Frau mit Einkaufstaschen
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Einkaufsforschung Schwer schleppen oder mehrmals gehen?

Ob beim Umzug oder beim Einkauf stehen wir vor der Frage: Schleppen wir lieber alles auf einmal oder gehen wir mehrmals? Wie wir diese Entscheidung eigentlich fällen und warum, das haben Forscher des
Leibniz-Instituts für Primatenforschung in Göttingen untersucht.

von Kathleen Raschke-Maas

Frau mit Einkaufstaschen
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Wenn wir vor dem vollgepackten Kofferraum stehen, müssen wir ohne Messgeräte ganz nach Gefühl entscheiden, ob für uns das schwere Schleppen oder der mehrfache Weg anstrengender sein wird. Eine Kosten-Nutzen-Rechnung im Eiltempo sozusagen: Wieviel Kraft habe ich gerade zur Verfügung und wieviel davon wird mich die Aktion kosten? Wie wir eben eine zu erwartende Anstrengung einschätzen, das wollten Pierre Morel und seine Kollegen vom Deutschen Primatenzentrum (DPZ) genauer wissen.

Es geht nicht nur um den Energieverbrauch

Pierre Morel
Pierre Morel bei einer Belastungsmessung im Labor. Bildrechte: Thomas Steuer, DPZ

Die Wissenschaftler ließen Testpersonen verschiedene Armbewegungen machen. Mit starker und schwacher Belastung, länger andauernd und kürzer. Außerdem wurden mal stärkere Muskeln dabei beansprucht, mal schwächere. Als besonders anstrengend empfanden die Probanden die starke Belastung, eine lang andauernde Bewegung und wenn schwächere Muskeln arbeiten mussten.
Wie groß die Bewegung war, also wie weit in diesem Falle ausgeholt wurde, spielte hingegen keine Rolle. Da aber auch das Energie verbraucht, von den Testpersonen aber bei der Beurteilung vernachlässigt wurde, schlussfolgerten die Wissenschaftler:

Pierre Morel
Dr. Pierre Morel, Deutsches Primatenzentrum Bildrechte: Margrit Hampe, DPZ

Unsere Ergebnisse zeigen, dass das Maß der Anstrengung, die wir subjektiv empfinden abweichen kann von der Energie, die wir tatsächlich für eine Bewegung benötigen. Der reale Energieaufwand spielt also für unsere Entscheidung keine Rolle, nur der individuell empfundene.

Pierre Morel, AG Sensomotorik am DPZ

Für die Entscheidung am Kofferraum heißt das: Lieber mehrmals gehen, denn den zusätzlichen Weg empfinden wir der Studie zufolge nicht als anstrengend, das Gewicht der schweren Kisten oder Einkaufstüten aber schon. Und möglicherweise tut das auch dem Rücken gut.

Über dieses Thema berichtete der MDR im Fernsehen MDR um 4 | 04.05.2017 | 17:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 07. Juni 2017, 16:31 Uhr