Kleiner Junge auf Rutsche.
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Kindertag Lachen Sie mal wieder - mit Wissenschaft!

Kinder lachen hunderte Mal am Tag, wir Erwachsenen schaffen es selten auf 20 Mal. Warum vergeht uns das Lachen, obwohl es uns so gut tut, dass man es fast als Medizin bezeichnen könnte. Ganz ohne Nebenwirkungen! Heute am Kindertag sollten wir darüber reden.

von Kathleen Raschke-Maas

Kleiner Junge auf Rutsche.
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“Lachen ist die beste Medizin” – dahinter steckt tatsächlich Wissenschaft. Die Gelotologie erforscht, wie sich Lachen auf Körper, Geist und Seele auswirkt. Prof. William Fry gründete 1964 das Institut für Humorforschung in Kalifornien und damit eine neue Disziplin. Die ersten Versuche führte er an sich selbst durch:

Ich hatte mir ein Film von Laurel & Hardy besorgt, um mich zum Lachen zu bringen. Die Folge, wo die beiden ein Klavier den Hügel hinaufschieben. Ich wollte herausfinden, was genau im Körper während des Lachens passiert. Also ließ ich mir in regelmäßigen Abständen Blut abnehmen und es dann untersuchen.

Prof. Dr. William Fry, Erfinder der Lachwissenschaft in einem Interview 1999

Dabei stellte William Fry fest, dass die Anzahl und die Aktivität der natürlichen Killerzellen, also T-Lymphozyten, während der Lachens ansteigt. In den 90er-Jahren konnte sein Kollege Lee S. Berk, Medizin-Professor an der Loma Linda Universität in Kalifornien, auch mehr Gamma-Interferon nachweisen, ein Protein, das für die Produktion körpereigener Abwehrstoffe mitverantwortlich ist. Das Immunsystem wird also durch das Lachen aktiviert und kann unerwünschte Eindringlinge besser bekämpfen. Inzwischen gibt es mit der Psychoneuroimmunologie ein weiteres Fachgebiet, das genauer erforscht, welche Folgen es für unsere Gesundheit hat, ob wir fröhlich oder traurig sind.

Lachen hält fit und baut Stress ab

Lachen ist körperliche Schwerstarbeit. Insgesamt über einhundert Muskeln sind daran beteiligt – von der Gesichtsmuskulatur bis zur Atemmuskulatur. Der ganze Körper wird erfasst, der Kopf bewegt, der Rumpf biegt und krümmt sich. Dadurch wird auch die Atmung tiefer.

Die Körperzellen werden mit mehr Sauerstoff versorgt und die Bronchien durchlüftet, Verbrennungsvorgänge befördert, Muskeln entspannt sowie Herz und Kreislauf angeregt.

Michael Titze, Psychotherapeut und Buchautor

All das bestätigt, was William Fry schon in den 60er Jahren feststellte, damals aber dafür belächelt wurde: 20 Sekunden Lachen fordern unseren Körper mindestens genauso wie drei Minuten Joggen - und das hilft beim Stressabbau!

Lachyoga
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Lachen verbindet und macht stark

Lachen und auch das Lächeln sind wichtig, um mit anderen zu kommunizieren. Beides ist eine Art Universalsprache, die alle Menschen über alle Kulturkreise hinweg miteinander verbindet - vor allem innerhalb der Familie oder unter Freunden und Kollegen. Denn gemeinsam zu lachen, schweißt zusammen - ob beim Erzählen lustiger Geschichten und Erinnerungen oder eines Ereignisses, das nur diejenigen kennen, die zu dieser Gemeinschaft gehören. Es signalisiert Offenheit und sagt uns: "Ich freue mich, mit Dir zusammen zu sein."

Eva Ullmann
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Das Lachen hilft uns, die Dinge des alltäglichen Lebens zu bewältigen. Besonders bei Konflikten und Misserfolgen zahlt sich Humor aus. Und er ist auch ein wichtiges Ventil, wenn es darum geht, Aggressionen umzuleiten.

Eva Ullmann, Gründerin des Deutschen Institutes für Humor

Warum lachen wir Erwachsenen dann viel zu selten?

Obwohl inzwischen so viel zum Lachen geforscht worden ist, hat sich offenbar niemand die Frage gestellt, warum wir im Laufe des Lebens immer weniger lachen. Dabei ist Lachen eine Urform der Kommunikation. Emotionsforscher Prof. Rainer Krause von der Universität Saarbrücken verweist in seinen Vorträgen auf eine Statistik, die belegt, dass es bereits in den ersten sechs Lebensmonaten zwischen Kind und Eltern rund 30.000 sogenannte Lächelkontakte gibt. Verschiedene Statistiken für Erwachsene zeigen dagegen, dass sie weniger als 20 Mal pro Tag lachen. Warum das allerdings so ist, konnte bisher noch keine wissenschaftliche Studie schlüssig belegen. Da die Forscher also keine Antwort haben, haben wir die echten Experten gefragt, die sich mit dem Lachen wirklich auskennen: die Kinder!

Ein Junge bloedelt mit Kartoffelchips herum.
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Weil die Großen immer so viel arbeiten müssen und keine Zeit zum Quatsch machen haben.

Jonte, 5 Jahre

Eltern müssen ja die Bestimmer sein in der Familie. Und dafür muss man ernst sein, sonst hören die Kinder nicht.

Leonie, 7 Jahre

Vielleicht hat Mama Angst, dass sie dann zu viele Falten bekommt. Man hat doch so ein faltiges Gesicht, wenn man lacht?

Johann, 7 Jahre

Na ich glaube, die haben irgendwie ihre Phantasie verloren und können sich manchmal einfach nicht vorstellen, was wir so lustig finden.

Fae, 12 Jahre

Können wir Lachen lernen?

Kleiner Junge und Mutter blicken sich durch Fensterscheibe an.
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Eigentlich ist uns das Lachen schon in die Wiege gelegt, es muss nur "geweckt" werden. Mit etwa zwei Monaten erwidern Babys das Lächeln von vertrauten Gesichtern. Sie spüren dann schon, dass das etwas Positives ist. Im Alter von ein bis zwei Jahren haben Kinder die kognitiven Fähigkeiten für Humor. Dinge, die nicht zusammenpassen, finden sie dann besonders lustig: die Socke auf dem Kopf etwa oder eine Kuh, die miaut. Generell finden sie es witzig, wenn sich etwas anders verhält, als erwartet. Grundschulkinder haben Spaß an Scherzfragen und Witzen, Ironie verstehen sie aber erst etwa ab dem 10. Lebensjahr.

Grundsätzlich gilt aber: Quatsch zu machen und darüber zu lachen, das muss man Kindern nicht extra beibringen. Sie haben es einfach in sich. Und genauso wenig kann und sollte man es ihnen abgewöhnen. Humor ist ein Fähigkeit, von der auch wir Erwachsenen profitieren können, wenn wir uns anstecken lassen

Wenn uns das Lachen vergeht....

weil wir krank sind oder der Ernst des Lebens uns zu sehr im Griff hat, gibt es viele Möglichkeiten, es sich zurückzuerobern. Mit Clowns, mit Lachyoga oder Lachtherapie.

Über dieses Thema berichtete der MDR im Fernsehen nah dran | 26.01.2017 | 22:35 Uhr
LexiTV | 01.06.2017 | 15:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 01. Juni 2017, 15:55 Uhr