Der Mediziner Alexander Flemming sittzt in einem Weißen Kittel an einem Arbeitsplatz, auf dem diverse Flässchchen, Ampullen und Gerätschaften stehen.
Sir Alexander Flemming in seinem Labor. Bildrechte: IMAGO

Wissenschaftsgeschichte Wie medizinische Zufälle die Menschheit retteten

Das erste Antibiotikum, die Wirksamkeit von Impfungen oder ein beliebtes Mittel gegen Falten: Viele berühmte Arzneien haben Forscher eher zufällig entdeckt. Für uns sind diese Funde segensreich.

Der Mediziner Alexander Flemming sittzt in einem Weißen Kittel an einem Arbeitsplatz, auf dem diverse Flässchchen, Ampullen und Gerätschaften stehen.
Sir Alexander Flemming in seinem Labor. Bildrechte: IMAGO

Penicillin: Wie der Urlaub zur Entdeckung des Antibiotikums führte

Der britische Mediziner Alexander Fleming wusste wohl genau, wie hilfreich Zufälle sind. Sein Labor hielt er jedenfalls immer schön chaotisch. Auf diese Weise gelang ihm die Entdeckung des Penicillins, eines der wichtigsten Medikamente des 20. Jahrhunderts.

Im Sommer 1928 machte Flemming Urlaub, ließ seinen Arbeitsplatz aber unaufgeräumt zurück. Das Fenster stand offen. Nach erholsamen Wochen kam er in sein Labor zurück und bemerkte einen Pilz, der sich auf einer Petrischale mit Staphylokokken ausgebreitet hatte. Bei der Untersuchung stellte er fest, der Schimmel hatte die Bakterien in der Schale offenbar abgetötet.

Viele Jahre wurde der Flemmings Fund von den Kollegen nicht beachtet. Erst 1939 erkennen Howard Florey und Ernst Chain, wie wirksam Penicillin Wundinfektionen eindämmt. 1945 erhalten Fleming, Florey und Chain für Ihre Arbeit den Nobelpreis für Medizin.

Impfung: Wie Melkerinnen bei der Ausrottung der Pocken halfen

Edward Jenner, Radierung
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Auch Impfungen wurden durch ein Zufallsexperiment entdeckt, wieder von einem britischen Arzt. Edward Jenner fiel im 18 Jahrhundert auf, dass Melkerinnen zwar häufig an den sogenannten Kuhpocken erkrankten, nicht aber an den sehr viel gefährlicheren Menschenpocken. Ein Zufall? Jenner begann mit seinen Experimenten 1796 am Sohn seines Gärtners. Er infiziert ihn mit den Kuhpocken, indem er die Haut des Jungen aufschnitt und mit dem Sekret einer Erkrankten bestrich. Dann wartete er, bis der Schnitt abgeheilt war. Nach der Genesung des Jungen wiederholte Jenner die Prozedur, diesmal aber mit Menschenpocken. Der Sohn des Gärtners allerdings überstand diese zweite Infektion völlig unbeschadet.

Zwei Jahre später testete Jenner die Impfung an seinem eigenen Sohn, der sich danach ebenfalls erfolgreich gegen die Pocken wehren konnte. Die Royal Society nahm die Studien des Arztes zunächst nicht ernst, lehnte eine Veröffentlichung ab. Jenner aber weitete seine Methode auf weitere Kinder und Erwachsene aus und schließlich ging seine Entdeckung um die Welt. Napoleon Bonaparte ließ schließlich seine ganze Armee impfen, auch andere Staaten folgten. 1966 beschloss die Weltgesundheitsorganisation WHO, die Pocken auszurotten. Die Pockenimpfung ist heute Pflicht in Europa, auch in Indien und Afrika sind die Menschen geimpft. Seit 1979 gelten die Pocken als ausgerottet.

Botox: Von der vergifteten Wurst zum Milliarden-Dollar-Mittel

Justinus Kerner
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Amtsarzt Justinus Christian Kerner untersuchte 1817 schlecht gewordene Wurst, als sich nach dem Verzehr Vergiftungserscheinungen einstellten. Weil Wurst auf Latein "botulinum" bedeutet, bekam das für die Vergiftung verantwortliche Bakterium den Namen "Clostridium Botulinum". Erst über hundert Jahre später entdeckte der amerikanische Mediziner Alan Scott, dass sich mit Botox Schielen therapieren lässt.

Scott spritzte winzige Mengen des Botox‘ in bestimmte Augenmuskeln, welche sich daraufhin entspannten. Die Patienten schielten weniger. Botox löste Krämpfe in Augenlidern und Gesichtsmuskeln, auch bei spastischen Erkrankungen erwies sich das Gift als nützlich. 1991 trat Alan die Rechte für Botox für 4,5 Millionen Dollar an das Unternehmen Allergan ab. Heute verdient der Konzern Milliarden Dollar damit.

Über dieses Thema berichtet MDR Fernsehen: LexiTV | 28.09.2017 | 15:00 Uhr

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Zuletzt aktualisiert: 28. September 2017, 15:41 Uhr