1960 Sowjets senden geheime Sonde zum Mars Mission Mars: 50 Jahre Raumfahrt zum Roten Planeten

Der Mars gehört zu den am besten erforschten Planeten unseres Sonnensystems. Dutzende Marsmissionen traten die Reise bis zum Roten Planeten an, viele davon scheiterten. Der Traum ihn zu besiedeln existiert bis heute.

Sie sind klein und grün, mit Antennen auf dem Kopf und insektenähnlichen Augen, mit vier oder nur zwei Fingern an glitschig-glänzenden Armen. Gesehen wurde noch keiner, aber die Geschichten rund um die Marsmenschen beflügeln seit vielen Jahrzehnten nicht nur die Fantasie der Science-Fiction-Fans. Schon im 19. Jahrhundert gab es Spekulationen über künstliche Kanäle, die sich über die Oberfläche des Mars ziehen. Das mag wohl der wichtigste Grund dafür sein, dass er neben der Erde inzwischen zu den am meisten erforschten Planeten unseres Sonnensystems gehört. Dutzende Marsmissionen traten die monatelange Reise bis zum Roten Planeten an, viele davon scheiterten. Den Traum, schon bald auch Menschen zum Mars zu schicken, haben russische, europäische und amerikanische Weltraumforscher bis heute nicht aufgegeben.

Weit vor dem Raumzeitalter stand der Rote Planet im Zentrum astronomischer Beobachtungen rund um den Globus. 1877 entfachte der Astronom Giovanni Schiaparelli mit der Beschreibung sogenannter "canali" (italienisch für Graben) auf der Marsoberfläche die Spekulation über Leben auf dem Mars. Waren die Kanäle künstlichen Ursprungs, von Außerirdischen errichtet? Fast ein Jahrhundert hielt sich die umstrittene These. Als 1938 in den USA ein Hörspiel von Orson Wells über die Invasion der Marsianer ausgestrahlt wurde, brach in einigen amerikanischen Haushalten regelrechte Panik aus. Erst die Raumfahrt beendete die Gerüchte um das Kanalsystem und intelligentes Leben auf dem Mars. Es brachte dafür spektakuläre neue Erkenntnisse.

Die Sowjets auf Marskurs

Im Kalten Krieg sprach man nicht gern über Rückschläge. Schon gar nicht über Pannen in der Raumfahrt, die stellvertretend für den Kampf um die Überlegenheit zwischen den Supermächten USA und Sowjetunion standen. Deshalb ist bis heute kaum bekannt, dass die Sowjets in den 1960ern nicht nur den Mond, sondern vor allem den Mars im Visier hatten. Schon 1960 schickten die sowjetischen Raumfahrtexperten zwei Sonden auf den Weg Richtung Mars. Sie erreichten allerdings nicht einmal die Erdumlaufbahn. Auch weitere, streng geheime Versuche 1962 und 1964 schlugen fehl. Allen Rückschlägen zum Trotz träumte man im Kreml und im sowjetischen Raumfahrtteam bereits von einer bemannten Marsmission. Rund zwei Jahre sollte die dauern. 1968 trainierten ausgewählte Kosmonauten in einer abgeschlossenen Raumschiffsimulation mehrere Monate den langen Flug mit all seinen psychischen und physischen Belastungen.

Erste Bilder vom Mars

Letztlich mussten die Sowjets, wie schon beim Mond, den Amerikanern den Vortritt lassen. 1965 flog mit "Mariner 4" die erste Nasa-Sonde am Mars vorbei und lieferte Nahaufnahmen des Roten Planeten. Kanäle waren darauf nicht zu sehen, dafür schienen Krater auf der Oberfläche mit Schnee bedeckt. Sollte es also Wasserbestände auf dem Mars geben, vielleicht sogar primitives Leben? Und konnte es möglich sein, dass der Mensch auf dem erdähnlichen Planeten überleben könnte? 1969 und 1971 schickten weitere Nasa-Sonden aus der Mariner-Serie Tausende neuer Bilder Richtung Erde. Aber Aufschluss über die Lebensbedingungen konnten erst Untersuchungen auf der Marsoberfläche liefern.

Landung auf dem Roten Planeten

1971 gelang der sowjetischen Raumsonde Mars 3 eine Landung auf der Marsoberfläche. Doch die Hoffnungen auf neue Erkenntnisse und darauf, endlich wieder die Nase vorn zu haben in der Raumfahrt – sie zerschlugen sich schon 20 Sekunden nach der Landung. Der Kontakt zu Mars 3 brach ab. In den folgenden Jahrzehnten brachte keine der sowjetischen Missionen den gewünschten Erfolg. Mehr Glück war den amerikanischen Viking-Sonden beschieden. Sie landeten 1976 weich auf dem Marsboden und lieferten zum Teil bis ins Jahr 1982 Bilder von der Oberfläche und Daten über Bodenproben. Den nächsten Höhepunkt gab es erst 1997 – nach dem Ende des Kalten Krieges: Pünktlich zum US-amerikanischen Unabhängigkeitstag landete ein kleines Marsmobil auf dem Roten Planeten und erkundete die Umgebung. Die Bilder veröffentlichte die NASA fast zeitgleich im Internet.

Die ersten Menschen auf dem Mars?

Immer wieder reisten in der Vergangenheit Raumfahrzeuge aus Menschenhand zum Mars, um nach Spuren von Leben zu suchen. Zumindest haben sie Hinweise gefunden, dass es einst flüssiges Wasser auf dem Planeten gegeben haben muss. Inzwischen schmieden auch die glücklosen russischen Wissenschaftler wieder Pläne für eine bemannte Marsmission. 42 Jahre nach dem ersten Experiment gingen im Juni 2011 erneut sechs Freiwillige in die Isolation einer simulierten Marsmission. In Zusammenarbeit mit der europäischen Raumfahrtorganisation ESA waren drei Russen, ein Franzose, ein Italiener und ein Chinese 520 Tage lang an Bord, um Erkenntnisse über die Belastungen eines solchen Fluges zu liefern. Wesentliche Herausforderungen wie Schwerelosigkeit und hohe Strahlenbelastungen können allerdings nicht simuliert werden. Wenn es nach den russischen Marsenthusiasten geht, soll es jedenfalls noch in der ersten Hälfte des 21. Jahrhunderts zu einem bemannten Marsflug kommen.

Und auch die Amerikaner mischen noch mit im Wettlauf zum Roten Planeten. Allerdings hatte Präsident Obama das Programm zur Vorbereitung einer bemannten Marsmission wegen knapper Kassen verschoben. Aber ob in den USA, in Russland oder Europa und trotz aller Rückschläge in den vergangenen 50 Jahren: Der gefährliche und kostspielige Traum vom ersten Menschen auf dem Mars wird weitergeträumt.

Zuletzt aktualisiert: 05. Januar 2017, 10:16 Uhr

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