Robin Szolkowy – Der Weltmeister, der immer wieder aufsteht

Tapetenwechsel - Prominente über 25 Jahre Mauerfall

Sportlich hat Eiskunstlauf-Weltmeister Robin Szolkowy fast alles erreicht. Er ist der erfolgreichste deutsche Paarläufer aller Zeiten, fünffacher Paarlauf-Weltmeister, vierfacher Europameister. Dabei sollte der 1979 in Greifswald geborene Robin erstmal nur in die Eishalle, um "weg von der Straße" zu sein.

Die Karriere von Robin Szolkowy beginnt eigentlich schon 1980. In diesem Jahr zieht der vierjährige Robin Szolkowy mit seiner Mutter von der Ostsee nach Erfurt. Die Mutter  ist alleinerziehend und "werktätig", arbeitet als Krankenschwester im Drei-Schicht-Dienst. Robins Vater, ein Medizinstudent aus Tansania, hat die junge Familie kurz nach der Geburt des Sohnes verlassen. Damit der kleine Robin nicht allein ist, sucht sie eine Freizeitbeschäftigung für ihn. Beim Zeitungslesen entdeckt sie, dass eine neue Eislaufhalle eröffnet hat. Kurzum schauen die beiden dort vorbei. Robin ist sofort begeistert – obwohl er oft hinfällt. Aber er steht auch immer wieder auf.

Kinder- und Jugendjahre

Die Begeisterung am Eiskunstlauf ist geweckt. Statt auf dem Rasen geht er weiter in die Eishalle, wird in die Kinder- und Jugendsportschule aufgenommen. Das hochleistungsorientierte Training im Osten verkraftet Szolkowy gut. Ob Wettkämpfe im Klassenverband oder bei der Jugendspartakiade: Der kleine Robin ist oft auf dem Siegerpodest zu finden. Hänseleien, weil er Schlitt- statt Fußballschuhe trägt, kennt er nicht. Im Gegensatz zu anderen Sportarten habe Eiskunstlaufen stets einen ganz entscheidenden Vorteil gehabt: "Wir hatten natürlich Mädels mit dabei, die auch noch klasse aussahen. Da waren die anderen schon neidisch", erinnert sich Szolkowy.

Wichtig war für mich eigentlich, dass man die Möglichkeit hat, das zu zeigen, was man wirklich jeden Tag trainiert. Das war mein Antrieb, das man einfach diese Reaktion bekommt, das man Leute sieht, die sich mit einem freuen und darüber freuen und dann wirklich hinter einem stehen.

Robin Szolkowy, Eiskunstlauf-Weltmeister

Der Wendeherbst

Herbst 1989: Die DDR verändert sich. Der damals zehnjährige Robin spürt das. In der Kinder- und Jugendsportschule bleiben Plätze leer, Kameraden kommen nicht mehr zum Training. Angst vor dem was kommt, hat der Sportler nicht. Seine Mutter bleibt ruhig, bereitet ihn so gut es geht vor auf das, was kommen mag. Gemeinsam stehen sie für das Begrüßungsgeld an. Robin bekommmt einen Walkman - doch viel mehr ändert sich an seinem alltag nicht. Nach der Schule schließt er eine Ausbildung als Datenkaufmann ab. Das eigentliche Leben findet weiterhin in der Eishalle statt. Die einschneidenden Veränderungen, die der Fall der Mauer für viele bedeutet, nimmt der Teenanger nur am Rande war. Spaß am Sport, Erfolg, Unterstützung seiner Familie – die Welt ist für Robin Szolkowy in Ordnung und bleibt es auch erst einmal.

Die Profikarriere

Denn die Karriere von Robin Szolkowy geht weiter steil bergauf. 2001 wird er zum ersten Mal Deutscher Paarlaufmeister. Der Chemnitzer Eislaufclub ist seine neue Heimat. Als seine damalige Partnerin ihre Karriere beendet, bringt Trainer Ingo Steuer eine neue Läuferin ins Spiel. Aljona Savchenko, die ukrainische Weltmeisterin der Junioren, könnte Robin auf ideale Weise ergänzen. Anfangs kämpfen sie mit sprachlichen Barrieren – Aljona spricht russisch, Robin hatte in der Schule Englisch als Fremdsprache – und verständigen sich über Zeichensprache und Blickkontakt.

Diese Kommunikation ist auch im Wettkampf von Vorteil für die beiden. Künstlerisches Geschick, Taktikgespür und Nervenstärke zeichnen sie im Wettkampf aus. Aljona Savchenko und Robin Szolkowy werden zum erfolgreichsten deutschen Eiskunstlaufpaar aller Zeiten. 16 Medaillen bei internationalen Meisterschaften, viermal Weltmeister, viermal Europameister, zweimal Olympiabronze. Dann der Schlag: 2006 kommt an die Öffentlichkeit, dass ihr Trainer Steuer als Spitzel für die Stasi arbeitete. Robin will sich dennoch nicht von ihm trennen – und verliert seine Förderung als Sportsoldat.

Das ist ein sehr schwieriges Thema. Leute, die betroffen sind, hätten wahrscheinlich gesagt, wie kannst du nur. Leute, die das einfach nicht kennen, die aus Westdeutschland kommen vielleicht, würden vielleicht sagen, ich weiß gar nicht was ihr habt, wo ist denn das Problem? Das muss man natürlich abwägen. Er ist mein Trainer und rein sportlich hat seine Vergangenheit überhaupt nichts für mich zu bedeuten."

Robin Szolkowy, Jahrgang 1979

Mit Trainer und Partnerin Aljona gelingt es Robin Szolkowy, neue Sponsoren zu finden. Bei den Olympischen Spielen in Sotchi im Februar 2014 wollen sie ihre Karriere krönen, mit der Goldmedaille unsterblich werden. Doch nach dem Kurzprogramm müssen sie viereinhalb Punkte Rückstand aufholen. Schon nach einer Minute der Kür ist alles vorbei. Robin Szolkowy patzt beim dreifachen Toeloop.

Und dann weiß man sofort Gold ist definitiv weg. Das erste was einem durch den Kopf geht ist: Ich mache sofort Schluss. Ich höre auf, ich nehme meine Schoner, nehme mein Kostüm, setz mich in den Bus und hau ab. Und dann aber fängt das Sportlerhirn an die Leitung zu übernehmen, umschalten, aufstehen als wäre nichts gewesen."

Robin Szolkowy, Fünffacher Weltmeister im Eiskunstlauf

Seine aktive Sportkarriere hat er nach Sotchi zwar beendet – doch künftig wird er mit der Schweizer Vizemeisterin und EM-Starterin Myriam Leuenberger bei Shows zu sehen sein. Denn Hinfallen und immer wieder Aufstehen, das hat der Chemnitzer schon zu DDR-Zeiten oft geübt.

Die Serie: "Tapetenwechsel - Prominente über 25 Jahre Mauerfall" 1989 begann für die Ostdeutschen ein neues Leben. Was sich bei Prominenten wie Achim Mentzel, Winfried Glatzeder oder Ute Freudenberg verändert hat und welche Rolle ihre Herkunft spielt, erzählt unsere GMD-Serie.

Zuletzt aktualisiert: 15. September 2015, 11:46 Uhr