30.03.1988: "Die Übergangsgesellschaft" wird uraufgeführt Volker Braun

(geb.1939)

Volker Braun, geboren 1939 in Dresden, gehört einer Generation an, welche die Not der Nachkriegsjahre am eigenen Leib erfahren musste, aber unbelastet von Problemen der Schuld und des Sich-Wandeln-Müssens eine idealistische Jugendentscheidung für die kommunistische Idee treffen konnte.

Aus dem Bürgertum stammend arbeitet er vor seinem Studium der Philosophie in Leipzig drei Jahre lang als Druckereiarbeiter, Maschinist und Tiefbauarbeiter im Kombinat "Schwarze Pumpe". 1960 tritt er der SED bei. Unter dem Einfluss der damaligen Aufbruchstimmung der jungen sozialistischen Republik stehen seine Werke der 60er Jahre.

1965 kommt er auf Einladung von Helene Weigel zum Berliner Ensemble. Hier bleibt er bis 1967. Unter dem Eindruck der Zerschlagung des Prager Frühlings tritt auch für ihn eine Veränderung in der Betrachtungsweise seines Landes ein. Er beginnt seine Recherche zu dem Drama "Lenins Tod", welches erst 1988 in der DDR aufgeführt werden konnte: "Ich studierte die Geschichte der Oktoberrevolution und watete durch das Blut der dreißiger Jahre. Ich sah mich gegen eine Wand von Bajonetten wandern. Ich spürte die Tinte der Lügen brennen auf meiner Haut."

Statt jedoch zu resignieren, richtet er seine Kraft nach vorn, versucht, die Zustände zu reformieren. Er kritisiert die Trägheit der DDR, ihren Stillstand, bleibt der kommunistischen Idee aber immer noch verbunden. So werden seine Stücke in den Siebzigern immer kritischer, bleiben allerdings im Rahmen des durch die Funktionäre Tolerierten. Toleranz allerdings nur unter Kontrolle: Zusammen mit Wolf Biermann, Stefan Heym und anderen wird Volker Braun ab 1975 von einer Sondertruppe des Ministerium für Staatssicherheit überwacht.

Als einer der Mitunterzeichner der Petition, in der gegen die Zwangsausbürgerung Biermanns 1976 durch die Behörden der DDR protestiert wird, gerät er um so stärker in das Blickfeld des MfS. Immer wieder wird versucht, ihn durch Beeinflussung in seinem persönlichen Bereich enger an die offizielle Linie zu binden.

Seine Werke werden zwar verlegt, wenn auch mit erheblicher zeitlicher Verzögerung, seine Stücke gelangen nur über Umwege auf die Bühnen. Nach einem Zwischenspiel am Deutschen Theater kehrt er 1979 bis zur Wende wieder ans Berliner Ensemble zurück. In dieser Zeit erfolgt schließlich der Bruch des Schriftstellers mit der DDR. In seinem 1982 entstandenen, 1988 in der DDR uraufgeführten Stück "Übergangsgesellschaft" herrscht Endzeitstimmung. Ort ist die DDR, die Akteure leben ohne Perspektive, ihr Handeln ist von Resignation gezeichnet.

Während der Wendezeit verfolgt Braun zusammen mit anderen Intellektuellen, wie auch Christa Wolf, den Traum von einem "Dritten Weg" zwischen Sozialismus und Kapitalismus. Er sieht die Chance gekommen, einen besseren Sozialismus aufzubauen, der aus den Fehlern der DDR lernen würde. 1989 unterschreibt er den Aufruf "Für unser Land", in welchem nach Öffnung der Grenzen eine Reform der DDR anstelle eines Anschlusses an die Bundesrepublik gefordert wird.

Mehrfach ausgezeichnet lebt Volker Braun heute in Berlin. Seine aktuellen Werke befassen sich mit dem Untergang der DDR und sind von Melancholie gekennzeichnet.

Zuletzt aktualisiert: 28. September 2010, 10:14 Uhr