Hilde Benjamin - Die Scharfrichterin der DDR

Ihr Name steht noch heute für Schauprozesse und Todesstrafen, für eine Justiz im Dienste des Klassenkampfes. Der Film erforscht den erstaunlichen Weg einer Frau, die einst selbst politisch verfolgt wurde, belegten die Nazis die junge KPD-Anwältin doch mit Berufsverbot und ermordeten ihren Mann ... In der DDR stieg Hilde Benjamin auf zur Justizministerin, genannt die "Guillotine".

Bernburg im Dezember 1950. Hilde Benjamin ist heimgekehrt. Hier an der Saale wurde sie geboren und genau hier will sie jetzt vor aller Welt beweisen, dass sich die Partei auf sie verlassen kann. Die Kameras sind auf sie gerichtet, die Mikrofone bereit, das Spektakel kann beginnen: Wieder ein öffentlicher Prozess, wieder drakonische Strafen, wieder ein Auftritt, der die Feinde der Partei das Fürchten lehren soll ...

Aus der Verfolgten wird die Verfolgerin

Der Film über Hilde Benjamin ist der Auftakt der diesjährigen 15. Staffel "Geschichte Mitteldeutschlands". Als gnadenlose Richterin verhängte sie im Akkord Zuchthausstrafen, als linientreue Justizministerin gab sie der politischen Willkür den Anschein von Gesetzlichkeit.

"Blutige Hilde" oder "Rote Guillotine" wurde sie genannt. Ihr Name steht noch heute für Schauprozesse und Todesstrafen, viele verbinden mit Hilde Benjamin die zum Klassenkampf- und Unterdrückungsinstrument degradierte DDR-Rechtsprechung.

Doch bevor Hilde Benjamin zur Frontfrau des SED-Unrechtssystems aufstieg, gehörte sie selbst zu den Opfern. Die Nazis belegten die junge Juristin mit Berufsverbot, bedrohten ihr Kind und ermordeten ihren Mann.

War es Rachsucht oder politischer Fanatismus, der sie nach dem Krieg den Spieß einfach umdrehen ließ? Warum wurde aus der Verfolgten die Verfolgerin und warum aus der Anwältin der Entrechteten, eine Richterin im Dienst der Diktatur?

Fragen wie diesen geht der Film über Hilde Benjamin in der MDR-Reihe zur "Geschichte Mitteldeutschlands" nach.

Anke Sevenich spielt die Juristin

Dargestellt wird die überzeugte Kommunistin von Schauspielerin Anke Sevenich, die sich gründlich auf ihre Rolle vorbereitet hat:

"Hilde Benjamins Urteile waren gnadenlos, aber was mich beeindruckte, war diese Gelassenheit, diese innere Ruhe, die von ihr ausgingen, selbst wenn sie Todesurteile verhängte."

Angaben zum Film: Hilde Benjamin - Die Scharfrichterin der DDR

Buch und Regie: André Meier
Regie Spielszenen: Pepe Pippig
Kamera: André Götzmann
Kamera Spielszenen: Torbjörn Karvang
Schnitt: Thomas Kleinwächter / Andreas Ogrzewalla

Länge: 45 min.
Erstsendung: 04.08.2013 | 20:15 Uhr

Hilde Benjamin - Zur Person Die im Jahre 1902 in Bernburg geborene Rechtswissenschaftlerin trat im Alter von 25 Jahren der Kommunisten Partei Deutschlands (KPD) bei. 1933 von den Nationalsozialisten mit Berufsverbot belegt, wurde sie nach dem Krieg als Verfolgte des Nazi-Regimes Staatsanwältin in Berlin. Bald darauf wechselte die überzeugte Kommunisten in den Ostsektor der Stadt und wurde 1947 als Personalreferentin in die "Deutsche Zentralverwaltung für Justiz" berufen.

Nach Gründung der DDR war sie von 1949-53 Vizepräsidentin des Obersten Gerichtshofes der DDR. Ihre harten Urteile gegen "Staatsfeinde" und "Wirtschaftssaboteure", darunter zwei Todesurteile, brachten ihr den Namen "Rote Guillotine" ein. 1953 wurde sie zur Justizministerin benannt und behielt diesen Posten bis zum Jahre 1967. Hilde Benjamin starb 1989 im Alter von 87 Jahren.

Zuletzt aktualisiert: 15. September 2015, 11:46 Uhr