Der ehemalige DDR-Staats- und Parteichef Erich Honecker mit seiner Frau Margot auf dem Flughafen von Santiago de Chile.
Erich Honecker begibt sich im Januar 1993 mit seiner Frau Margot ins Exil nach Chile. Bildrechte: dpa

29. Januar 1990 Erich Honecker wird verhaftet Erich Honecker - das Ende einer Ära

Der ehemalige DDR-Staats- und Parteichef Erich Honecker mit seiner Frau Margot auf dem Flughafen von Santiago de Chile.
Erich Honecker begibt sich im Januar 1993 mit seiner Frau Margot ins Exil nach Chile. Bildrechte: dpa

Erich Honecker ist bereits ein todkranker Mann, als er am 29. Januar 1990 von der Volkspolizei verhaftet wird. Am 18. Oktober 1989 ist er von allen Ämtern zurückgetreten, einen Monat später unterzieht er sich einer Krebsoperation in der Berliner Charité. Der Generalstaatsanwalt leitet dennoch ein Ermittlungsverfahren ein, wegen Amtsmissbrauch und Korruption. Am 29. Januar 1990 wird er das Gefängnis Berlin-Rummelsburg gebracht. Wegen Haftunfähigkeit ist Erich Honnecker am nächsten Tag wieder auf freiem Fuß - und quasi obdachlos.

Kirchenasyl für Honecker

Uwe Holmer
Pfarrer Zwe Holmer gewäht den Honeckers Asyl. Bildrechte: dpa

Schutz findet Erich Honecker an einem Ort, der eigentlich nicht in sein Weltbild passte: in der Kirche. Im brandenburgischen Lobetal werden er und seine Frau Margot aufgenommen. Zwar hatte die Regierung Modrow dem Ehepaar Honecker eine Wohnung in Berlin-Friedrichshain zugewiesen, doch Erich Honecker hat Angst vor Übergriffen und lehnt die Wohnung ab. Lothar de Maizière, stellvertretender Ministerpräsident der DDR, sucht hartnäckig nach einer Alternative. Zuerst sträubt sich die evangelische Kirche, dann zeigt sich Pfarrer Holmer in Lobetal doch bereit. "Er war schwach und krank", erinnert sich Pfarrer Uwe Holmer an die Aufnahme der Honeckers: "Sie haben sich bedankt, sie waren wie ganz normale Gäste." Zehn Wochen bleiben die Honeckers im Kirchenasyl. Es gibt viele Proteste dagegen, auch die Kirche kann irgendwann nicht mehr für Honeckers Sicherheit garantieren.

Aus dem Kirchenasyl nach Moskau

Die geballte Faust hochgereckt verläßt der ehemalige Staatsratsvorsitzende der DDR, Erich Honecker (l), am 29. Juli 1992 die chilenische Botschaft in Moskau.
Erich Honecker verlässt am 29. Juli 1992 die chilenische Botschaft in Moskau. Bildrechte: dpa

Erich Honecker begibt sich nach Beelitz am Rande Berlins, in das zentrale Lazarett der sowjetischen Streitkräfte. Dort erreicht ihn am 30. November 1990 erneut ein Haftbefehl – wegen der Todesschüsse an der Mauer. Im März 1991 lässt er sich deswegen nach Moskau ausfliegen, findet Zuflucht in der chilenischen Botschaft.

Bereits nach wenigen Monaten wird er nach Berlin zurückgeführt, am 12. November 1992 beginnt der Prozess wegen Totschlag und versuchtem Totschlag in 68 Fällen. Im Januar 1993 wird das Verfahren eingestellt. Honecker ist ein freier Mann und darf nach Chile ausreisen. In Santiago de Chile stirbt er 1994 im Alter von 81 Jahren - von seiner einstigen Macht ist nichts übrig geblieben.

Zuletzt aktualisiert: 15. Dezember 2016, 12:20 Uhr