01.03.1962: Vorsitzender des Staatlichen Rundfunkkomitees der DDR Gerhart Eisler

(1887-1968)

Gerhart Eisler kam am 20. Februar 1887 in Leipzig zur Welt. Sein Vater war hier Philosophieprofessor. Als dieser einen Lehrstuhl in Wien erhielt, siedelte die Familie nach Österreich über, wo der junge Gerhart das Gymnasium und bis 1914 die Universität besuchte. Danach nahm er in der K.u.K. Armee am 1. Weltkrieg teil.

Aus dem Krieg zurückgekehrt, trat er der Kommunistischen Partei Österreichs bei und arbeitete als Journalist und Sekretär für das Organ der ungarischen Emigranten, die Zeitschrift "Kommunismus".

Zum Jahreswechsel 1920/21 zog Eisler nach Berlin, wurde Mitglied der KPD und arbeitete als Sekretär für die Zeitschrift "Die Internationale" und ein Jahr später in der Redaktion der "Roten Fahne". Zu dieser Zeit war auch seine Schwester Ruth Fischer in Berlin, die damals schon eine führende Rolle in der KPD spielte.

Gerhart Eisler arbeitete für verschiedene sowjetische Nachrichtendienste und war zwischen 1923 und 1928 Oberbezirksleiter der KPD für Mitteldeutschland. Seine maßgebliche Beteiligung an der vorübergehenden Absetzung Thälmanns als Parteivorsitzender führte 1928 zu seinem Ausschluss aus der Partei.

Eisler ging nach Moskau. Hier besuchte er die Lenin-Schule, die Funktionäre für die Komintern ausbildete und arbeitete anschließend als Spitzenfunktionär der Komintern im angloamerikanischen Sekretariat in Moskau. Von dort aus wurde er 1933 als Vertreter der Organisation in die USA geschickt. Ab 1935 arbeitete er für die KPD in Prag und Paris. In Spanien übernahm er die Leitung eines illegalen Senders namens „29,8“.

Zu Beginn des 2. Weltkrieges befand sich Eisler in Frankreich wo man ihn bereits im August 1939 in Paris verhaftete. Drei Jahre befand er sich in den französischen Internierungslagern Le Vernet und Le Miles bei Marseille, bis er im Mai 1941 ein Ausreisevisum nach Mexiko erhielt, wohin er über die USA reisen wollte. In New York kam er erneut in Haft und wurde auf Ellis Island interniert.

Nach seiner Entlassung blieb Eisler im Exil in den USA. Hier arbeitete er für die Parteipresse der KPD und gab zusammen mit Kurt Rosenfeld die Zeitschrift "German-American" heraus, deren Chefredakteur er bis 1946 war. Wegen angeblicher Spionagearbeit für die UdSSR saß er in dieser Zeit vier Jahre in amerikanischen Gefängnissen.

Inzwischen war in Deutschland der Krieg zu Ende und Eisler erhielt in Abwesenheit eine Professur an der Universität Leipzig für "soziale und politische Fragen der Gegenwart". Im Mai 1949 gelang ihm die Flucht vor einer erneuten Verhaftung. Als blinder Passagier kehrte er auf einem polnischen Dampfer über London nach Berlin zurück.

Dort angekommen, stieg er schnell in den engeren Führungskreis der SED auf und erhielt den Vorsitz der Kommission für Massenagitation. Bereits im September 1949 erfolgte seine Ernennung zum Leiter der neugebildeten Hauptverwaltung für Information, wodurch er nach der DDR-Regierungsbildung im Oktober 1949 einen Ministerrang erhielt.

In den folgenden Jahren lenkte er Presse und Rundfunk im Sinne einer Propaganda gegen die immer enger werdende Bindung der Bundesrepublik an die Westmächte. Als es im Sommer 1952 zu offener Kritik an seiner Amtsführung in der Volkskammer kam, wurde das Informationsamt zum 1. Januar 1953 aufgelöst. Im Sommer erhielt er Funktionsverbot, nachdem er vor und während des Juniaufstandes 1953 mit den Gegnern Ulbrichts sympathisiert hatte. Wegen des Verdachts der Agententätigkeit strengte man gegen ihn eine Parteiuntersuchung an.

Eisler arbeitete nun als freischaffender Journalist. Erst 1954 erhielt er mit der Leitung des Amtes für Demoskopie im Kulturministerium eine neue Aufgabe; das Untersuchungsverfahren gegen ihn stellten die Behörden jedoch erst im November 1955 ein.

Kaum ein Jahr später erfolgte seine Ernennung zum stellvertretenden Vorsitzenden des Staatlichen Rundfunkkomitees der DDR. Im März 1962 trat Eisler die Nachfolge Hermann Leys als Vorsitzender an.

Bis zu seinem Tod vertrat er kompromisslos die Linie Ulbrichts und Moskaus. Mehrfach richtete er Drohungen gegen Westberlin und in seiner Sendung "Sonntagsgespräch" im DDR-Fernsehen griff er zusammen mit seinen Gesprächspartnern - mehrfach war auch Ulbricht dabei - heftig die Bundesrepublik und die Kapitalisten an.

Ab 1967 war Gerhart Eisler Mitglied des Zentralkomitees der SED. Als er sich 1969 auf einer Dienstreise mit einer Delegation des staatlichen Rundfunkkomitees befand, starb Gerhart Eisler am 21. März im armenischen Jerewan. Trotz seines Engagements für den Kommunismus wurde er nie so populär wie seine Schwester und sein Bruder, der Komponist Hanns Eisler.

Zuletzt aktualisiert: 21. August 2007, 16:23 Uhr