Sigmund Jähn und Valery Bykovsky
Sigmund Jähn und Valery Bykovsky nach ihrer Landung am 3. September 1978 in der kasachischen Steppe. Bildrechte: IMAGO

Sigmund Jähn - der erste Deutsche im All

Am 26. August 1978 flog Sigmund Jähn als erster Deutscher ins Weltall. Seitdem begleitet den Vogtländer aus Morgenröthe-Rautenkranz eine Welle der Sympathie. Ein Blick auf sein bewegtes Leben.

Sigmund Jähn und Valery Bykovsky
Sigmund Jähn und Valery Bykovsky nach ihrer Landung am 3. September 1978 in der kasachischen Steppe. Bildrechte: IMAGO

Morgenröthe-Rautenkranz: Ein Örtchen in Sachsen, der Name fast ein Zugenbrecher und nicht unbedingt für Ruhm und Bekanntheit prädestiniert. Von hier stammt Sigmund Jähn, der erste deutsche Raumfahrer. Am 26. August 1978 flog er ins Weltall und umrundete an Bord einer sowjetischen Raumstation die Erde. Nach seiner Rückkehr wurde Jähn zum Medienstar und DDR-Volkshelden - wider Willen. Seine Popularität ist ungebrochen und beschert auch Morgenröthe-Rautenkranz stetige Besucherströme und dem Raumfahrt-Museum Fan-Post für Sigmund Jähn, der schon lange nicht mehr hier, sondern in Brandenburg lebt.

Sigmund Jähn und sein Flug ins Weltall

Sigmund Jähn als Oberstleutnant der NVA-Luftstreitkräfte am 15. Juli 1978 vor seinem Flug ins All
Am 26. August 1978 flog NVA-Oberstleutnant Sigmund Jähn mit einer sowjetischen "Sojus 31" in den Orbit. Der Mann aus Morgenröthe-Rautenkranz im Vogtland war damit der erste Deutsche im Weltall überhaupt. Für die DDR ein riesen Propaganda-Erfolg. Zwei Jahre war Jähn zuvor in der Sowjetunion auf die Mission vorbereitet worden. Bildrechte: IMAGO
Sigmund Jähn als Oberstleutnant der NVA-Luftstreitkräfte am 15. Juli 1978 vor seinem Flug ins All
Am 26. August 1978 flog NVA-Oberstleutnant Sigmund Jähn mit einer sowjetischen "Sojus 31" in den Orbit. Der Mann aus Morgenröthe-Rautenkranz im Vogtland war damit der erste Deutsche im Weltall überhaupt. Für die DDR ein riesen Propaganda-Erfolg. Zwei Jahre war Jähn zuvor in der Sowjetunion auf die Mission vorbereitet worden. Bildrechte: IMAGO
Sigmund Jähn mit Familie in Moskau
Unter strengster Geheimhaltung war Sigmund Jähn zum Jahreswechsel 1976/77 mit seiner Familie nach Moskau umgezogen (im Bild: Jähn mit Frau und Kind beim Bootsausflug). Auch Jähns Ersatzmann Eberhard Köllner und seine Angehörigen lebten dort. Bildrechte: IMAGO
Sigmund Jähn und Valery Bykovsky
Gemeinsam mit seinem Kommandanten, dem sowjetische Oberst Waleri Bykowski, wird Jähn perfekt auf den Weltraumflug vorbereitet. Bildrechte: IMAGO
Valery Bykovsky (UdSSR) and German spaceman Sigmund Jähn auf dem Weg zum Abflug
Jähn und Bykowsky auf dem Weg zum Abflug: "Denkt man beim Start über die Risiken der Mission nach?" will ein "Spiegel"-Reporter 2014 von Jähn wissen. Der antwortet: "Das ist zu spät, das muss man vorher bedenken. Wenn man in der Rakete sitzt, kann man sich keine philosophischen Gedanken mehr machen. Und wer zu viel Angst hat, ist als Astronaut sowieso im falschen Beruf." (aus: Spiegel Online, Mai 2014) Bildrechte: IMAGO
Valery Bykovsky und Sigmund Jähn
Vor dem Start der Rakete: Waleri Bykowski und Sigmund Jähn am 26. August 1978. Bildrechte: IMAGO
Sigmund Jähn und Valery Bykovsky nach der Landung mit der Sojus 31
Das Lächeln täuscht: Die Rückkehr auf die Erde nach acht Tagen in der Schwerelosigkeit ist unsanft: Die Raumkapsel überschlägt sich mehrfach, Jähns Wirbelsäule wird verletzt und beschert ihm ein Rückenleiden. Doch davon darf die Öffentlichkeit damals nichts wissen. Bildrechte: IMAGO
Sigmund Jähn und Valery Bykovsky
Interview nach der Landung: Es folgt ein beispielloser Medien- und Starrummel nach dem Ausflug ins All: Die Begeisterung über das geglückte Weltraumabenteuer ist auch den Journalisten anzusehen, die die beiden Raumfahrer Jähn und Bykowski nach der Rückkehr aus dem Weltraum interviewen. Bildrechte: IMAGO
Sigmund Jähn - politisch genutzter Ruhm
Für die SED ist Jähn der perfekte Volksheld: Er ist der wandelnde Beweis dafür, dass man es im Arbeiter- und Bauernstaat als Sohn eines Arbeiters mit Fleiß bis ins All schafft. Mit ihm schmückt sich der Staat gern und ausdauernd, wie hier 1981 beim X. Parteitag der SED im Palast der Republik . Bildrechte: IMAGO
Kosmonaut Sigmund Jähn (Mitte, GDR) und Kosmonaut Valerie Bykowsky (re., URS) während ihres Besuches im Armeemuseum in Dresden.
Auch fünf Jahre nach dem Flug ins All ist die Begeisterung für Jähn ungebrochen. 1983 besuchen Sigmund Jähn und Waleri Bykowski das Armeemusuem in Dresden. In dem Jahr gibt das Ministerium für Nationale Verteidigung der DDR auch das Buch: "Gemeinsam im Kosmos" heraus. Von Jähn signierte Exemplare werden für etwa 25 Euro angeboten. Bildrechte: IMAGO
Jugendliche betrachten den Raumanzug von Sigmund Jähn (1978 als Kosmonaut an Bord der sowjetischen Raumstation Salut 6 erster Deutscher im All) im Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland in Bonn.
Jähns Raumfahrt ist auch ins "Haus der Geschichte" eingezogen: Der Raumanzug des ersten Deutschen im Weltall steht hier exemplarisch für die Geschichte des Kosmonauten aus dem Vogtland. Bildrechte: IMAGO
Sigmund Jähn
Sigmund Jähns Leben ist und bleibt bis ins hohe Alter von der Raumfahrt geprägt: Auf Vorträgen, zu "langen Nächten der Wissenschaft", in Hörsälen spricht er über seinen legendären Flug, seine Ausbildung, sein Leben und sucht nach Worten für das, was die Menschen jeden Alters bis heute fasziniert: Wie sich die Schwerelosigkeit anfühlt. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
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Vom Buchdrucker zum Kosmonauten

