Zwei Männer rudern in Houston, Texas (USA) bei heftigem Regen auf einer überfluteten Straߟe in einem Schlauchboot.
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"Nur" Hurrikan oder schon Klimawandel? Warum hört der Regen über Houston nicht auf?

Zwei Männer rudern in Houston, Texas (USA) bei heftigem Regen auf einer überfluteten Straߟe in einem Schlauchboot.
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"Hurrikan Harvey bewegt sich nicht, er liegt so halb auf dem Wasser und bezieht so immer weiter Kraft und das ist das große Problem. Er ist eingekesselt zwischen zwei Hochdruckgebieten und liegt so sehr stabil über Houston und deswegen hört der Regen nicht auf", erklärt Anders Levermann vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung im Interview mit hr-iNFO. Dass Houston ein Problem mit Wasser hat, ist an sich nicht neu – neu ist das Ausmaß der Überschwemmungen durch den langen Stark-Regen. Direkt auf den Klimawandel zurückführen lasst sich das aber nicht, sagt Levermann, jedenfalls nicht in diesem Einzelfall. Aber klar ist, dass die Hurrikans stärker werden, so Levermann. "Unter globaler Erwärmung wird es halt wärmer, und damit wird auch der Ozean wärmer und damit steht mehr Energie für die Hurrikans zur Verfügung."

Und wir sehen genau in Amerika was passiert, wenn man den Klimawandel nicht ernst nimmt und sich nicht anpasst.

Anders Levermann, Klimaforscher

Steigender Meeresspiegel, stärkere Stürme – das sind keine neuen und unbekannten Probleme. Müsste man dann nicht auch in den USA besser für solche Phänomene gerüstet sein? "Es gibt viel Aufholbedarf bei der Infrakstruktur. Aber Regionalregierung und Bundesregierung spielen sich die Karten da immer wieder hin und her", sagt Klimaforscher Levermann. Schon in den vergangenen Jahren hatte die  Metropole mit ihren 2,3 Millionen Einwohnern regelmäßig mit Überschwemmungen zu kämpfen. "Für Houstons Bewohner nichts Neues", kommentierte Texas‘ Gouvernour Greg Abbot im US-Sender "ABC".

Das hausgemachte Problem

Die Wassermassen spülen in diesem Sommer ein altes, hausgemachtes Problem der Stadt an die Oberfläche: Das einstige Sumpfgebiet, auf dem Stadt gebaut wurde, war mit Hilfe von Kanälen trockengelegt worden. Fünf solcher Kanäle ziehen sich durch Houston. Der lehmhaltige Boden ist ein schwieriger Baugrund, er lässt Wasser nur schwer abfließen. Während Stadt und Einwohnerzahl wuchsen und wuchsen, wurde dabei das Drainagesystem mit seinen Kanälen zwar in den 1970er-Jahren überarbeitet, aber nicht weiterentwickelt. Ein System aus Wällen oder Dämmen als Hochwasserschutz gibt es nicht, vielmehr wurden entlang vieler Wasserläufe sogar Häuser gebaut.  

Auch deshalb ergießt sich nun das Wasser aus den Bajous in Straßen und Häuser, statt stadtauswärts zu fließen. Selbst wenn man die Kanäle verbreiterte, wäre das nur eine scheinbare Lösung – irgendwo müssen ja die Wassermassen hinfließen. Das derzeitige Szenario zeigt die Mängel in der Stadtplanung einer schnell wachsenden Metropole: Ein Dammsystem als solches zum Hochwasserschutz gibt es nicht, sagt Professor Samuel Brody. Der Direktor des Instituts für Strände und Ufer der Universität Texas hatte Daten der Überschwemmungen im US-Bundesstaat Texas der vergangenen acht Jahre gesammelt und ausgewertet. Damit hatte er belegt, dass Houston nachweislich seit Jahren die am stärksten von Überschwemmungen betroffene Stadt der USA sei.

Klimaforscher Levermann sieht die Entwicklung pragmatisch. "Vorm Anstieg der Meeresspiegel muss niemand Angst haben", sagt er im hr-iNFO-Interview. Denn die Menschen können sich schützen.

Man kann Deiche bauen. Und wenn die Deiche nicht ausreichen, dann kann man sich zurückziehen.

Anders Levermann, Klimaforscher

Über dieses Thema berichtet MDR: MDR AKTUELL | 29.08.2017 | 09:53 Uhr
im Fernsehen Brisant | 29.08.2017 | 17:15 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 29. August 2017, 17:49 Uhr