Eine Frau am Schreibtisch.
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Arbeitszeit 40-Stunden-Woche ist ungesund

Zu viel Arbeit macht einen krank: Was viele intuitiv spüren haben australische Forscher nun nachgewiesen: Mehr als 39 Stunden Arbeit pro Woche gefährden die Gesundheit, führen zu Depressionen oder sogar zum Herzinfarkt.

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Wie oft haben Sie sich selbst schon gesagt: "Ich arbeite zu viel“? Oder auch: "Die Arbeit macht mich noch krank“? Jetzt haben australische Wissenschaftler eine Studie zu Arbeitszeit und Gesundheit vorgelegt. Und sie nennen erstmals eine ganz konkrete Zahl: Wer länger als 39 Stunden pro Woche arbeitet, gefährdet seine Gesundheit.

Die Japaner haben schon lange ein Wort für "Tod durch Arbeit": Karoshi. Das ist so etwas wie der Extremfall, erklärt Andreas Seidler, Direktor des Instituts für Arbeits- und Sozialmedizin der TU Dresden: "Bekannt ist das Karoshi-Syndrom bei Managern, die 80 oder 100 Stunden im Büro sitzen und dann einen plötzlichen Herztod erleiden."

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Australische Wissenschaftler haben eine Studie zu Arbeitszeit und Gesundheit vorgelegt: Wer länger als 39 Stunden pro Woche arbeitet, gefährdet sich.

MDR AKTUELL Do 16.02.2017 17:20Uhr 02:47 min

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Allgemein ist der Zusammenhang in der Wissenschaft unstrittig. Zu viel Arbeit macht krank. Vielfach untersucht und belegt in unzähligen Studien. Neu ist dagegen, dass die australischen Forscher erstmals versuchen, eine klare Grenze zu ziehen: Bis hierhin und nicht weiter. "Tatsächlich stellen die australischen Forscher und Forscherinnen fest, dass es schon bei 40 Stunden oder mehr zu psychischen Beeinträchtigungen kommen kann", erklärt Seidler. Gemeint sind damit gesteigerte Nervosität oder Depressionen. Andere Studien konnten sogar nachweisen, dass schon ab einer Arbeitszeit von mehr als 45 Wochen-Stunden auch das Risiko für physische Folgen steigt, etwa für Schlaganfälle oder Herzerkrankungen.

Für Johannes Wendsche von der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin ist die Studie der Australier somit ein guter Beleg für die Regeln in Deutschland.

Joachim Wendsche
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Das ist eigentlich auch das, was wir im Arbeitszeitgesetz festgeschrieben haben in Deutschland. Und das ist auch das, was man, wenn man sich die Studienlage anguckt, immer wieder findet. Bis 40 ist immer alles so im Level. Und dann geht’s mit der Gesundheit, danach können eben auch negative Effekte auftreten.

Johannes Wendsche, Bundesanstalt für Arbeitsschutz

Ganz konkret empfehlen die Australier Männern höchstens 43,4 Stunden pro Woche zu arbeiten, bei Frauen sind es maximal 38. Der Unterschied, erklären die Wissenschaftler, entsteht durch die höhere Belastung von Frauen – zum Beispiel durch Kindererziehung und Hausarbeit. Dennoch: Die Realität am Arbeitsplatz sieht oft anders aus, als die Australier empfehlen. Viele Deutsche arbeiten länger als sie laut Arbeitsvertrag müssten. An die Adresse der Chefs formuliert Arbeitspsychologe Johannes Wendsche deshalb: Mitarbeiter, die zu lange arbeiten, haben mehr Unfälle und arbeiten schlechter.

Das ist natürlich auch für den Arbeitgeber wichtig, der ja verpflichtet ist, seine Arbeitnehmer zu schützen. Er ist ja auch an der guten Leistung seiner Arbeitnehmer interessiert und sollte daher davor warnen, Arbeitszeiten zu lange ausarten zu lassen.

Johannes Wendsche, Bundesanstalt für Arbeitsschutz

Natürlich hängt die maximale Arbeitszeit, die nicht gesundheitsschädlich ist, auch vom Arbeitsplatz ab. Wer zum Beispiel viel selbst entscheiden darf, kann länger arbeiten, ohne krank zu werden. Und: Arbeitszeit ist oft nicht mal das einzige Problem. Eher die vielen anderen Belastungen, die Arbeitnehmer häufig aushalten müssen, sagt Wendsche. "Zum Beispiel hoher Termin- und Leistungsdruck, das Gefühl, durch die Arbeitsmenge überfordert zu sein, aber auch das Fehlen von Arbeitspausen."

Sein wichtigster Rat: Jede Stunde mindestens fünf Minuten Pause machen. Wer das beherzigt, schafft mehr – und das auch noch in kürzerer Zeit.

Rastlos
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Über dieses Thema berichtet MDR-Aktuell im Radio | 16.02.2017 | 17.20 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 17. Februar 2017, 14:21 Uhr