Sigmund Jähn wurde am 13. Februar 1937 als Sohn eines Sägewerkarbeiters in Morgenröthe-Rautenkranz geboren. Nach seinem Schulabschluss machte er zunächst eine Buchdruckerlehre, bevor er sich 1955 für eine Laufbahn in der Nationalen Volksarmee (NVA) der Deutschen Demokratischen Republik entschied. Jähn schloss die Offiziershochschule ab und wurde einer der ersten Düsenjet-Piloten der NVA-Luftstreitkräfte. Nachdem er sein Abitur nachgeholt hatte, folgte eine weitere Ausbildung an der Militärakademie für Luftstreitkräfte in der Sowjetunion.

Ausbildung im "Sternenstädtchen"

Als im Rahmen des "Interkosmos-Programms" erstmals ein DDR-Kopilot auf einem sowjetischen Raumschiff mitfliegen sollte, kam der damalige Oberstleutnant Jähn 1976 in die engere Wahl. Zwei Jahre wurde er im sowjetischen Kosmonautenzentrum, im "Sternenstädtchen" bei Moskau, auf seinen Weltraumflug vorbereitet. Am 26. August 1978 war es schließlich soweit: Zusammen mit dem sowjetischen Oberst Waleri Bykowski startete der NVA-Offizier mit der Rakete "Sojus 31" ins All. Einen Tag später koppelte die Sojus-Kapsel an die Orbitalstation "Saljut 6" an. Dort führte Jähn zahlreiche wissenschaftliche Experimente durch. Gefragt nach seinen stärksten Eindrücken, schwärmte er vom Blick auf die in leuchtendes Blau gehüllte Erde, von den Polarlichtern und der Erfahrung der Schwerelosigkeit.

Morgenröthe Rautenkranz
Bildrechte: MDR/Landesfunkhaus Sachsen

Harte Landung, Verletzung verschwiegen

Nach acht Tagen und 125 Erdumkreisungen kehrte die Sojus-31-Besatzung auf die Erde zurück. Bei der unerwartet harten Landung in der kasachischen Steppe erlitt Sigmund Jähn einen bleibenden Wirbelsäulenschaden. Auf Anweisung der DDR-Führung wurde die schwere Verletzung allerdings verschwiegen.

Volksheld wider Willen

Sigmund Jähn und Valery Bykovsky nach der Landung mit der Sojus 31
harte Landung, bleibender Schaden Bildrechte: IMAGO

Nach seinem Weltraumflug wurde Jähn über Nacht zu einem der bekanntesten Gesichter des DDR-Sozialismus. Es folgten Orden, Ehrenbürgerschaften, Jubelrundreisen und Empfänge. Kindergärten, Schulen und andere öffentliche Einrichtungen in der DDR wurden nach Jähn benannt. Auf Briefmarken, Plakaten und Gedekmünzen wurde er verewigt. In seinem vogtländischen Geburtsort wurde 1979 eine Raumfahrtausstellung eröffnet, die es bis heute gibt und die jährlich 60.000 Menschen nach Morgenröthe-Rautenkranz zieht.

Jähn selbst war der Rummel nach eigener Aussage eher peinlich. Der zweifache Familienvater blieb bescheiden, was ihm noch mehr Sympathie und Respekt einbrachte - bis heute. Bei einem öffentlichen Auftritt in Berlin-Köpenick im Januar 2012 standen Fans Schlange an einem ausverkauften Kino und zwar bestens vorbereitet: Viele hatten für diesen "Termin" mit Jähn alte Jugendweihe-Geschenkbücher mit Jähns Foto hervorgekramt oder leicht vergilbte Ausgaben der Zeitung "Neues Deutschland".

Aus der Raumfahrtszene nicht wegzudenken

Nach der deutschen Wiedervereinigung wurde der NVA-Generalmajor, der bis 1990 als Chef Kosmische Ausbildung beim Kommando Luftstreitkräfte/Luftverteidigung der NVA wirkte, zwar pensioniert, aber sein Insiderwissen über die russische Raumfahrt war auch weiterhin sehr gefragt. Der in Strausberg bei Berlin lebende Jähn arbeitete von da an als Berater für die Deutsche Forschungsanstalt für Luft- und Raumfahrt (DLR) und die europäische Raumfahrtagentur ESA.

Zuletzt aktualisiert: 25. August 2017, 13:05 Uhr