Spur der Ahnen Geheime Forschung für die Stasi

Der Freiberger Bergbauingenieur Otto Fleischer wird Ende 1952 verhaftet. Der Vorwurf: Sabotage. Das Urteil: 15 Jahre Zuchthaus. Doch der Verurteilte kommt nicht nach Bautzen, sondern in ein Speziallager, um dort unter strenger Geheimhaltung zu forschen. Doch woran? Das versuchen seine Kinder herauszufinden.

Die Weihnachtsvorbereitungen sind in vollem Gange im Hause Fleischer im sächsischen Freiberg, als es am 22. Dezember 1952 an der Tür klingelt. Die Staatssicherheit verhaftet den hochangesehenen Ordinarius des Instituts für Bergbaukunde, Professor Otto Fleischer, in seiner Wohnung, vor den Augen seiner Frau und seiner Kinder. Der Vorwurf: Sabotage.

Otto Fleischer - ein Bauernopfer

Otto Fleischer wird in Chemnitz ins Stasi-Gefängnis gesperrt. Er soll verantwortlich sein für ein Grubenunglück in Zwickau, bei dem im April 1952 48 Bergleute starben. Ursache sind technische Mängel und menschliches Versagen.

Doch eine Untersuchungskommission unter Walter Ulbricht kommt zu dem Ergebnis: Reaktionäre Kräfte wollten das Volkseigentum schädigen. Ein Bauernopfer muss her.

Fleischer bietet sich geradezu an als ehemaliges SPD-Mitglied, als bürgerlicher Wissenschaftler, der vor seinen Studenten kritisierte, dass in den Gruben in Zwickau ungelernte Kräfte arbeiteten. Bis 1950 hatte er als Technischer Leiter der Steinkohlenverwaltung in Zwickau gearbeitet.

Als Mitglied des Sächsischen Landtages hatte er zudem gegen den Aufbau der Nationalen Volksarmee gestimmt. Vorgeworfen werden im auch Westkontakte.

Forschungen im streng abgeschirmten Geheimlager

Die Familie bleibt monatelang im Ungewissen, während Otto Fleischer durch Schlafentzug und Verhöre zermürbt wird. Im September 1953 wird er in einem stalinistischen Schauprozess zu 15 Jahren Zuchthaus wegen Kriegs- und Boykotthetze verurteilt. Überraschenderweise kommt der Vater jedoch nicht ins Zuchthaus, sondern in ein Speziallager der Staatssicherheit in Gumnitz im heutigen Mecklenburg-Vorpommern. Dort forscht der Vater mit anderen Wissenschaftlern und Spezialisten in dem streng abgeschirmten Geheimlager. Nur woran? Das wussten die Söhne und die Tochter lange Jahre nicht. Die Spur der Ahnen bringt Licht ins Dunkel:

Buchtipp Otto Fleischer:

"Lebenserinnerungen eines Bergingenieurs"

Herausgegeben von Jürgen Fleischer,
296 Seiten, Norderstedt: Books on Demand 2013,
ISBN: 978-3-7322-6481-0

Zuletzt aktualisiert: 31. August 2017, 16:16 Uhr