Campingurlaub mit einem Wohnwagen vom Typ Bastei.
Urlaub mit dem Wohnwagen war zu DDR-Zeiten schon recht luxuriös, die Gefährte sind heiß begehrt. Bildrechte: dpa

1950er Wohnwagen entwickeln sich zum Statussymbol in der DDR Bernhard Bräuner und sein Wohnwagen Marke Eigenbau

Anfang der 1980er-Jahre hat Bernhard Bräuner die Nase voll: Er will endlich mit seinem eigenen Wohnwagen in den Urlaub fahren! Leider hat er keinerlei Aussicht, in absehbarer Zeit legal in den Besitz eines solchen zu kommen. Was dann passiert, ist eine ganz andere "Made in GDR"-Geschichte ...

Campingurlaub mit einem Wohnwagen vom Typ Bastei.
Urlaub mit dem Wohnwagen war zu DDR-Zeiten schon recht luxuriös, die Gefährte sind heiß begehrt. Bildrechte: dpa

In der Erinnerung von Bernhard Bräuner aus Kraftsdorf in Thüringen war die DDR dafür bekannt, dass man angeblich keine Reisefreiheit hatte und unter größten Einschränkungen leben musste. Das versteht er als Herausforderung! Anfang der 1980er-Jahre will er endlich mit eigenem Wohnwagen in den Urlaub fahren. Doch selbst auf das kleinste DDR-Fabrikat, den QEK Junior, wartet man damals Jahre - wohlwissend, dass seine Qualtiät zu wünschen übrig lässt. Bernhard Bräuner will es besser machen. 1982 leiht er sich einen Wohnwagen, fährt an den Balaton und schaut sich um...

Ich bin mit einem geliehen Ostwohnwagen bis zum Plattensee gefahren und dort habe ich mir angesehen, was es auf dieser Welt noch gibt, habe mir diesen oder jenen Prospekt illegal in die DDR mitgebracht.

Bernhard Bräuner, Elektromechaniker und Reisefreund

Kaum zu Hause, wird die Inspiration in die Tat umgesetzt. Bernhard Bräuner zeichnet das Wohnmobil seiner Träume, akribisch durchdacht und maßstabsgetreu. Doch der Plan ist nur die halbe Miete. Der Elektromechaniker braucht Bauteile und Materialien - und setzt auf Tauschwirtschaft: Aus Grillkohle werden Alu-Stangen, aus einem Korb Champignons alte Fernsehblenden zur Belüftung des Kühlschrankes im Innenraum. Zwei Jahre sammeln. Dann wird montiert. Scharnier für Scharnier, Schraube für Schraube entsteht aus tausend kleinen Erfindungen ein Ganzes.

Die Handbremse stammt aus einem Trabi, die Positionsleuchten gehören eigentlich zu Beiwagenmaschinen und zur Befüllung des Tanks für die Bordwasserversorgung montiert Bernhard Bräuner einen Benzineinfüllstutzen von einem Skoda MB 1000 an.

Vom Rahmen über die Karosse bis zum Innenleben: der komplette Wohnwagen ist somit ein Eigenbau Marke Bernhard Bräuner.

Wenige Marke Stunden vor der ersten Reise gibt das Kraftfahrzeugtechnische Amt der DDR dann 1984 grünes Licht: Vom heimischen Hof in Thüringen aus rollt der Hänger in die Welt. Zunächst gen Osten, nach 1989 dann durch ganz Europa. Und erst da sind Bräuner und sein Wohnwagen wirklich am Ziel.

Es haben sich so viele Möglichkeiten eröffnet durch die Wende, dass ich der Zeit, wo ich mit Improvisation das hergestellt habe, in Nichts nachtrauere. Ich habe jetzt soviel mehr Möglichkeiten, alles zu sehen in Europa und woanders. Das ist etwas so Wunderbares.

Bernhard Bräuner

Zuletzt aktualisiert: 30. September 2016, 13:19 Uhr