Start von Sputnik 1 im Jahr 1957
Die Sputnik-Trägerrakete hebt am 4.10.1957 20:28:34 Uhr MEZ von Baikonur ab. Bildrechte: dpa

Vor 60 Jahren Sputnik 1 schockt den Rest der Welt

Start von Sputnik 1 im Jahr 1957
Die Sputnik-Trägerrakete hebt am 4.10.1957 20:28:34 Uhr MEZ von Baikonur ab. Bildrechte: dpa

Wir schreiben das Jahr 1957 - wir sind mitten im kalten Krieg. Nach dem Sieg über Hitler belauern sich die Großmächte USA und die Sowjetunion argwöhnisch. Niemand bezweifelt, dass der Westen, also die Amerikaner, den Russen technologisch und wissenschaftlich haushoch überlegen sind.

Fünf Menschen sitzen hintereinander an kleinen Fernrohren um den Satellit Sputnik 1 zu entdecken.
Sogenannte Satelliten-Spürer versuchen in Pittsburgh/USA Sputnik 1 zu entdecken. Bildrechte: dpa

Doch dann passierte das Unglaubliche: Die Russen bringen Sputnik 1 in die Umlaufbahn. Der Beton auf dem geheimen Raketengelände im kasachischen Baikonur ist gerade trocken und die erste Interkontinentalrakete der Russen gerade erfolgreich getestet. Jetzt soll sie eine mit Stickstoff gefüllte Silberkugel von der Größe eines Basketballs in eine Erdumlaufbahn bringen - Sputnik 1. Nikita Chruschtschow, der russische Staatschef, soll nicht begeistert gewesen sein, dass er eine seiner teuersten Raketen für so eine komische Mission hergeben sollte. Er willigt trotzdem ein, nicht ahnend, dass dieses Projekt eine der größten Demütigungen für den Klassenfeind werden sollte. Und auch das Selbstbild der Amerikaner geriet ins Wanken. In ihrer Wahrnehmung waren sie bis dahin die technologisch fortschrittlichste Nation der Erde. Peter von Zahn war damals ARD-Korrespondent in den USA:

Der Sputnik hat die Amerikaner mit einer Reihe von Fragen konfrontiert, deren Beantwortung an sich längst überfällig ist. Die nun aber besonders schwer wird, weil die Zeit drängt.

Peter von Zahn

Mit einem Mal begriffen die Russen, was für ein Coup ihnen mit Sputnik 1 gelungen war. Sie hatten im öffentlichen Bewusstsein nicht nur zu den Amerikanern aufgeschlossen, sie hatten sie überholt. Der Transport von Sputnik 1 durch eine russische Interkontinentalrakete in den Orbit demonstrierte nämlich auch, dass die Russen jeden Punkt der Erde mit einem Atomsprengkopf erreichen können.

Wettlauf im All

Geöffene  Kugel eines Satelliten, in der sich technisches Gerät befindet.
Das Innenleben von Sputnik 1 Bildrechte: NASA

Damit begann der Wettlauf in der Raumfahrt. Die Amerikaner gründeten die NASA, begannen über ihr Bildungssystem zu debattieren, erfanden das Bildungsfernsehen, verdreifachten das Jahresbudget der "National Science Foundation", vergaben 20.000 Stipendien, steckten mehr Geld in die Lehrerausbildung und den Bau neuer Schulen - 1,6 Milliarden Dollar in vier Jahren. Sie begannen Forschungseinrichtungen zu vernetzen - so war der Vorläufer des Internets eine indirekte Folge von Sputnik 1.

Kurzfristig half das natürlich nichts - die Demütigungen gingen im Wochentakt weiter: Einen Monat später startete Sputnik 2 mit dem sensationellen Gewicht von 500 kg in All. Das erste Tier, der erste Mensch, die erste Frau im All, der erste Weltraumspaziergang - das alles kam von den Russen, und sie schossen auch die erste Rakete auf den Mond.

Zwölf Jahre dauerte es bis diese Vorherrschaft gebrochen war. 1969 setzte ein Amerikaner als erster Mensch seinen Fuß auf den Mond. Wer weiß, wie das alles ohne Sputnik 1 gelaufen wäre. Heute vor 60 Jahren zog er seine Bahn um die Erde. Ein Vierteljahr später verglühte er in der Erdatmosphäre.

Über dieses Thema berichtet MDR AKTUELL: im Radio | 04.10.2017 | 06:20 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 04. Oktober 2017, 15:25 Uhr