Der Schauspieler Andreas Schmidt-Schaller im Film "Zwei Schwestern" von 1987.
Bildrechte: Deutsches Rundfunkarchiv/Herbert Kroiß

1973 Premiere im Polizeiruf 110 Andreas Schmidt-Schaller: Der Schimanski des Ostens

Andreas Schmidt-Schaller im Porträt

Was Götz George dem Tatort, das war Andreas Schmidt-Schaller für den Polizeiruf 110: der verwegene Ermittler mit reichlich untypischen Manieren und ganz vielen Fans bei den Zuschauern. Auch nach dem Mauerfall blieb der Wahlberliner dem Krimi treu und feierte inzwischen zehnjähriges Jubiläum als Kommissar der "Soko Leipzig".

Der Schauspieler Andreas Schmidt-Schaller im Film "Zwei Schwestern" von 1987.
Bildrechte: Deutsches Rundfunkarchiv/Herbert Kroiß

1945 wird Andreas Schmidt-Schaller im thüringischen Arnstadt geboren. Der Vater stirbt früh, die Mutter arbeitet viel. Deshalb wächst Schmidt-Schaller zunächst bei seiner Oma in Weimar auf, sie wird seine engste Bezugsperson. In den 1920er Jahren hatte der Großvater sie mit drei Kindern zurückgelassen und war nach Schweden übergesiedelt. Der Kontakt bleibt trotzdem bestehen und ausgerechnet zur Zeit des Mauerbaus 1961 besucht der 15-jährige Schmidt-Schaller seinen Opa in der Nähe von Stockholm.

Der Schauspieler erinnert sich genau: "Plötzlich kommt der frühmorgens rein und sagt: 'Du, da in Berlin wird gerade was gemacht. Ich glaube, du kannst nicht noch mal hierherkommen.' Ich sage: 'Das ist doch Quatsch, wenn jetzt, dann kann ich auch später.' 'Nee, das sieht so aus, als würde da richtig was getrennt. Und deswegen bleibst du einfach hier, gehst hier weiter in die Schule und studierst hier, so.' Aber das konnte ich gar nicht machen, das hätte ich meiner Mutter oder Großmutter nicht antun können."

Polizist in Lederjacke

Eigentlich will der junge Schmidt-Schaller Arzt werden, aber lateinische Vokabeln zu pauken, ist nicht sein Ding. Nach einer selbst inszenierten Brecht-Aufführung an seiner Schule zieht es ihn auf die Bühne. Von 1965 bis 1969 studiert Schmidt-Schaller in Leipzig Schauspiel und spielt an den Theatern in Karl-Marx-Stadt und Magdeburg unter der Regie von Peter Sodann. Schon früh wird auch das Fernsehen auf den jungen Mann aufmerksam. 1973 hat er seinen ersten Auftritt in der Krimireihe Polizeiruf 110 – als Tatverdächtiger. 1986 kommt schließlich das Angebot: Schmidt-Schaller soll als junger Leutnant Grawe neben Hauptmann Fuchs (Peter Borgelt) und Oberleutnant Hübner (Jürgen Frohriep) ins feste Polizeiruf-Team einsteigen. Er überlegt lange und sagt schließlich zu. In den kommenden Jahren erarbeitet er seiner Figur ein zuvor kaum zugestandenes Eigenleben.

Grawe trug am Anfang noch einen Schlips, erinnert sich Schmidt-Schaller: Dann blieb der Schlips weg, dann wurden die Haare länger, dann zog er Jeans an und Lederjacke ..." Bis es irgendwann mal hieß: "Das
geht so nicht." Doch Schmidt-Schaller war darauf vorbereitet: "Daraufhin haben Peter Borgelt und ich uns eine kleine Szene dazu einfallen lassen, wo er als Kommissar sich sowieso über mich beschweren musste, da fügte er nur noch hinzu: 'Laufend kriege ich mit deiner Anzugsordnung zu tun, richte dich mal ein bisschen danach.' Der hat mir sozusagen stellvertretend einen Anschiss gegeben und die Verantwortlichen für die Anzugsordnung haben sich gefreut. Alle anderen haben sich gefreut, dass der Grawe sagt: 'Ja, okay.' Und dann kommt er doch wieder mit seinen Klamotten."

Der Mauerfall

1979 darf Schmidt-Schaller noch einmal seinen – inzwischen schwer kranken – Großvater in Schweden besuchen. Doch auch in jener Zeit, in der viele Schauspielerkollegen die DDR verlassen, kehrt Schmidt-Schaller zurück, lebt ab 1981 in Ostberlin. Er spielt auf Theaterbühnen, in Filmen und immer wieder im Polizeiruf 110. Als 1989 die Mauer fällt, sitzt er gerade mit Freunden in der Kneipe. Eilig holt er seine Frau, gemeinsam besuchen sie noch in der Nacht Westberlin.

1990 erreicht die Wiedervereinigung auch die beliebtesten Krimiserien aus Ost und West. In "Unter Brüdern" begegnen sich der echte Schimanski, Götz George, und sein ostdeutsches Pendant, Andreas Schmidt-Schaller alias Thomas Grawe, in Duisburg. Man versteht sich auf Anhieb. Schmidt-Schaller einnert sich:

Ja, natürlich war es eine besondere Situation, denn wir waren alle miteinander ziemlich aufgeregt. Doch das Eis war ganz schnell gebrochen. Schon beim ersten Kennenlernen – beim Film spricht man halt die gleiche Sprache, da gibt es keinen großen Unterschied.

Andreas Schmidt-Schaller

Der Polizeiruf wird mit der Abwicklung des DDR-Fernsehens zunächst abgesetzt. Erst 1994 kehrt Andreas Schmidt-Schaller als Grawe zurück, bevor er 1995 den Dienst quittiert. Doch so ganz kann er das Ermitteln nicht lassen: Seit 2001 spielt Schmidt-Schaller den Hauptkommissar Hajo Trautzschke im Team der ZDF-Krimiserie "Soko Leipzig". Und 2004 ließ er sich sogar noch einmal im Polizeiruf blicken - als Privatdetektiv. Im Oktober feierte Andreas Schmidt-Schaller seinen 65. Geburtstag. Ans Aufhören denkt er noch lange nicht.

Buchtipp: Horst Wörner: "Über Gott und die Welt" - Andreas Schmidt-Schaller im Gespräch
Gerhard-Hess-Verlag
ISBN 3-87336-338-0

Zuletzt aktualisiert: 23. März 2011, 16:25 Uhr