Eine Zecke sitzt auf einem Grashalm.
Bildrechte: www.zecken.de

Video Zecken klettern mit Klebepads

Zecken sind echte Kletterkünstler. Wie schaffen sie es, sich auf unterschiedlichsten Oberflächen sicher zu bewegen ohne herunterzufallen? Sie haben Klebepads an den kleinen Klauen. Das haben Wissenschaftler der TU Dresden und der Uni Kiel jetzt herausgefunden. Botanikerin Dagmar Voigt von der TU Dresden hat das im Video festgehalten.

Eine Zecke sitzt auf einem Grashalm.
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Zecken liegen träge auf Pflanzen herum und warten, bis ein Opfer vorbeiläuft, auf das sie sich fallen lassen können. Oder sie wandern herum, auf der Suche nach Wirtsorganismen. Haben sie sie gefunden, krabbeln sie mit ihren Klauen an eine Stelle, an der sie mit kleinen Schneidwerkzeugen (Cheliceren) die Haut aufritzen und dann ihren mit Haken besetzten Stechrüssel (Hypostom) in die Haut bohren. Sie saugen sich voll, bis sie bei einigen Arten über das Hundertfache ihres Körpergewichts besitzen und dann ziehen sie den Stachel  wieder heraus, lassen sich fallen und verschwinden.

Das Hochklettern an verschiedensten Oberflächen erfordert besondere Vorrichtungen. Bisher glaubten Wissenschaftler, dass sich die Zecken mit ihren Klauen festkrallen. Dr. Dagmar Voigt von der TU Dresden und Prof. Stanislav Gorb von der Universität Kiel haben jetzt nachgewiesen, dass die Spinnentiere zusätzlich eine Art Klebepads an den Beinen haben.

Zecken besitzen an ihren Füßen paarige Krallen, die ganz zugespitzt und gebogen sind und dazwischen ein Haftkissen, mit dem sie sich an verschiedenste Oberflächen anhaften können. Die Krallen helfen eher dazu, auf faserigen und rauen Oberflächen Halt zu finden und das Haftkissen, das wie ein Akkordeon auf- und zugefaltet werden kann, hilft den Zecken glatte Oberflächen zu begehen und sich festzuhalten.

Dr. Dagmar Voigt, Institut für Botanik, TU Dresden

Die Dresdner und Kieler Wissenschaftler nahmen dafür die Zeckenart Ixodes ricinus, bekannt als Gemeiner Holzbock, unter das Mikroskop. An den Enden der vier Beinpaare untersuchten die Forscher die Klauen. Und dort entdeckten Voigt und Gorb eine Art faltbares Kissen aus drei Lappen. Darin fanden sie Resilin, ein elastisches Protein, das u.a. Hummeln und Libellen hilft, die Flügel extrem schnell zu bewegen. Resilin sorgt dafür, dass auch die Klauen-Kissen-Konstruktion elastisch bleibt. Zusätzlich können die Zecken auf der Oberfläche eine Flüssigkeit absondern, was die Klebefähigkeit weiter erhöht.

Das ist ein ölig wässriges Gemisch. Den Effekt kann man sich vorstellen, wie wenn man zwei dünne Glasscheiben aneinanderhält und vorher mit einem Atemhauch benetzt. Dabei wird die gleiche Wirkung erzielt.

Dr. Dagmar Voigt, Institut für Botanik, TU Dresden

Unterschiede fanden die Forscher bei den Geschlechtern. Weibliche Zecken haben größere Klauen und Pads. Sie können das bis zu 500-fache ihres Gewichts halten, so Dagmar Voigt. "Die Männlein sind etwas schwächer, weil sie nicht so viel Gewicht tragen müssen, wie die Weibchen." Aber es funktioniert nicht auf allen Oberflächen. Auf Silikon zum Beispiel bekommen Zecken keine Haftung. Auch der Grad der Rauheit spielt eine Rolle. Den haben die Wissenschaftler nun bestimmt. Die Erkenntnisse können helfen, Abwehrmittel gegen Zecken zu entwickeln. Auch ist die Zecke nicht gegen jede Erschütterung geschützt: Wegschnipsen und Wegwischen zum Beispiel: Da hat die Zecke nur eine Chance, wenn sie sich festgesaugt hat.

Zecke in einer Elektronenmikroskop-Aufnahme
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Zuletzt aktualisiert: 23. Juni 2017, 12:10 Uhr