17. Juni 1953 Zeitzeugen erinnern sich Wie Ursula Karusseit und Peter Sodann den 17. Juni erlebten

Die Schauspielerin Ursula Karusseit war gerade einmal 13 Jahre, als der Volksaufstand am 17. Juni auch ihre Heimatstadt Gera erreichte. Peter Sodann war zu diesem Zeitpunkt nicht viel älter. Mit seinen knapp 17 Jahren hatte er gerade seine Lehre im VEB Elektrowärme Sörnewitz abgeschlossen. Beide haben den Volkaufstand als Nachkriegsjugendliche erlebt, für die "Geschichte Mitteldeutschlands" erinnern sie sich an die Ereignisse vor 60 Jahren.

Ursula Karusseit und Peter Sodann sind aus dem Kreis der beliebtesten deutschen Schauspieler nicht wegzudenken. Beide werden sie sehr gerne in Fernsehserien, Spielfilmen oder auf der Theaterbühne von ihrem Publikum gesehen. Doch bevor die beiden Originale die Bühne betraten oder vor der Kamera standen, waren sie ganz normale Kinder und Jugendliche. Sie gehörten zu den jüngsten Vertretern einer Generation, die noch während der NS-Diktatur in Deutschland geboren wurden, den Zweiten Weltkrieg miterleben mussten und im Nachkriegsdeutschland ihre Jugendjahre verbrachten. In ihre Generation hatte der erste sozialistische Arbeiter- und Bauernstaat alle Hoffnungen gesetzt.

Ursula Karusseit - Wege übers Land

Gertrud Habersaat (Ursula Karusseit) und Emil Kalluweit (Erik S. Klein).
Gertrud Habersaat (Ursula Karusseit) und Emil Kalluweit (Erik S. Klein) in "Wege übers Land" Bildrechte: MDR/DRA/Weltschew

Ursula Karusseit erlebte den Volksaufstand am 17. Juni in ihrer neuen Heimatstadt Gera. Gebürtig stammte die Lehrerstochter aus dem ostpreußischen Elbing und gelangte erst mit dem Kriegsende in das mecklenburgische Parchim, im heutigen Landkreis Ludwiglust. Mit ihren Eltern und drei Geschwistern landete Karusseit schließlich im Thüringischen. Einige Jahre später sollte sie mit diesem Stück eigener Lebensgeschichte, in der Rolle der Gertrud Habersaat, im Fernsehfilm "Wege übers Land" berühmt werden.

Das alles so kommen würde, daran war in jenen Juni-Tagen des Jahres 1953 noch nicht zu denken. Wie Ursula Karusseit heute berichtet, trafen sie die Ereignisse als junge Schülerin recht unerwartet. Brenzligen Situationen konnte sie glücklicherweise aus dem Weg gehen. Über ihren Bruder, der wohl in die Geschehnisse involviert war, und nur zu Hause bei ihren Eltern und hinter verschlossenen Türen erfuhr das junge Mädchen mehr vom Volksaufstand. Später machte Ursula Karusseit eine Ausbildung an einer Wirtschaftsschule und spielte in ihrer Freizeit in einer Kabarettgruppe. Das Hobby sollte für die talentierte junge Frau noch zur Berufung werden.

Peter Sodann - Als Werkzeugmacher im Streik

Peter Sodann wurde 1936 als Sohn einer Arbeiterfamilie in Meißen geboren. Er wuchs allein bei seiner Mutter in Weinböhla bei Meißen auf. Sein Vater war im 1944 im Krieg gefallen. Im VEB Elektrowärme Sörnewitz begann er nach der Schule eine Lehre zum Werkzeugmacher. Als junger strebsamer Mann war er durch seine Mitgliedschaft in der Freien Deutschen Jugend (FDJ), der Deutsch Sowjetischen Freundschaft (DSF) und auch in der Gesellschaft für Sport und Technik (GST) bestens in der sozialistischen Gesellschaft integriert. Doch eines Morgens hieß es für den frisch ausgebildeten Werkzeugmacher mitten in der Frühschicht, nun würde gestreikt. Der Volksaufstand vom 17. Juni 1953 hatte den Ort Sörnewitz, ein Ortsteil der Stadt Coswig im heutigen Landkreis Meißen, erreicht. Erst schien alles nach einem Strohfeuer auszusehen, doch als am kommenden Tag auch ein russischer Panzer auf dem Werksgelände auffuhr, wurde es Ernst.

Peter Sodann machte auch nach den Ereignissen vom 17. Juni seinen Weg. Auf der Arbeiter- und Bauernfakultät holte er sein Abitur nach und begann an der Karl-Marx-Universität ab 1957 ein Jurastudium.

Wenige Jahre später wechselte er das Fach und ging an die Leipziger Theaterhochschule. Es sollte kein gerader Weg werden, den Peter Sodann mit seiner Schauspielerkarriere noch vor sich hatte.

Buchtipps: Ursula Karusseit: Wege übers Land und durch die Zeiten,224 Seiten, Das Neue Berlin 2009.

Peter Sodann: Keine halben Sachen: Erinnerungen, 240 Seiten, Ullstein 2009.

Zuletzt aktualisiert: 15. September 2015, 14:57 Uhr