Arbeitsmaschinen im Erkundungsbergwerk Gorleben
Der zum Endlager ausgebaute Salzstock im niedersächsischen Gorleben soll nicht mehr der einzige mögliche Standort für Atommüöll sein. Bei der Suche wollen die Behörden nach dem Prinzip der "weißen landkarte" verfahren. (Archivbild) Bildrechte: dpa

Wohin mit dem strahlenden Abfall? Mögliche Standorte für ein Atommüllendlager in Mitteldeutschland

Die Bundesregierung hat am Dienstag offiziell mit der neuen Suche nach einem Standort für ein Atommüllendlager in Deutschland begonnen. Dabei rücken auch wieder Regionen in Sachsen und Sachsen-Anhalt in den Blick.

von Clemens Haug

Arbeitsmaschinen im Erkundungsbergwerk Gorleben
Der zum Endlager ausgebaute Salzstock im niedersächsischen Gorleben soll nicht mehr der einzige mögliche Standort für Atommüöll sein. Bei der Suche wollen die Behörden nach dem Prinzip der "weißen landkarte" verfahren. (Archivbild) Bildrechte: dpa

Die neu gegründete Bundesgesellschaft für Endlagerung (BGE) hat am Dienstag offiziell mit der Suche nach einem Standort für ein atomares Endlager in Deutschland begonnen. Da nach dem Prinzip der "weißen Karte" zunächst keine Region in Deutschland von vornherein ausgeschlossen wurde, könnten auch Standorte in Mitteldeutschland wieder in Betracht gezogen werden.

Die Experten sortieren allerdings zunächst mit Hilfe schon vorliegender Daten Regionen aus, die nicht in Frage kommen - etwa, weil Erdbebengefahr besteht oder viele Menschen dort wohnen. Im nächsten Schritt werden Gebiete ausgewählt, die bestimmten Mindestanforderungen entsprechen. Anhand weiterer Kriterien wie der Nähe zu Wohngebieten werden dann theoretisch geeignete Standorte bestimmt. Es folgt eine Erkundung über Tage, dann unter Tage. Bis 2031 soll ein Standort gefunden sein.

Wie das Verfahren der Suche genau ablaufen soll und welche Kriterien dabei zum Einsatz kommen, hat die Kommission zur Lagerung hoch radioaktiver Abfallstoffe 2016 in ihrem Abschlussbericht festgehalten. Da die radioaktiven Abfälle aufgrund der verbleibenden Strahlung heiß werden können, muss ein künftiges Lager für diese Wärmeentwicklung geeignet sein. Zudem soll der Müll 500 Jahre lang rückholbar sein, falls sich in Zukunft neue, sicherere Möglichkeiten zu dessen Lagerung ergeben oder falls es zu unvorhergesehenen Problemen kommt.

Erzgebirge und Lausitz könnten in Frage kommen

Nur bestimmte Wirtsgesteine sind für die Lagerung des Mülls geeignet. Konkret untersucht werden Salz-, Ton- und kristalline Formationen. Zu letzteren gehören auch die Granitvorkommen, wie sie in Mitteldeutschland im Erzgebirge und in der Lausitz vorkommen.

Bereits in der Vergangenheit haben Experten und Politiker über Granitformationen als mögliche Lagerstätten diskutiert, diese Vorschläge aber immer wieder verworfen, da dieses Gestein leicht durchlässig für Wasser ist und der Müll daher mit zusätzlichen Barrieren gesichert werden müsste.

Ton- und Salzformationen in Sachsen-Anhalt

Als besser geeignet beurteilen die Experten Ton- oder Salzgesteine. Betrachtet man die Landkarten, auf denen die Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR) in der Vergangenheit geeignete Regionen mit Ton- und mit Salzformationen eingezeichnet hat, fällt auf, dass Sachsen-Anhalt unter den mitteldeutschen Ländern hier die meisten möglichen Standorte hat, vor allem im Norden.

Dort gibt es bereits das Lager Morsleben. In dem Salzstock lagern 37.000 Kubikmeter mit schwach- und mittelstrahlendem Müll aus ost- und westdeutschen Kraftwerken. Als bundesweites Endlager bei der jetzt gestarteten Suche kommte es zwar auf keinen Fall in Betracht. Der Komplex, der bereits während den 1970ern von der DDR in Betrieb genommen wurde galt viele Jahre als stark einsturzgefährdet und konnte nur mit einigem Aufwand gesichert werden. Seit 1998 gilt ein Einlagerungsstopp. Die bereits gelagerten Fässer wurden bislang allerdings nicht zurückgeholt.

Morsleben könnte Lager für immer bleiben

Stattdessen wurden zur Stabilisierung des früheren Bergwerks Holhlräume mit einem Salz-Betongemisch verfüllt. Das soll nun auch mit den Kammern passieren, in denen der Atommüll lagert. Damit diese Kammern aber wirklich dicht halten und kein Wasser eindringen kann, muss der Beton besonders hohe Anforderungen erfüllen. Dazu laufen laut der BGW aktuell Versuche. Erst wenn das Verfahren feststeht und die entsprechenden Genehmigungen erteilt wurden, soll mit der Verfüllung begonnen werden. Danach wäre dieser Müll nicht mehr rückholbar. Aktuell gibt es dafür noch keinen konkreten Termin.

Über dieses Thema berichtet MDR-Aktuell auch: im Radio | 05.09.2017 | 11:15 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 06. September 2017, 09:40 Uhr