Ein Ehepaar auf dem FKK-Zeltplatz Prerow auf dem Darß
Zwischen den Dünen darf in Prerow immer noch gezeltet werden - auch nackt Bildrechte: dpa

Wo der Osten Urlaub machte FKK – im Osten total normal

Die FKK-Bewegung kommt zwar nicht aus der DDR, fand aber dort ihre größte Anhängerschaft. Bis heute verteidigen die Ostdeutschen ihr Recht auf Nacktbadestrände.

Ein Ehepaar auf dem FKK-Zeltplatz Prerow auf dem Darß
Zwischen den Dünen darf in Prerow immer noch gezeltet werden - auch nackt Bildrechte: dpa

Anfangs in den 50er-Jahren war es noch unüblich, sich hüllenlos am Strand zu zeigen. Es gab sogar ein offizielles Nacktbadeverbot der Volkspolizei. Aber in diesem Punkt setzte sich die DDR-Bevölkerung durch: Nacktbaden war Privatsache und so widerstand man der Staatsmacht. Es wurden von Jahr zu Jahr mehr, die FKK zu ihrer Urlaubsnormalität machten. In Prerow, auf dem berühmten Zeltplatz in den Dünen, entwickelte sich ein kleines Paradies für die Nacktbader aller Altersstufen.

Freikörperkultur?

FKK als kleine private Opposition gegen das SED-Regime? So hat das kaum einer der sommerlichen Badegäste an der Ostsee empfunden. Der öffentlichen Prüderie, die sich beispielsweise in der Reglementierung von Nacktfotos in Zeitschriften zeigte, stand der private ungezwungene Umgang mit der eigenen Nacktheit gegenüber. Schließlich lenkte auch der Staat ein und machte aus dem Wildwuchs der FKK-Kultur ein halbwegs geordnetes Nebeneinander von Nackten und Textilbadegästen. 1982 wurden insgesamt 40 offizielle Nacktbadestrände ausgewiesen, 1988 waren es dann schon 60.

Der Kampf der Nackten

Der Schock kam 1989, nach der Wende. Nicht für die "gelernten DDR-Bürger", sondern für ihre neuen Brüder und Schwestern aus dem Westen, die den Osten erkundeten. An der Küste konnten sie vor lauter Nacktbadenden ihren gewohnten Textilstrand nicht finden. FKK im Westen, das gab es eigentlich nur in der Sauna, an den Stränden herrschte "Ordnung". So kam es zum großen Streit. Doch die Ostdeutschen verteidigten ihr Recht auf Nacktbadestrände gegen westdeutsche Prüderie. Und siegten am Ende, wenn auch mit Einschränkungen. Nacktbaden blieb durchgehend an der Küste in Mecklenburg-Vorpommern üblich, auch wenn die Strandabschnitte dafür kleiner geworden sind und extra ausgewiesen sein müssen. Die meisten sind zudem außerhalb der Ortslagen.

Unten ohne
Unten ohne turnt sich's besser: Zinnowitz im Sommer 1988. Bildrechte: MDR/Mahmoud Dabdoub

"Achtung, hier beginnt ein FKK-Strand!"

Nackte Tatsachen für polnische Strandläufer.
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Neuen Konfliktstoff brachte noch einmal die Grenzöffnung nach Polen. Denn Spaziergänger aus dem katholischen Polen, die bei Swinemünde über die Grenze gen Westen spazierten, gaben sich geschockt ob des nackten deutschen Strandgebarens bei Ahlbeck. Aber auch dieser internationale Konflikt wurde beigelegt: Zweisprachig wird der Spaziergänger nun gewarnt: Achtung, hier beginnt ein FKK Strand!

"Damals"-Urlaubsorte an der Ostsee

(zuerst veröffentlicht am 06.07.2009)

Über dieses Thema berichtete der MDR auch im TV: MDR um 2 | 15.08.2016 | 14:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 20. September 2017, 18:42 Uhr