Na sowas! Kurt Böwe: "Ich habe diese DDR-Fresse"

+++ Vom Bauernhof in den Hörsaal +++ Vom Hörsaal auf die Bühne +++ Von der Bühne auf den Sportplatz +++ Vom Sportplatz ins Rathaus +++

Bekannt ist Böwe den meisten als Kommissar Groth aus dem Polizeiruf 110. Sein Weg zum Film war keinesfalls direkt. Aufgewachsen in einer Bauernfamilie mit fünf Geschwistern in der Prignitz interessiert er sich zwar schon früh für Literatur und Theater, schlägt aber zunächst die wissenschaftliche Bahn ein. Er studiert an der Humboldt-Universität Berlin Germanistik und Theaterwissenschaft und arbeitet als Wissenschaftler. Doch er will in die Praxis - die Schauspielerei reizt ihn. Und so gelangt er auf die Bühne - am Gorki-Theater erhält er sein erstes Engagement.

Böwes Durchbruch

Der Durchbruch im Film gelingt Kurt Böwe 1973 mit "Der nackte Mann auf dem Sportplatz". Er verkörpert den selbstquälerischen Bildhauer Kemmel, der mit seiner Auffassung von Kunst immer wieder aneckt. In der Provinz verstehen die Leute seine Werke nicht und verstecken sie in der Feuerwache oder auf dem Feuerwehrturm. Als er dann eine Skulptur für den Sportverein seines Dorfs schaffen soll, reagieren die Bewohner verstört über das Ergebnis. Kemmel stellt ihnen einen splitternackten Mann mit baumelndem Gemächt auf den Platz.

Lange im Giftschrank: Jadup und Boel

"Jadup und Boel" heißt der Film, für den Boewe 1980 als Bürgermeister vor der Kamera steht. Gedreht wird in einem märkischen Dorf mit aufmerksamen Bewohnern. Denn bei den Dreharbeiten kommt es zu einem lustigen Zwischenfall. Regisseur Rainer Simon erinnert sich: Auf dem Weg zum Dreh hält eine Einwohnerin Böwe an und fordert, er als Bürgermeister solle endlich die versprochenen Handwerker schicken. Böwes Kommentar zu Regisseur Rainer Simon:

Da siehst du's, du hattest mich richtig besetzt, ich habe diese DDR-Fresse, mir glauben sie den Bürgermeister.

Doch trotz authentischer Besetzung wird der Film erst sieben Jahre später, 1988, freigegeben - Zu offen ist die Kritik an den Zuständen in der DDR.

In seinem Nachruf schreibt der Schauspiel-Intendant Thomas Langhoff über Böwe:

Er wurde als Inbegriff der alten DDR verstanden, als Vaterfigur, als lebensschlauer Verschmitzter, ja auch als Inkarnation Fontanes. Es war so etwas wie eine Mischung von kindhafter Naivität und hoher Intellektualität. Ein Autodidakt reinsten Wassers.

Daten zu Kurt Böwe * geboren am 28. April 1929 in Reetz im Landkreis Westprignitz.
+ Gestorben am 14. Juni 2000 in Berlin.

Zuletzt aktualisiert: 17. Mai 2016, 11:13 Uhr