Das Foto zeigt eine Krabbe, die sich in ein Stück angespülten Plastikmüll am Strand der Insel Henderson im Südost-Pazifik verkrochen hat.
Henderson Island: Ein Krabbe in einem Stück Plastemüll. Bildrechte: dpa

Umweltverschmutzung Plaste-Müll im Südsee-Idyll

Es könnte so schön sein auf Henderson Island. Eine einsame Insel mit Palmen und weiten Sandstränden. Keine Menschen weit und breit, nur Sonne und Wasser. Das Problem: Das Meer hat über 17 Tonnen Plastemüll angeschwemmt.

Das Foto zeigt eine Krabbe, die sich in ein Stück angespülten Plastikmüll am Strand der Insel Henderson im Südost-Pazifik verkrochen hat.
Henderson Island: Ein Krabbe in einem Stück Plastemüll. Bildrechte: dpa

Selbst das entlegenste Idyll ist nicht vor unserem Müll sicher. Auf Henderson Island, einer einsamen Trauminsel im Süd-Ost-Pazifik, haben Wissenschaftler nun die Ausmaße dieser Naturverschmutzung gemessen. 670 Plastikteile pro Quadratmeter Strand fanden sie auf der 10 Kilometer langen und fünf Kilometer breiten Insel.

Vermüllte Traumstrände

Das Foto zeigt angespülten Plastikmüll am Strand der Insel Henderson im Südost-Pazifik.
Plastemüll auf Henderson Island Bildrechte: dpa

Insgesamt kommen dort fast 38 Millionen Plasteteile mit einem Gewicht von 17,6 Tonnen zusammen. Aber das ist noch lange nicht das Ende: täglich kommen 27 Plastikteile hinzu. Pro Quadratmeter.
Das zeige, wie selbst entlegene Inseln zu einer Sammelstätte für den weltweit wachsenden Plastikmüll werden, schreiben Wissenschaftler in den "Proceedings" der US-Nationalen Akademie der Wissenschaften (PNAS). Sie hatten den Plastemüll unmittelbar auf den Stränden der Insel gefunden, vor allem aber unsichtbar im Sand vergraben.
Das zu den Pitcairninseln zählende Henderson Island liegt im Südpazifik und zählt zum Unesco-Welterbe - wegen der außergewöhnlichen Schönheit und Unberührtheit. Tatsächlich sieht die Insel aus wie aus dem Bilderbuch - weiße Sandstrände, Kokosnuss-Palmen und verlassene Natur, soweit das Auge reicht.

Lutscherstiele, Zahnbürsten, Strohhalme

Dass die Insel beim genaueren Hinsehen alles andere als unberührt ist, zeigt die Untersuchung von Jennifer Lavers von der University of Tasmania und Alexander Bond von der britischen Royal Society for the Protection of Birds auf drastische Weise.
Nirgends sonst auf der Welt wurde bisher eine größere Plastemüll-Dichte festgestellt als auf Henderson Island. Die Forscher fanden Fischereizubehör wie Leinen, Netze und Bojen, aber auch Lutscherstiele, Zahnbürsten, Strohhalme und Besteck. Bis zu 670 Plastikteile fanden sie oben auf einem Quadratmeter Strand. Der Großteil des Mülls aber blieb zunächst verborgen: 68 Prozent der Plaste fanden die Forscher in den ersten zehn Zentimetern unter der Sandoberfläche. Dort spürten sie bis zu fast 4.500 Teile pro Quadratmeter auf - die meisten von ihnen kleiner als fünf Millimeter.

Eine Plastikflasche kann 450 Jahre alt werden

Henderson Island liegt am westlichen Rand des Südpazifik-Wirbels, einem der bekannten "Müllstrudel" der Weltmeere, in denen sich Plastikteile ansammeln. Bei einigen Teilen konnten die Forscher die Herkunft feststellen. Viele stammten demnach aus Asien und Südamerika.
Eine Entschärfung des Problems sehen die Forscher in naher Zukunft nicht: Die geschätzten 17,6 Tonnen Plastemüll auf Henderson Island entsprächen rechnerisch gerade einmal der Menge Plaste, die weltweit in 1,98 Sekunden produziert werden.

Schätzungen zufolge landen jedes Jahr mehrere Millionen Tonnen Kunststoffe in den Ozeanen. Hauptproblem dabei ist die große Haltbarkeit: Es dauere 10 bis 20 Jahre, bis eine Plastiktüte weitgehend abgebaut sei, heißt es beim Umweltbundesamt. Bei einer Plastikflasche gehen Fachleute von 450 Jahren aus.

Über dieses Thema berichtete MDR AKTUELL im Radio | 14.05.2017 | 12:50 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 14. September 2017, 13:57 Uhr