01.01.1949 00:03 Tauschen in der Mangelwirtschaft

Sendung vom 16.08.2011

Wer wäre wohl besser für die kleinen und großen Tauschgeschäfte geeignet gewesen, als der studierte Ökonom Mathias Pfeifer aus Leipzig? Vom Bezugsschein bis zur Gartenlaube tauschte und verschob er nahezu alles zwischen Kap Arkona und dem Fichtelberg.

Als Sohn eines selbständigen Kohlehändlers sollte es Mathias Pfeifer immer etwas schwerer haben als seine Altersgenossen. Sei es in der Schule, während der Zeit bei der Armee oder wenn es um Studienplätze ging. Schnell wurde dem jungen Mathias klar, dass er noch hinter den so genannten "Arbeiterkindern" und denen der "Intelligenzler" stehen würde.

Als Kapitalistenkind aufzuwachsen war nicht erfreulich, aber in einer geborgenen Familie, die das dann wieder ausgleicht, war das eigentlich ganz annehmbar.

Mathias Pfeifer

Schon früh begann er also Freundschaften und Kontakte zu knüpfen - wohl etwas, was man heute unter dem Begriff des "Networking" versteht. Beziehungen schaden ja bekanntlich nur dem, der keine hat.

Das ging also recht gut aufgrund vieler, vieler Kontakte, die man ja in der Kindheit aufgebaut hat, die man während des Studiums aufgebaut hat und dann noch drei Jahre während der Armee.

Mathias Pfeifer

So begann er, das für Außenstehende oft nicht zu durchblickende Wirtschaftssystem für sich zu nutzen. Neben den vielen Kontakten verhalf ihm vor allem sein eigener Trabbi dabei, die unterschiedlichsten Dinge durch die ganze Republik zu transportieren.

Es gab eigentlich alles. Nur nicht zur richtigen Zeit. Und nicht am richtigen Ort. Wenn es hier mal Tapete gab, dann hat sie oben an der Küste gefehlt. Wenn hier mal Dachpappe reichlich da war, dann hat sie im Erzgebirge gefehlt. Und das musste man ausgleichen.

Mathias Pfeifer

Auf diesem Weg gelangte er auch an einen der begehrten Ferienplätze in Oberwiesenthal, dem St. Moritz des Ostens. Mehrere Touren mit einem Trabant voller Dachpappe verschafften ihm und den Dachdeckern, die das Material abzweigten, einen Urlaub im Erzgebirge.

Selbst bis an die Ostseeküste reichten Pfeifers Kontakte, natürlich nur gegen "harte" Tauschware. Eine der Königsdisziplinen war wohl das Besorgen von Autoersatzteilen, vor allem für ausländische Modelle. Eine der leichteren Übungen für Mathias Pfeifer, dessen Onkel Meister in einer Škoda-Vertragswerkstatt war. So ertauschte sich der findige Leipziger einen Platz am Ostseestrand.

Eine der härteren Nüsse, die der ungekrönte Tauschkönig zu knacken hatte, war die Beschaffung eines Gartengrundstücks am Rande von Leipzig.

In Leipzig war ein Garten eine absolute Rarität. Ich rede von keinem Eigenheim und ich wollte nicht in so einen Gartenverein. Ich wollte so ein bisschen Außenlage, Randlage und da musste der Bürgermeister zustimmen.

Mathias Pfeifer

Über eine alte Schulfreundin besorgt der zweifache Familienvater einen der heiß begehrten Multiboy-Küchenmaschinen, mit denen er sich dann bis in die Leipziger Stadtverwaltung hinein tauschte. Das Gartenglück war perfekt. Die benötigte Holzkohle, so räumt Mathias Pfeiffer heute ein, konnte man damals nicht mal mit so genannten "blauen Kacheln", also Westgeld besorgen. Und so zog er wieder los bis zu den Köhlern im Wald, um Kohle für den Grill und natürlich wieder für neue Tauschgeschäfte zu besorgen. Ein ständiger Kreislauf. Auf die Frage, ob er bei den vielen Tauschgeschäften ein schlechtes Gewissen habe, antwortet er:

Generell nicht, denn ich wollte mit den Sachen nicht reich werden. Ich wollte mir ein Bedürfnis erfüllen und dem anderen auch und wo es ging, hab ich jedem geholfen.

Mathias Pfeifer

Zuletzt aktualisiert: 18. Januar 2017, 10:00 Uhr