Grenzstrand
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1961 -1989 Die Ostsee - eine gefährliche Fluchtroute

Zwischen dem 13. August und dem 9. November 1989 war die Ostsee die Grenze zwischen DDR und Freiheit. Das Meer wurde zum Ort der Sehnsucht - und zunehmend zum gefährlichen Fluchtweg. Hier gab es zwar keine Mauern mit Selbstschussanlagen, dafür aber meterhohe Wellen und raue Stürme. Trotzdem wagten tausende Menschen den Weg übers Meer und viele kamen dabei ums Leben.

Grenzstrand
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Einer, der es versuchte, war der Fotograf und Buchautor Bodo Müller. Nach der Wende hat er gemeinsam mit seiner Frau Christine das Buch "Über die Ostsee in die Freiheit" geschrieben. Anfangs, so schildert es der Autor, sei er davon ausgegangen, dass sich lediglich ein paar wenige Wagemutige DDR-Bürger für den gefährlichen Fluchtweg über die Ostsee in die Freiheit entschieden hätten.

Als wir dann aber die Akten einsahen der Grenzbrigade Küste, da waren wir so schockiert, dass das nicht nur ein paar verrückte Segler waren, sondern dass es eine Massenflucht war, insbesondere ab Anfang der 1980er-Jahre.

Bodo Müller, Autor des Buches "Über die Ostsee in die Freiheit

Nach seinen Recherchen gab es zwischen dem Bau der Mauer im August 1961 und dem 9.November 1989 circa 5.600 Fluchtversuche über die Ostsee, und das "unter den unmöglichsten Bedingungen, teilweise schwimmend, mit Luftmatratze, mit Kanu, mit Faltboot, (...) es wurden U-Boote gebaut."

Mindestens 174 Erwachsene und Kinder starben

Nach Müllers Recherchen gelangten 901 DDR-Bürger auf diesem Weg in die Freiheit. Die meisten Fluchtversuche allerdings scheiterten, viele wurden von DDR-Grenztruppen gestellt und kamen ins Gefängnis. Mindestens 174 Erwachsene und Kinder kamen ums Leben.

Strandkörbe im Dunkeln
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Tagsüber badete man am Strand. Doch nachts galt er als Sperrzone, teils bewacht und mit Scheinwerfern abgesucht. Viele Fluchten starteten in den Dünen.

Mo 06.07.2009 22:05Uhr 09:00 min

http://www.mdr.de/damals/archiv/videowand/video-128458.html

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Video

Die letzte bekannte Flucht über die Ostsee unternahm am 2. September 1989 Mario Wächtler. Wächtler hatte Glück. Stundenlang war er im Neopren-Anzug bereits durch die kalte Ostsee geschwommen, als er von einer westdeutschen Fährbesatzung entdeckt wurde. Völlig erschöpft wurde er gerettet.

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Zuletzt aktualisiert: 10. August 2017, 10:14 Uhr