Ein Fischotterpaar in einem Gehege im Wildpark.
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Vom Todesstreifen zum Paradies Deutscher Umweltpreis für Naturschutz an innerdeutscher Grenze vergeben

Fast 40 Jahre lang blieb ein Streifen innerhalb Deutschlands unberührt, weil er für die Grenzsicherung abgeriegelt war. Heute gedeihen dort bedrohte Arten, weil Naturschützer rechtzeitig handelten.

Ein Fischotterpaar in einem Gehege im Wildpark.
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Mit dem Deutschen Umweltpreis 2017 werden unter anderem drei Menschen ausgezeichnet, ohne die das Grüne Band entlang der ehemaligen innerdeutschen Grenze nicht denkbar wäre. Naturschützerin Inge Sielmann, BUND-Vorsitzender Hubert Weiger und Geoökologe Kai Frobel hätten den Geländestreifen maßgeblich für die Natur gesichert, so die Begründung.

Nur durch die Liebe dieser engagierten Naturfreunde konnte die rund 1400 Kilometer lange ehemalige innerdeutsche Grenze für die Pflanzen- und Tierwelt erhalten werden.

Werner Wahmhoff, stellvertretender DBU-Generalsekretär
Der Geologen Kai Frobel steht an einem DDR Grenzpfahl.
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Kai Frobel gilt als Initiator und Namensgeber des «Grünen Bandes». Mit seinen Kartierungen und seiner Diplomarbeit hatte der Nürnberger Geoökologe in den 1970er und 1980er Jahren das Naturschutzpotenzial für einen 140 Kilometer langen Bereich des Streifens belegt.

Ich freue mich, dass meine Bemühungen auf diese Weise gewürdigt werden. Dadurch ist der Preis ein wichtiges Signal für viele andere Naturschützer in Deutschland.

Kai Frobel, Preisträger und Geoökologe

Gemeinsam mit dem BUND-Vorsitzenden Hubert Weiger hatte Frobel den Anstoß zur Initiative "Grünes Band Europas" gegeben und damit den Weg für den mit 12.500 Kilometern längsten Lebensraumverbund des Kontinents geebnet. Das "Grüne Band Europa" zeiht sich entlang der früheren Blockgrenze zwischen Ost und West, von Griechenland, über den Balkan, durch Deutschland und die Ostsee bis hoch ans Nordkap. Auch Weigers Leistung wird mit der Auszeichnung geehrt.

Inge Sielmann blickt in ihrem Haus in München in die Kamera.
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Die dritte Preisträgerin Inge Sielmann hatte das Engagement ihres verstorbenen Mannes Heinz Sielmann fortgeführt. Schon 1988 hatte das Ehepaar mit dem Film "Tiere im Schatten der Grenze" auf den besonderen Stellenwert des Gebietes aufmerksam gemacht. Später unterstützte die Heinz Sielmann Stiftung die Flächensicherung im Grünen Band finanziell in großem Umfang. Dass es ein gemeinsames Naturschutzprojekt von Ost und West sei, habe sie daran besonders gereizt, so Sielmann.

Wir haben die Chance für den Naturschutz gesehen, im Schatten der Grenze gab es noch intakte Lebensräume, Refugien der Natur mit einer reichen Tier- und Pflanzenwelt.

Inge Sielmann, Preisträgerin und Naturschützerin
Die ehemalige innerdeutsche Grenze dargestellt auf einer Karte
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Grünes Band Deutschland ist der fast 1400 km lange und 50 bis 200m breite Geländestreifen entlang der ehemaligen Innerdeutschen Grenze. Er reicht von Travemünde bis zum ehemaligen Dreiländereck bei Hof. Zu diesem größten Biotopverbund gehören 150 Naturschutzgebiete. 600 in Deutschland bedrohte Arten kommen hier vor. Es ist Teil des "Grünen Band Europa", der früheren Blockgrenze zwischen Ost und West, die insgesamt 12.500 Kilometer lang ist.

Die Deutsche Bundesstiftung Umwelt vergibt den Umweltpreis seit 1993 jährlich. Er ist mit 245.000 Euro dotiert. Gewürdigt werden Leistungen, die für den Schutz und Erhalt der Umwelt vorbildlich sind oder künftig zu einer deutlichen Umweltentlastung beitragen.

Über dieses Thema berichtet MDR AKTUELL im: Radio | 05.09.2017 | 14:45 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 29. September 2017, 11:45 Uhr