1965 Erste westliche Künstler werden bei DDR-Plattenlabels verlegt Heiße Ware: Plattendealer in der DDR

Schallplatten waren für Jugendliche in der DDR heiße Ware: Besonders die verbotenen Scheiben, und somit extrem begehrten, verführten manchen Musikliebhaber zu krummen Geschäften. zum Beispiel der ehemalige Musikstudent Markus Rindt aus Dresden - er sammelte vor allem Platten, die es beim staatlichen Label AMIGA nur selten gab. Musiker Frank Rotzsch hatte sich darauf spezialisiert, den begehrten Stoff zu schmuggeln, zu tauschen und einen ganzen Plattenring zu betreiben.

Markus Rindt studierte Musik in Dresden. Auf den ersten Blick scheint der Hornist eher in einem anderen Genre beheimatet zu sein. Für ihn war eine Westplatte allerdings nicht nur ein Gegenstand. Sie war ein Tonträger, der die verbotenen Wünsche nach Freiheit, Rebellion und Spaß transportierte. Was als westlich-dekadent offiziell nie den Weg in die staatliche Plattenhandlung gefunden hätte, vermittelte dem jungen Mann eine Ahnung davon, dass es im Leben mehr geben musste, als nur die kleine DDR. Wenn es doch mal eine Lizenzpressung gab, dann war sie wegen der großen Nachfrage meist vergriffen.

Die Umwege zu heißen Scheiben

Der einzige halblegale Weg führte über die Grenzen der sozialistischen Bruderländer. Vor allem in Bulgarien, in denen die Verhältnisse etwas lockerer waren, konnte man einige der begehrten Platten kaufen. Das war allerdings ziemlich teuer und kostete einen Studenten mitunter das Stipendium eines ganzen Monats.

Jäger, Sammler und Dealer

Der Musiker Frank Rotzsch musste seine Scheiben nicht umständlich aus Bulgarien nach Hause schmuggeln. Als Rentnerin konnte seine Mutter in den Westen reisen und brachte so die Schätze versteckt im Gepäck mit. Auf seine erste Platte "Music of my mind" von Stevie Wonder folgten so noch viele andere, was Frank und seine Freunde auf eine allzu kapitalistisch anmutende Idee brachte: Sie bildeten einen Plattenring. Kam die Platte aus dem Westen, wurde sie unter den Freunden herumgereicht. Jeder durfte sie einmal überspielen, bevor sie weiterverkauft wurde. So hatte der junge Musiker wieder Geld, um neue Platten zu besorgen.

Liebhaberei oder politisches Statement?

Staatsfeinde waren Markus Rindt und Frank Rotzsch aus Dresden sicher nicht, aber eine politische Note schwingt in ihrer Leidenschaft von einst allerdings mit: Sie schwammen durch ihre Leidenschaft in einem Land gegen den Strom, das sich vor spiralförmigen Rillen in schwarzen Scheiben fürchtete und auch sonst restriktiv war, wenn es um westliche Musik ging. Ein Umstand, der heute nicht mehr als ein Augenzwinkern hervorzurufen vermag. Die beiden Plattenliebhaber sind der Musik allerdings treu geblieben. Markus Rindt gründete 1997 die Dresdner Sinfoniker und Frank Rotzsch eröffnete einen Plattenladen und arbeitet bis heute als DJ.

Zuletzt aktualisiert: 19. Mai 2016, 15:44 Uhr