Juri Gagarin, 1961
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12. April 1961 - Gagarin umrundet den Erdball Juri Gagarin: Der Kolumbus des Kosmos

Vor 56 Jahren flog der sowjetische Kosmonaut Juri Gagarin ins All und umrundete in über 300 Kilometern Höhe den blauen Planeten. Nach seiner Rückkehr wurde er zum Helden – frühstückte mit der englischen Queen, schüttelte Che Guevara und Gina Lollobrigida die Hand. Sein größter Traum blieb ihm jedoch verwehrt: Ins Weltall kehrte er nie zurück.

Juri Gagarin, 1961
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Die Welt als Kugel, als blauer Planet, an dessen Krümmung die Schwärze des Weltraums beginnt – so hatte die Erde vor dem 12. April 1961 noch kein Mensch gesehen. Bis der sowjetische Kosmonaut Juri Alexejewitsch Gagarin in einer Stunde und 48 Minuten die Welt in bis zu 327 Kilometern Höhe umkreiste. Er kehrte wohlbehalten zur Erde zurück. Anschließend reiste er wie ein Aushängeschild der Sowjetunion weltweit auf der Erde fast überallhin, aber bis zu seinem ungeklärten Tod am 27. März 1968 nicht mehr zurück in den Weltraum.

Ein Bauernsohn fliegt ins All

Am 12. April 1961 war das Wetter im sowjetischen Raumfahrtzentrum Baikonur gut: klare Sicht, keine Wolken. Um 9.07 Uhr sollte die Wostok I – das russische Wort für "Osten" – den ersten Menschen in den Weltraum befördern. Bereits zwei Stunden vorher war Gagarin in die Flugkapsel geklettert, wo er ausharren musste, bis die Rakete betankt war und letzte Einstellungen vorgenommen wurden. Zu dem Zeitpunkt war der 27-jährige Bauernsohn aus Smolensk der Welt ein nahezu Unbekannter.

Und es war nicht sicher, dass sich daran etwas ändern würde: Die Chancen, diesen Flug zu überstehen, lagen unter 50 Prozent. Drei von fünf Testraketen waren beim Start explodiert, noch nie war ein Mensch in solch einer Höhe geflogen und keiner wusste, wie sich das auf den menschlichen Organismus auswirken würde.

An diesem Apriltag jedoch glückte der Start. Gagarin umrundete die Welt in 89 Minuten, 34 Sekunden. Dann schwenkte die Raumkapsel, in der Gagarin mehr lag als saß, samt dem letzten verbliebenen Versorgungsteil aus der Umlaufbahn. Die beiden Stücke sollten sich trennen, denn nur die Kapsel war vor dem Verglühen in der Atmosphäre geschützt. Etwas klemmte, die Verbindung der zwei Teile ließ sich nicht kappen und die Teile fingen Feuer. Gagarin probierte es noch mal und schaffte es, die Kapsel zu lösen. Wie hundert Mal geprobt, schleuderte er sich in 7.000 Metern Höhe aus der Kapsel und landete mit einem Fallschirm auf einem Acker nahe der Wolga.

"Held der Sowjetunion"

Fidel Castro 1964 mit sowjetischen Kosmonauten Juri Gagarin, German Titow, Andrijan G. Nikolajew, Pawel Romanowitsch Popowitsch und Waleri Bykowski
Fidel Castro 1964 mit sowjetischen Kosmonauten Juri Gagarin, German Titow, Andrijan G. Nikolajew, Pawel Romanowitsch Popowitsch und Waleri Bykowski Bildrechte: dpa

Millionen Sowjetbürger waren stolz auf Gagarin, Menschen aus allen Ländern staunten über diesen freundlich lächelnden, sympathischen Mann. Die Regierung der UdSSR schlachtete den Erfolg im Wettlauf um die Eroberung des Weltraums aus. Gagarin wurde als "Held der Sowjetunion" ausgezeichnet und zum Vorbild stilisiert. Die kommunistische Regierung schickte ihn auf die Reise um jene Erde, deren Wölbung er als erster Mensch überhaupt von oben bestaunt hatte.

