Eine Affäre gegen jede Regel

Das Politbüro der DDR bei einer Veranstaltung auf der Leipziger Festwiese ( unter anderem mit Margot Honecker, Willy Stoph, Erich Honecker)
Das Politbüro der DDR bei einer Veranstaltung auf der Leipziger Festwiese - unter anderem mit Margot Honecker, Willy Stoph, Erich Honecker Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

"Es wurde oft gesagt, dass sich Margot vor allem deshalb mit Erich eingelassen hatte, um auf diese Weise ihre Karriere zu fördern", weiß Autor Ed Stuhler, der auch eine differenzierte Biografie über Margot Honecker vorlegte. "Aber das ist Unsinn, denn zu dieser Zeit war es für beide ein großes Risiko, so ein Verhältnis einzugehen." Und in der Tat verstieß die Affäre gegen die offiziellen Moralvorstellungen der Partei. Offenbar war Honecker bereit, den Preis zu zahlen. In einem Brief schrieb er damals, dass er nie mehr von Margots Seite gehen wolle, notfalls würde er eben wieder als Dachdecker arbeiten. Das musste er nicht. Auch weil er im Staatspräsidenten Wilhelm Pieck einen mächtigen Fürsprecher hatte: Der "hatte einen sehr großen Anteil daran, dass das Ganze ohne Skandal abgelaufen ist", meint Gerhard Schürer. Walter Ulbricht dagegen, der die sozialistische Moral hochhielt, war zunächst entsetzt über Honeckers Liebesleben.

Das Politbüro interveniert

Im Sommer 1952 befasste sich sogar das Politbüro mit der "wilden Ehe" des Genossen Honecker und der Genossin Feist: In Tagesordnungspunkt 20 wurde den beiden allerdings ein gemeinsamer Urlaub in der Sowjetunion bewilligt. Man forderte zugleich eine zügige Klärung der Verhältnisse. Honecker wohnte damals noch immer mit seiner Frau Edith und der 1950 geborenen Tochter Erika in einer gemeinsamen Wohnung. Jetzt aber war Margot Feist hochschwanger.

Im Januar 1955 willigte Edith Baumann auf Betreiben Ulbrichts in die Scheidung ein. Kurz darauf heiratete Erich Honecker seine Geliebte. Seine Hochzeit machte Eindruck bei den Genossen - das ganze Treppenhaus soll mit Rosen überstreut gewesen sein. Drei Jahre später zog das Ehepaar in die Politbüro-Siedlung nach Wandlitz. In ihren Biografien gaben beide allerdings später als Hochzeitsdatum das Jahr 1953 an. Margot Honecker war, so ihr Biograf Ed Stuhler, die lange Zeit der wilden Ehe äußerst peinlich.

Edith Baumann schaffte es in den 1960er-Jahren bis zur Kandidatin des Politbüros der SED. Sie starb 1973 im Alter von 64 Jahren. Den Trauerzug führte Erich Honecker an.

(Zitate aus: Die Honeckers privat, Film von Ed Stuhler und Thomas Grimm, MDR 2003; Honecker und die Frauen, exakt, MDR 2003)

Zuletzt aktualisiert: 19. August 2012, 20:15 Uhr