurze Aufenthalte sollen dagegen unbedenklich sein, denn der Fluss ist nicht mehr giftig. Die Qualität des Wasser hat sich seit 1990 kontinuierlich verbessert. Das zeigen die aktuellen Untersuchungen aus diesem Sommer.

Grenzwerte wurden nicht überschritten

Die vom Bundesforschungsministerium mitorganisierte Schwimmstaffel wurde von mehreren Wissenschaftsteams begleitet. Darunter war auch das Projekt Waquavid vom Karlsruher Institut für Technologie (KIT). Mit Hilfe zweier Sonden untersuchten Forscher die chemische Zusammensetzung des Wassers und die Algenkonzentration. Bei keinem der gemessenen Parameter seien Grenzwerte überschritten worden, schreibt Geochemiker Nicolas Börsig in einem Blogbeitrag.

Grundsätzlich machen den Wissenschaftlern heute weniger Abwässer aus der Chemieindustrie Sorgen. Viele Betriebe wurden geschlossen, die übrig gebliebenen Fabriken modernisiert. Inzwischen ist es vor allem die Landwirtschaft, die Einfluss auf die Wasserqualität hat. Nicht verarbeiteter Dünger wird durch Regen in die Elbe gespült, und fördert dort unter anderem das Algenwachstum.

Chemnitzer schwimmt bis nach Hamburg
Elbeschwimmer Joseph Heß Bildrechte: MDR/Tom Herrmann

Wie Forscher bei ihrem Messungen feststellten, verändert sich die Zusammensetzung des Wassers auf dem Weg nach Hamburg abhängig von den örtlichen Gegebenheiten, den Wetterbedingungen und der Uhrzeit. Nach der Mündung der Saale maßen die Forscher zum Beispiel einen deutlich höheren Salzgehalt im Wasser. Der wurde durch den Zustrom der Havel wieder neutralisiert. Zum Zeitpunkt der Messung waren über dem Raum Berlin starke Gewitter niedergegangen, wodurch die Havel viel Regenwasser mit sich führte.

Blaualgen in der Elbe

Schien die Sonne, stellten die Forscher ein stärkeres Algenwachstum statt. Dadurch stieg die Sauerstoffkonzentration im Wasser. Dass dieses Wachstum überhandnehmen könnte, befürchten die Experten nicht. Anders als ein Teich, der umkippen kann, wenn die Algen zu stark wachsen und dann absterben, verhindert die Strömung diesen Prozess in der Elbe. Das Wasser wird regelmäßig umgewälzt.

Allerdings fanden die Wissenschaftler vereinzelt sogenannte Cyanobakterien. Die auch als Blaualgen bekannten Mikroorganismen produzieren Gifte, die bei starkem Wachstum zu Badeverboten führen können. Konkret handelte es sich um die Spezies "Plantothrix rubescens". Sie könne ganze Seen in Rot tauchen und werde deshalb auch Burgunderblut-Alge genannt, schreibt der Physiker Christian Moldaenke. In der Elbe kam sie allerdings nur in kleinsten Mengen vor, nie mehr als 0,5 Mikrogramm pro Liter Wasser. Für Schwimmer stelle das keine Gefahr dar und auch nicht für die Versorgung mit Trinkwasser, das meistens in geschützten Uferbereichen des Flusses gewonnen wird. "Die Uferfiltration reduziert die allermeisten Toxine und Geruchsstoffe", sagt der Physiker.

Untersuchungen noch nicht abgeschlossen

Einige Untersuchungen laufen noch, darunter auch das Projekt MiWa, bei dem die Konzentration von Mikroplastik in der Elbe gemessen wird. Hier sollen Ergebnisse in einigen Wochen vorliegen. Außerdem läuft derzeit ein größeres Projekt mehrerer Helmholtz-Forschungszentren, bei dem untersucht wird, welche Stoffe die Elbe in die Nordsee spült, wenn es zu einer Flut kommt. Auch hier soll es in den kommenden Monaten erste Erkenntnisse dazu geben, welche Gifte heute über den Fluss ins Meer gelangen.

Über dieses Thema berichtet MDR-SACHSEN: im Radio | 20.06.2017 | 10:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 02. Oktober 2017, 16:27 Uhr