Cora imi (Herzflechte, Costa Rica)
Bildrechte: R. Lücking / Botanischer Garten und Botanisches Museum Berlin

Nur ein Bruchteil erforscht Pilze - die unbekannten Wesen

Cora imi (Herzflechte, Costa Rica)
Bildrechte: R. Lücking / Botanischer Garten und Botanisches Museum Berlin

Pfifferling, Steinpilz, Trüffel - haben wir schon mal gehört, gesehen, gekostet. Dass Hefe ein Pilz ist, wissen vermutlich nicht nur Hausmann oder –frau. Und Hallimasch ist nicht nur Pilzsammlern bekannt, sondern auch Fans von Rekorden. Denn er gilt als das größte Lebewesen der Welt (siehe Video unten). Aber Pilze gibt es nicht nur in der Küche und im Wald, sondern auch in der Tiefsee, auf Pflanzen oder in Insekten. Und die meisten von ihnen, kennen wir nicht, sagen Botaniker aus London und Berlin.

Bis zu 3,8 Millionen Arten könnten es sein. Damit wären die Pilze nach den Tieren die zweitstärktste Population der Welt, bis zu zehnmal so groß wie Pflanzen. Und nur 120.000 von ihnen sind wissenschaftlich beschrieben - nach den Berechnungen der Wissenschaftler sind das gerade einmal drei bis acht Prozent.

Cordyceps sp. (Costa Rica)
Die Artenvielfalt der insektenparasitierenden Pilze ist noch völlig unbekannt. Bildrechte: R. Lücking / Botanischer Garten und Botanisches Museum Berlin

Wenn wir so weiter forschen wie bisher, dann brauchen wir mindestens noch 1.500 bis 2.500 Jahre, um die unbekannten Pilze zu beschreiben. Viele dürften bis dahin aber auch schon ausgestorben sein. Das vermuten die britischen und deutschen Botaniker, die für eine Studie die Verbreitung der Pilze untersucht haben.

Coprinellus disseminatus (Gesäter Tintling, Kolumbien)
In dieser Gattung totholzzersetzender Pilze ist die Zahl der geschätzten Arten etwa so hoch wie die Zahl der bekannten Arten, eher eine Ausnahme unter den Pilzen. Bildrechte: R. Lücking / Botanischer Garten und Botanisches Museum Berlin

Ihre Schätzwerte errechneten sie mit verschiedenen Methoden: Sie analysierten unter anderem Genmaterial von Organismen aus Boden- und Wasserproben. Zudem nutzten sie Daten zum bekannten Vorkommen von Pilzen pro Pflanzenart. Die Ergebnisse veröffentlichen sie jetzt im Fachblatt “Microbiology Spectrum“. Vor allem in den Tropen vermuten sie extrem viele unbekannte Pilzarten. Aber auch Pilze in Insekten seien bisher kaum untersucht.

Dabei sind Pilze oft von großer Bedeutung für den Kreislauf der Natur, zum Beispiel beim Zersetzen von totem organischen Material. Gleichzeitig gehören Pilze zu unserer Nahrung, sind wiederum als Krankheitserreger gefährlich, bilden aber auch die Grundlage für Medikamente wie zum Beispiel Antibiotika. Pilze vereinen nach Angaben des Botanischen Gartens Eigenschaften von Tieren und Pflanzen, sie gelten demnach inzwischen als näher mit Tieren verwandt.

Über dieses Thema berichtete de MDR: SPUTNIK Mailbox | 11.09.2017 | 06:20 Uhr
MDR ZEITREISE | 05.09.2017 | 21:15 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 18. September 2017, 12:48 Uhr