1980er Hauswalds Bilder erscheinen im Westen Der Fotograf Harald Hauswald

Restriktive Maßnahmen der Staatssicherheit sollen in den 1980er-Jahren den Fotografen Harald Hauswald einschüchtern. Doch er arbeitet weiter und lässt seine Bilder in der BRD veröffentlichen. Die Bekanntheit im Westen und der Schutz der Kirche bewahren ihn vor härteren Maßnahmen seitens der Staatssicherheit. Noch heute polarisieren seine Fotos von damals.

FDJler zwischen Pflichtbewusstsein und Langeweile, Menschen wie du und ich zwischen Alltagsglück und wütendem Aufbegehren: Die Fotos von Harald Hauswald geben tiefe Einblicke in die DDR-Realität der 1980er-Jahre - und zwar tiefer als es dem Ministerium für Staatssicherheit recht war. Mit Dauerbeschattung, republikweitem Druckverbot und drohenden Haftbefehlen sollte der unbequeme Fotograf aus Radebeul eingeschüchtert werden. Doch Harald Hauswald fotografierte weiter. Auf der anderen Seite der Mauer wurden seine Bilder im "Tagesspiegel", in der "taz", in der "Geo" und im "Stern" veröffentlicht.

Die ganze Geschichte

Der Fotograf hat niemals inszeniert und niemals arrangiert. Doch genau das wirft ihm die Staatssicherheit vor, die ihn permanent beschattet. Glaubt man den umfangreichen Berichten, so soll Hauswald mit seiner Kamera absichtlich nach düsteren Motiven gesucht und in der Dunkelkammer wohl noch nachgeholfen haben, um ein tristes Bild von Berlin zu zeichnen.

Völliger Blödsinn... Ich habe gern in Berlin gelebt, Berlin hat mir Spaß gemacht.

Harald Hauswald

Die Akte Harald Hauswald umfasst mehrere tausend Seiten. Die Staatssicherheit notiert und fotografiert, wo, was oder wen Hauswald fotografiert haben könnte.

Am 1. Mai und am 7. Oktober hatte ich immer Bewachung. Mit drei bis vier Leuten sind die immer hinterhergerannt, da war die Reibung schon spürbar. Ich hatte es ja nicht vor, das war so ein Prozess, in den ich mich begeben habe – der hatte einen Selbstlauf, und der hätte auch anders enden können. Dann hätte ich auch einen Ausreiseantrag gestellt.

Harald Hauswald

Dabei ist Harald Hauswald kein geborener Widerständler. 1954 im sächsischen Radebeul geboren, bricht er die Fotografenlehre beim Vater ab und zieht mit 24 Jahren wegen einer Freundin nach Berlin. Zunächst schlägt er sich als Telegrammbote, Heizer und Restaurator durch und gelangt in die Künstler-Szene des Prenzlauer Bergs. Diese Kreise gelten als regimekritisch, teilweise sogar staatsfeindlich. Und werden deshalb streng observiert. Bei der Vorbereitung einer unerlaubten Antikriegsdemonstration gerät Harald Hauswald ins Visier der Staatssicherheit.

Also, ein Freund von der Umweltbibliothek plante eine Fahrraddemo vom Alex (Alexanderplatz - Anm. der Red.) bis Pankow, schweigend ohne Plakate, fünfzig bis hundert Leute. Ich habe auch ein paar Leuten Bescheid gesagt. Da haben die gleich gedacht, ich habe die organisiert, da hatte ich dann den Namen weg: 'Radfahrer'. Dabei habe ich mir eins geborgt, ich hatte gar keines.

Harald Hauswald

Seine Fotoausstellungen werden abgehängt, er selbst erhält Druckverbot in der DDR. Aber Hauswald gelingt es auf Umwegen, über Westberliner Journalisten, seine Bilder an die Öffentlichkeit zu bringen. Sie erscheinen nun im "Tagesspiegel", in der "taz", in der "GEO", im "Stern". Doch während seine Bilder ausreisen, bleibt er in der DDR. Hauswald lässt sich nicht einschüchtern.

1985 hatten sie mal einen Haftbefehl ausgestellt wegen vier Paragrafen: Weitergabe geheimer Nachrichten, Agententätigkeit, staatsfeindliche Hetze und Devisenvergehen. Mit Bleistift war darunter vermerkt: 'Aus politischen Gründen im Moment nicht ratsam.'

Harald Hauswald

Die Bekanntheit im Westen schützt ihn vor härteren Restriktionen. Hauswald ist bei einer kirchlichen Einrichtung angestellt und hat ein offizielles Einkommen. Trotzdem hat er oft Angst, nicht um sich, sondern um Anne, seine kleine Tochter.

Ich war ja alleinerziehender Vater, ihre Mutter war in Westberlin. Es gab auch viele Hausdurchsuchungen. Zehn Tage lang haben die mich mit zehn Leuten beschattet. Da bin ich zu Eppelmann (Rainer Eppelmann, regimekritischer Pfarrer in der DDR - Anm. der Red.), habe der Kirche eine Vollmacht gegeben, dass sie sich um meine Tochter kümmert, wenn mir was passiert.

Harald Hauswald

Hinter der permanenten Bespitzelung Hauswalds steckt auch die Angst der DDR-Führung über die Wirkungen, die seine Bilder auslösen könnten. Doch Hauswald ist vor allem ein Chronist des Alltags.

Noch heute ist er als politischer Fotograf unterwegs, macht viele Ausstellungen mit seinen alten DDR-Fotos. Aber selbst zwanzig Jahre nach der Wende erregen sie, wie jüngst im thüringischen Jena, bei manchem Besucher Unmut.

Harald Hauswald
Bildrechte: IMAGO

Da gab es Besucher der Ausstellung, die sagten: 'Wir lassen uns unsere DDR nicht kaputt machen durch diese Fotos.' Eine Frau schrieb: 'Betrachtet man die Fotos, könnte man nachträglich den Eindruck bekommen, das war ein Polizeistaat.' Hallo! Immer noch nicht begriffen?

Harald Hauswald

Zuletzt aktualisiert: 07. Oktober 2008, 10:50 Uhr