Die Katastrophenzüge der Deutschen Reichsbahn DDR-Vergangenheit auf ungarischen Schienen

Zug der Deutschen Reichsbahn in Ungarn
Seit 23 Jahren stehen auf diesem Budapester Abstellgleis neun Waggons aus dem ehemaligen Katastrophenzug-Bestand der Deutschen Reichsbahn – vom Malteser-Hilfsdienst zu einer Obdachlosenunterkunft umgebaut. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
Zug der Deutschen Reichsbahn in Ungarn
Seit 23 Jahren stehen auf diesem Budapester Abstellgleis neun Waggons aus dem ehemaligen Katastrophenzug-Bestand der Deutschen Reichsbahn – vom Malteser-Hilfsdienst zu einer Obdachlosenunterkunft umgebaut. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
Ein Mann in einem Zug
In Deutschland sind solche Wagen kaum mehr zu finden, in Ungarn wird in ihnen humanitäre Hilfe geleistet: Jeden Abend um 17 Uhr öffnet der Zug seine Türen. Bis zu 110 Obdachlose können in den Bettenwagen übernachten. Morgens um 8 Uhr müssen sie den Zug wieder verlassen. Bildrechte: Magyar Máltai Szeretetszolgálat (Ungarischer Malteser-Hilfsdienst)
Katastrophenzug der Deutschen Reichsbahn in Ungarn von innen
Der Bettenwagen eines Katastrophenzuges in seiner ursprünglichen Form - hier das neuere Modell, Baujahr 1986. Die Katastrophenzüge der Deutschen Reichsbahn – kurz K-Züge – waren streng geheim, denn sie hatten einen rein militärischen Hintergrund. Genau genommen waren es Lazarettzüge - für die Sowjetarmee und NVA. Bildrechte: Burkhardt Köhler
Katastrophenzug der Deutschen Reichsbahn in Ungarn
Die ersten Katastrophenzüge wurden 1952 für die Sowjetarmee in Dienst gestellt. Die Deutsche Reichsbahn griff dafür auch auf Lazarettzüge aus dem Zweiten Weltkrieg zurück - z.B. auf diesen Bettenwagen, Baujahr 1936. Er steht heute in Löbau, wo die Ostsächsischen Eisenbahnfreunde (Osef) ihn inzwischen als Museumsfahrzeug hergerichtet haben. Bildrechte: Burkhardt Köhler
OP-Wagen der Deutschen Reichsbahn in Ungarn
Neben zwei Bettenwagen verfügte jede Katastrophenzug-Garnitur u.a. auch über einen OP-Wagen mit eigener Sauerstoffversorgung, Apparaturen zur Sterilisierung und einem Narkosegerät – quasi ein Krankenhaus auf Schienen. Insgesamt gab es vierzehn K-Züge. Hier im Bild: der OP-Wagen des K14, heute anzuschauen im "Historischen Lokschuppen Wittenberge". Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
Maschinenwagen Innenansicht
Technisches Herzstück eines Katastrophenzuges war der Maschinenwagen, ein kleines Kraftwerk, das für die autarke Stromversorgung des gesamten Zuges sorgte – ein Novum gegenüber den Lazarettzügen des Ersten und Zweiten Weltkrieges. Bildrechte: György Czéh
Küchenwagen der Deutschen Reichsbahn in Ungarn
Weiterhin gehörte ein Küchenwagen zur Standardgarnitur des Katastrophenzuges – eine Großkantine auf 18 Metern Wagenlänge. Mit 42 Tonnen war er der schwerste Wagen des K-Zuges - aufgrund der Wassertanks. In ihnen konnten 6.000 Liter Wasser mitgeführt werden. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
Katastrophenzug der Deutschen Reichsbahn in Ungarn
Vorgehalten wurden die vierzehn Katastrophenzüge für den Kriegsfall. Tatsächlich genutzt wurden sie zur medizinischen Absicherung großer Manöver der Armeen der Warschauer Vertragsstaaten auf dem Gebiet der DDR. Auch dienten sie der Sowjetarmee regelmäßig zum Rücktransport verletzter und erkrankter Soldaten in die UdSSR. Bildrechte: Burkhardt Köhler
Kommandantenwagen
Alle sechs bis acht Wochen fuhr ein Zug (unter der Zugnummer 1072) von Beelitz-Heilstätten über Teupitz nach Brest an der Westgrenze der UdSSR. Die Deutsche Reichsbahn stellte dafür das bahntechnische Personal, die Sowjetarmee das Medizin- und Küchen-Personal sowie das militärische Bewacher-Kommando einschließlich eines Zug-Kommandanten. Für das Personal wurden Begleiterwagen mitgeführt. Hier im Bild: ein Kommandantenwagen, der heute der ungarischen Bahn gehört. Bildrechte: György Czéh
Zug auf Abstellgleis
Die K-Züge waren bis zum Abzug der Sowjettruppen in Betrieb. 1993 erfolgte die letzte Fahrt nach Brest, 1994 wurden die Züge endgültig abgestellt. Bereits 1991/92 - nach Ausbruch der Jugoslawienkriege - übereignete die BRD-Regierung Ungarn drei medizinisch voll ausgerüstete K-Züge zur Versorgung der Balkanflüchtlinge im ungarisch-jugoslawischen Grenzgebiet. 1994 wurden zwei weitere Garnituren inklusive einiger Sonderwagen nach Ungarn überführt. Bildrechte: György Czéh
Schrott hinter einem Zaun
Ungarn verfügt damit über einen beträchtlichen Bestand der ehemaligen Katastrophenzüge der DR: fünf Maschinenwagen, fünf OP-Wagen, fünf Küchenwagen, zwei Begleiterwagen und elf Bettenwagen. Nicht alle sind inzwischen noch so gut erhalten wie die Wagen des Malteser-Hilfsdienstes in Budapest.

(Über dieses Thema berichtet der MDR auch im TV:
MDR aktuell | 12.05.2017 | 17:45 Uhr;
MDR ZEITREISE | 16.05.2017 | 21:15 Uhr.)
Bildrechte: György Czéh
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