Hans-Georg Aschenbach
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Ausgeflogen Hans-Georg Aschenbach- der Skispringer

Seine sportlichen Erfolge feiert Hans-Georg Aschenbach in den 1970er-Jahren. Später betreut er als Mannschaftsarzt die DDR-Nationalmannschaft. Nach seiner Flucht in die BRD wirft er der DDR systematisches Doping vor.

Hans-Georg Aschenbach
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In den nächsten Tagen fliegen Deutschlands beste Skispringer nach Kanada. Am 12. Februar 2010 beginnen in Vancouver die XXI. Olympischen Winterspiele. Die großen Erfolge der deutschen Skispringer liegen allerdings schon eine Weile zurück. Nur zweimal gab es Olympiagold an der Normalschanze: 1984 flog Jens Weißflog aufs oberste Treppchen, 1976 der Thüringer Hans-Georg Aschenbach. Letzterer wurde neben seiner beispiellosen Sportlerkarriere und der handgestrickten Pudelmütze vor allem durch die Flucht in den Westen und seine Dopingvorwürfe gegen den DDR-Sport Ende der 1980er-Jahre bekannt.

1988 reist die DDR-Skisprung-Nationalmannschaft in den Schwarzwald, nach Hinterzarten. Mit dabei: Mannschaftsarzt und ehemaliges Skisprung-Ass Hans-Georg Aschenbach. Am Ende fährt die Nationalmannschaft ohne ihn zurück und das Ministerium für Staatssicherheit notiert, "dass der als Mannschaftsarzt eingesetzte Oberstleutnant Aschenbach fahnenflüchtig wurde".

Ein Ausnahmetalent an der Schanze

1951 wird Hans-Georg Aschenbach im thüringischen Brotterode geboren. Schon der große Bruder trainiert an der Skisprungschanze. Und als Hans-Georg die Triumphe des legendären Helmut Recknagel sieht, entflammt in ihm ein Ehrgeiz, der ihn Mitte der 1970er-Jahre an die Weltspitze katapultiert. Er gewinnt Deutsche Meisterschaften, Weltmeisterschaften und die Vierschanzentournee. 1976 holt Aschenbach in Innsbruck Olympiagold auf der Normalschanze und ist auf dem Höhepunkt seiner Karriere. Der 24-jährige Aschenbach hat alles erreicht. Nach den Olympischen Winterspielen im österreichischen Innsbruck zieht er sich als aktiver Sportler zurück.

Ist schon ein irres Gefühl. Man genießt das, wenn es ein perfekter Sprung ist. Gerade diese Sprünge zum Olympiasieg, die zelebriert man.

Hans-Georg Aschenbach

Vom Sportler zum Sportmediziner

Als Mitglied des Armeesportclubs verpflichtet sich Aschenbach bereits mit 16 Jahren als Soldat. Aschenbach lässt sich erst zum Sportlehrer und dann zum Militärarzt ausbilden. Den DDR-Skispringern bleibt er treu und übernimmt deren medizinische Betreuung in Oberhof. Hans-Georg Aschenbach ist priviligiert. Sowohl als Sportarzt als auch als Teil des medizinischen Mannschaftsstabs und langjähriges Mitglied der SED gehört er zu den Reisekadern der DDR. Bis er 1987 wegen "kleinbürgerlichen Schwächen" in Ungnade fällt.

Da war ich im Urlaub in Ungarn: Haare, Ohrring...Und als ich nach Hause kam: Gleich vorgeladen und einjährige Sperre.

Hans-Georg Aschenbach

Flucht in den Westen

Mit der Einschränkung seiner Reiseerlaubnis wird es Hans-Georg Aschenbach zu eng in der DDR. Als er im August 1988 wieder mit der DDR-Nationalmannschaft in die Bundesrepublik reisen darf, nutzt er die Gunst der Stunde. Ein Freund hilft ihm bei der Flucht aus dem Mannschaftshotel im Schwarzwald. Der Vorzeigesportler, Arzt der Nationalmannschaft, Genosse und einer der NVA-Ranghöchsten kehrt der DDR den Rücken. Aschenbach praktiziert nach seiner Flucht in einer Freiburger Klinik, die Familie muss in der DDR zurückbleiben. Bis Hans-Georg Aschenbach im Sommer 1989 erneut Schlagzeilen macht: Als Sportarzt hatte er tiefste Einblicke in die Dopingszene der DDR und berichtet als einer der Ersten öffentlich über den flächendeckenden Einsatz leistungssteigernder Mittel im DDR-Leistungssport, auch bei Kindern und Jugendlichen.

Kam dann sehr reißerisch rüber, am Anfang war ich erschrocken, aber ich denke schon, dass ich einige Leute geärgert habe und vielleicht kam ja auch dadurch die Ausreise zustande.

Hans-Georg Aschenbach

Wenige Monate vor dem Fall der Mauer darf Aschenbachs Familie in die Bundesrepublik ausreisen. Heute lebt Hans-Georg Aschenbach in seiner Wahlheimat Freiburg als niedergelassener Arzt und in zweiter Ehe.

Zuletzt aktualisiert: 12. April 2010, 12:31 Uhr