Als den "Kolumbus des Kosmos" feierte ihn die sowjetische Führung. Wieder war sie den USA zuvorgekommen, schickte nach dem ersten Satelliten – Sputnik I – auch den ersten Menschen ins All. Gagarin wurde auf Werbetour für die Sowjetunion und den Kommunismus geschickt. Er schüttelte Che Guevara und Fidel Castro in Kuba die Hand und lernte Gina Lollobrigida kennen. Bei der englischen Queen Elisabeth II war er zum Frühstück eingeladen.

Ungeklärter Tod des Weltraumpioniers

Gagarin war ein Held und sollte es auch bleiben. Er wurde keiner Gefahr ausgesetzt und kam für Weltraumflüge nicht mehr in Frage. Zu seinem Glück wurde er 1967 nicht für einen Flug mit der Sojus I eingesetzt. Denn dabei ging alles schief, der Pilot Wladimir Komarow, ein Freund Gagarins, kam bei der Landung ums Leben.

Gagarin starb dennoch bei einem Flug. Nach langen Jahren des Wartens saß er am 27. März 1968 endlich wieder im Cockpit und absolvierte mit einem erfahrenen Co-Piloten einen Trainingsflug im Jagdflugzeug MiG-15. Aus ungeklärter Ursache kam die Maschine ins Schleudern und stürzte ab. Der Tod des Weltraumpioniers wurde untersucht, aber die Akten sind bis heute unter Verschluss. Das nährte Spekulationen: War ein Wetterballon Schuld am Absturz der Maschine? Machten die Piloten Fehler? Hatte die Regierung ihre Finger im Spiel?

Die Antwort auf diese Frage steht weiter aus, auch wenn man sich jährlich weltweit an den ersten Menschen erinnern wird, der die Erde als erster umkreiste.

Mirko Drotschmann
Bildrechte: MDR/Daniela Höhn

Zeitreise Spezial | 12.02.2017 | 22:25 Uhr

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Sigmund Jähn und die Helden der Sterne - ein Themenabend mit Mirko Drotschmann Sigmund Jähn, das Kosmonatenfieber und Juri Gagarin.

Zur Biografie: 1934 wird Gagarin im sowjetischen Dorf Kluschino geboren, im Nachbarort Gshatsk (heute: Gagarin) absolviert er später eine Ausbildung zum Gießer.

1951 beginnt er ein Studium zum Gießereitechniker in Saratow, wo er auch Mitglied im Aeroklub wird

1955 besteht er die erste Flugprüfung und tritt im gleichen Jahr in die sowjetische Armee ein, in Orenburg wird er an der Fliegerschule ausgebildet

1957 bis 1959 ist Gagarin als Mitglied der Jagdflotte am Polarkreis stationiert, währenddessen tritt er in die KPdSU ein

1960 wird er als potentieller Kosmonaut ausgewählt

Am 12. April 1961 fliegt Gagarin als erster Mensch ins All

Von 1960 an ist er für drei Jahre Kommandeur der sowjetischen Kosmonautengruppe, gleichzeitig studiert er an der an der Militärakademie der Luftstreitkräfte

1967 ist er als Ersatzpilot für die Sojus 1 vorgesehen, kommt aber nicht zum Einsatz – der Pilot verunglückt bei der Landung des Flugs

Am 27. März 1968 stirbt Gagarin beim Absturz seines Jagdflugzeugs – die genauen Ursachen sind bis heute ungeklärt

Buchtipps: Juri Gagarin: Das Leben, Ludmila Pavlova-Marinsky, Neues Leben, 2011, Berlin, 17,95 Euro, 978-3-355-01784-8

Im Zeichen des roten Sterns: Zur ikonografischen Kodierung des Kosmopoliten Juri Gagarin, Walter Famler und Josef Schützenhofer, Kulturmaschinen, 2011, Berlin.

Juri Gagarin mit den Augen der Wissenschaftler des Instituts für Luft- und Raumfahrtmedizin, I. B. Usakov, Elbe-Dnjepr.Verlag, Klitzschen, 2009.

Zuletzt aktualisiert: 12. April 2017, 10:31 Uhr

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